Welcome Home

Nach guten fünf Monaten Zentral– & Nordamerika kamen wir also zurück. Zurück nach Hause. Unser Zuhause, einen 33 Jahre jungen ehemaligen Ex-Katastrophenschutzbus hatten wir vor mittlerweile drei Jahren in 100% Eigenregie vom tristen Behördenfahrzeug zum gemütlichen Heim auf Rädern umgebaut. Das gute Stück stand nun fünf Monate unbewegt und ungeöffnet – allen Witterungslagen ausgesetzt – in der Einfahrt von Florians Papa. Die Batterien hatten wir vor Abflug vorsichtshalber abgeklemmt, der Bus war komplett ausgeräumt, alle Öffnungen mit Draht versperrt um ungeliebte Nager fernzuhalten. 


Und so nahm das Trauerspiel seinen Lauf

Trotz Müdigkeit nach unserem langen Flug aus San Francisco mit acht Stunden Overlay in Amsterdam steigt die Nervosität Kilometer für Kilometer, mit welchem wir dem Bus näher kamen. Wird er wohl anspringen? Haben Mäuse unsere Isolierung rausgefressen? Liegt der Motorblock aufgrund Durchforstung des Motorträgers gar auf dem Boden? 

Als wir um die Ecke fahren und unser Zuhause das erste Mal wieder sehen, sind wir einfach nur glücklich. Das erste Mal nach einer langen Reise fühlte es sich für uns wie nach „Nach Hause kommen“ an.

Dann der spannende Momente, das erste Mal wieder starten. Schlüssel ins Zündschloss stecken, Vorglühen lassen und starten. Nach 5 Monaten Stillstand springt unser alter Herr an wie eine eins, schnurrt wie ein kleines Kätzchen (nach einer durchzechten langen Nacht). Kurz eine Probefahrt drehen, läuft rund und hört sich gut an. Wenden und wieder zurück.

„Was ist das denn jetzt?“ Als wir wenden, sehen wir, dass wir hinter uns schön ab Start eine lange Flüssigkeitsspur hergezogen haben. Shit. Ist die Ölwanne oder der Tank durchgerostet? Lekt der Motor? Dieselschlauch abgerutscht? Der Geruchs- und Geschmackes sagt nein. Weder Motoröl noch Diesel – es scheint eher Wasser zu sein. Wasser? „Wo kommt dass denn jetzt her?“ Kühler wieder undicht? Kurze Sichtprobe sagt nein, pups trocken. Scheint auch wirklich aus Richtung des Tanks zu kommen. Die Tankpumpe ist beim Bremer von oben, sprich aus der Wohnkabine aka Laderaum zugänglich. Daher haben wir auch eine unschöne Klappe direkt am Einstieg um an die Pumpe ran zu kommen. Auf unserer Wassersuche heben wir genau diese Klappe an. Was wir sehen ist unschön. Bis zur Unterseite des Klicklaminats steht Wasser einige Zentimeter hoch.

Wir legen Handtücher rein um das Gröbste zu trocknen. Das Laminat ist von oben jedoch weder aufgequollen noch wären irgendwo im ausgeräumten Bus Wasserspuren zu erkennen. Keine sichtbaren Wassereintritte an den Türen, Fenstern, Dachluken. Es riecht weder feucht noch schimmelig im Bus. Da es mittlerweile später Abend ist beschließen wir die Fehlersuche auf den Folgetag zu verschieben und stärken uns auf den Schreck erstmal ordentlich mit einer schwäbischen Vesper. 


Die Diagnose

Neuer Tag, neues Glück. Wir sind zwischenzeitlich weiter zu Jennis´ Eltern und Katzenoma gedüst. Schließlich möchten wir nur ein paar Tage in Deutschland verweilen, bevor es für uns weiter Richtung Schweden gehen soll. 

Laut dem Feuchtigkeitsmessgerät haben wir 32% Feuchtigkeit in der Bodenplatte. Schweren Herzens treffen wir die Entscheidung. Alles muss raus. Wir wissen nicht, wie das Bodenblech unter der feuchten Platte aussieht. Es könnten sich bereits größere Roststellen auf der Bodenplatte gebildet haben oder das Holz geschimmelt sein. Zudem haben wir bisher immer noch keine Eintrittsstelle ausmachen können. 


Tag 1 – Der Rückbau

Wir bauen unser Zuhause also bis auf das nackte Blech zurück. Bauen Schrank, Bett, Tisch, Küche und zuletzt auch den Boden aus. Dank der tatkräftigen Unterstützung von Jennis´ Eltern schaffen wir das an einem Tag. Auch im nackten Bus finden wir auf den ersten Blick nicht die Ursache des ganzen Übels, die üblichen Verdächtigen wie Fenster, Dichtungen und co scheinen es nicht zu sein. Am Ende des Tages stehen wir im Rohbau und schmeißen erst einmal das Trocknungsgerät an. Wir fahren noch schnell in den Baumarkt, damit wir Sonntag und den darauffolgenden Feiertags-Montag weiterarbeiten können. Nach fünf Monaten an denen wir gewohnt waren, dass der Baumarkt auch am Sonn- & Feiertag geöffnet hat für uns durchaus wieder eine Umstellung. Nachdem wir zwischenzeitlich die Landesgrenze zu Bayern gequert haben, gibts heute zur Stärkung Weißwürscht. Die haben das 12:00 Läuten zwar laut und deutlich gehört, schmecken nach langer Abstinenz aber dennoch hervorragend. 


Tag 2 – Wo fangen wir bloß an

Da sitzen wir also am nächsten Morgen in unserem nackten Zuhause und wissen gar nicht so recht wo wir jetzt anfangen sollen. Erstmal den Boden ordentlich raus schrubben und vom Staub der Jahrzehnte befreien. Die Good News auch im Tageslicht, sieht das Bodenblech weit besser aus als erwartet. Da haben wir schon junge Gebrauchte in weit aus desolaterem Zustand gesehen.

Am Vortag haben wir bemerkt, dass sich an der Seitenwand auf der Beifahrerseite hinten unten an einer Stelle die Isolierung, sprich Armaflex und Alubutyl löst. Drunter war noch zu Feuerwehrzeiten schon mal geschweißt und lackiert worden. Damals war es wohl der Klassiker, Rost unter der Leiste der Schiebetür. Man sieht eine ganz minimale Wasserspur. Was nun aber auch gut Schwitzwasser sein könnte. Wir schleifen das Blech mit einem Drahtbürsten-Aufsatz an und vermuten darunter ein durchgerostetes Blech. Aber nichts, es kommt lediglich das damals eingeschweißte Blech, sauber wie am ersten Tag zum Vorschein. Scheint also nicht die Ursache für so viel Wasser im Fahrzeug zu sein. Die Stelle wird erst einmal mit Rostschutz behandelt. 

Alle weiteren vermeintlichen Roststellen am Bodenblech behandeln wir auf das gleiche Weise, schleifen und Rostschutz auftragen. Viele vermeintliche Roststellen erweisen sich als einfach nur schlecht aufgebrachter Lack. Vier kleine Roststellen finden wir dennoch. Alle werden behandelt, was dank der Trocknungszeiten zwischen den einzelnen Schichten richtig lange braucht. 


Tag 3 – Feiertagsblues

Die Rostbehandlung geht weiter – alle bis dato geschliffenen und mit Rostumwandler behandelten Stellen werden nun grundiert  und lackiert. In den Trocknungszeiten suchen wir weiter nach der Ursache des Feuchtigkeitseintritts und finden einen winzigen kleinen Spalt an der Klappe die einst zur Stromausgabe des zu Katastrophenschutzzeiten verbauten Generators gedacht war. Heute dient sie eher zur Einspeisung, sollten wir nochmal auf einem Platz mit Landstrom stehen. Genau diese Klappe hatte der Spengler damals in Griechenland abgenommen und dem Lackierer als Farbmuster mitgegeben. Richtig abgedichtet war die Klappe scheinbar noch nie.

Als Haupteintritt des Wassers vermuten wir mittlerweile allerdings Schmelzwasser. Es hatte am Standort des Busses richtig viel geschneit und auf einen Schlag getaut. Gut möglich, dass entweder einer der Wasserabläufe so verstopft wurde oder der Schnee – da der Bus unten im Schatten, oben in der Sonne stand – wie ein Eispfropfen wieder im Ablaufkanal gefroren ist. Nachdem das Tau- und darauf Regenwasser nicht mehr abfließen konnte, könnte es so wieder durch die lose aufgelegte Tankservicedeckel in den Innenraum rückstauen. Der Bus stand schräg und hatte den Tiefpunkt auf der Seite des Tanks, und somit der Serviceklappe. Eine Theorie die sich nach so langer Zeit nicht mehr richtig belegen lässt. Zudem könnte noch vorne über die Lüftungsgitter ein wenig Wasser eingetreten sein. Alle Quellen zusammen, könnten so zu unserem kleinen Atlantis geführt haben. 

Das Vorhaben – wir streichen alle Seitenwände, die Kommode, Tisch und Blenden am Wochenende neu – scheitert grandios. Im Trubel hatten wir am Samstagabend im Baumarkt daneben gegriffen und statt weißem dunkelgrauen Lack besorgt. Einen dunkelgrauen Innenraum finden wir minder erstrebenswert – also verschieben wir die Streichsession auf Dienstag, dem Tag an dem der Baumarkt seine Türen wieder öffnen soll.

Langsam aber sicher wird es zudem Zeit wieder an den Wiederaufbau zu denken. Den restlichen Tag verbringen wir damit die neue Bodenkonstruktion zu planen und uns diesmal einen Baumarkt-Einkaufszettel für den nächsten Tag zu schreiben. 


Tag 4 – Wenn sich die Pforten der heiligen Hallen öffnen

Dienstag – kein Feiertag. Das heißt Baumarktshopping. Unsere Einkaufsliste ist lang. Siebdruckplatten, Bodenisolierung, Parkett, neue Arbeitsplatte für unsere Kommode, Material für das neue Schränkchen neben der Tür, Kleber, Schrauben und jede Menge Kleinkram werden eingeladen. 

Und da scheinbar im Baumarkt ein anderes Zeit-Raum-Kontinuum vorzuherrschen scheint, ist bereits Mittag als wir die heiligen Hallen verlassen. Nun heißt es sich beeilen. 

Wenn wir den Bus schonmal im Rohzustand haben, isolieren wir die Seitenwände gleich noch nach und bringen auf der Beifahrerseite über dem Tisch eine neue Unterkonstellation an, an welcher später der Spiegel und der Schrank einfacher verschraubt werden können. Weiter schleifen wir alle Seitenwände ab, lackieren diese neu und wundern uns wie schnell weiß scheinbar vergraut wenn man auf so kleinem Raum Vollzeit lebt. Nachdem die Wände getrocknet sind, können diese auch direkt wieder montiert werden. 

Weiter gehts mit dem Boden. Der Katastrophenschutz hatte damals beim ursprünglichen Funkerausbau definitiv nicht an Schrauben gespart, allerdings war damals rostfreier Edelstahl wohl noch nicht so üblich. Das bedeutet für uns unzählige verrostete Schrauben ausbohren, die unzähligen mit Rostschutz behandelten Schraublöcher mit ausreichend Dichtmasse verschließen, bevor wir anschließend die Leisten für die Bodenkonstruktion verkleben können. 


Tag 5 – It´s all about the Boden

Immerhin arbeitet der Kleber fleißig über Nacht auch ohne uns weiter. Und wir können an Tag fünf direkt damit beginnen, die neue Bodenisolation zu verlegen. 

Während Flo fleißig die Platten zusagt, kommt der Paketbote mit der sehnlich erwarteten neuen Lieferung Klebefliesen. Wir hatten bereits im Rahmen des ersten Ausbaus Klebefliesen an der Trennwand zwischen Fahrerkabine und Wohnraum angebracht. Damals hatten wir uns für große einzelne Fliesen entschieden. Die allerdings nach drei Jahren etwas die Form verloren hatten und auch die ein oder andere Schadstelle. Und getrau nach unserem neuen Motto „wenn wir schon mal dabei sind…“ sollten so auch neue Fliesen verklebt werden. Diesmal hatten wir für eine Klebefolie von der Rolle entschieden, da uns die Optik an und für sich gut gefallen hatte – behielten wir den marokkanisch angehauchten Stil bei. 

Nachdem wir den Kampf gegen die störrische Folie gewonnen haben, kommt der nächste große Schritt in Richtung Wohnlichkeit. Die Unterseite unseres alten Bodens war durch das Wasser bereits stark beschädigt und auch der Ausbau hatte nicht grade zur Wiederverwendbarkeit des Klicklaminats beigetragen. Umso besser, dass es im Baumarkt grade ein richtig schönen Restbestand Echtholz-Buchenparkett für einen kleinen Preis gibt. Dann testen wir jetzt mal Echtholz, lessons learned dann bei Ausbau Nummer 3. 

Ein großer Meilenstein. Der Boden ist neu isoliert und das Parkett verlegt. Der Bus ist nun zwar noch leer aber nicht mehr im Rohbau. Zum Abschluss des Tages optimieren wir noch die Auflegung unseres Ausziehbettes auf dem Radkasten Fahrerseite und damit soll es auch gut sein für Tag 5.


Tag 6 – Zeitfresser

Bis dato hatten wir ein aus IKEA Holzkisten 2019 schnell zusammengezimmertes Schränkchen neben der Schiebetüre verbaut. Das erfüllte zwar vollends seinen Zweck als Badezimmerschrank, Unterhosenregal und verstecktes Mülleimerfach. Aber war durch die Spalten zwischen den einzelnen Brettern doch ein ganz schöner Staubfänger. „Und wenn wir schon mal dabei sind…“ – wird auch dieses hässliche Entlein optimiert. Wir möchten stattdessen ein geschlossenes Schränkchen bauen – die Aufteilung und Größe bleibt mehr oder minder unverändert. Lediglich bauen wir hinter dem Mülleimerfach noch ein Altglasfach ein. Um die Mülltrennung on the Road ein wenig einfacher zu gestalten. 

Bis zum Mittagessen steht das Grundgerüst des Schränkchens. Selbstverständlich fehlen jede Menge Teile und irgendwie müssen wir aus Versehen die obere Tür zersägt und als Regalbretter verbaut haben. Also once again, Baumarkt is calling. Und wenn wir schon dabei sind, bringen wir noch schnell die ehemalige Bodenplatte und jede Menge weiteres nicht mehr verwertbares Altholz zum Wertstoffhof. Damit es sich lohnt gehts auch direkt noch zum Autoteilehändler. Zack ist schon wieder später Nachmittag, was sind die Shoppingtouren nicht für Zeitfresser. 

Es bleibt heute nur noch die Zeit die Sichtflächen des Bettes zu schleifen und neu einzuölen, die Schadstellen des Kommodenrahmens anzuschleifen und neu zu lackieren sowie den Boden zu verfugen. 


Tag 7 – Ärmel hochkrempeln

Eigentlich möchten wir an Tag neun – sprich in zwei Tagen los fahren. Doch es ist noch so viel zu tun, ob uns dafür zwei Tage reichen werden? 

Also flux die Ärmel hoch gekrempelt und los gehts. Heute auf dem Plan – Kommode und Schrank fertig bekommen und einbauen. Flo sägt als erstes direkt die neue Arbeitsplatte zu und passt diese an, nach langer Überlegung entscheiden wir uns das Waschbecken doch wieder an der alten Stelle zu verbauen. Bis dato hatten wir kein Abfluss im Waschbecken und keinen festverbauten Abwassertank. Da uns beides nun doch schon länger und vor allem in dicht besiedelten Gegenden gestört hatte, sollte das jetzt nachgebessert werden. Also wieder viele Löcher in die Kommode und eines in die Emailleschüssel gesägt und nun einen Abfluss in den Kanister gelegt.

Ein weiterer Zeitfresser bahnt sich an. Seit dem Morgen habe ich Zahnschmerzen die leider immer schlimmer werden. Glücklicherweise noch einen Termin am gleichen Tag beim Zahnarzt ergattert. Weniger glücklich ist, dass die Füllung herausgebrochen und die Umgebung großflächig entzündet ist. Mit neuer Füllung und Hamsterbacke geht es einige Stunden später wieder zurück an den Bus. Mit 50% Manpower war Flo leider nicht so weit gekommen wie gedacht. Nichts desto trotz haben wir an dem Tag noch die Schranktüren eingepasst und montiert, den Schrank das erste Mal gestrichen, die Schubladenfronten der Kommode abgeschliffen und neu lackiert und die vermeintlich leckende Serviceklappe gut abgedichtet. 


Tag 8 – Es geht voran

Langsam merken wir, dass eine Abfahrt am Folgetag unrealistisch wird. Denn auch die Bremse vibriert stark und bedarf noch unserer Aufmerksamkeit. Wir haben zudem endlich eine Felge für unser neues Ersatzrad gefunden und bringen Reifen und Felge zum Aufziehen zum Reifenhändler. Eine Abholung ist ab Montag, also erst übermorgen möglich. Dann wird das eben unser neues Abfahrtsziel. 

Nun aber ab in die Arbeitsklamotte. Vom Rumsitzen kommt man ja bekanntlich auch nicht ans Ziel. Wir basteln die Kommode wieder zusammen, streichen den Schrank das zweite Mal und passen den Mülleimer ins untere Fach ein. 

Wir setzen die Kommode wieder in den Bus ein und passen den Schrank auf seinen künftigen Platz an. Zum Abschluss des Tages ölen wir die Arbeitsplatte bereits das erste Mal und schrauben das Bett wieder an. Langsam aber sicher wird es, Bett und Kommode sind bereits wieder verbaut.


Tag 9 – Ein richtiger Sonntag

Wir nehmen uns heute frei, nach acht Tagen Renovierung brauchen wir eine Auszeit – eine Auszeit mit Picknick am See und guten Freunden. Nachdem wir also den halben Tag in der Sonne uns die Bäuche mit allerlei Leckeren vollgeschlagen haben fahren wir zurück zu unserer Baustelle. Glücklich uns diese Auszeit genommen zu haben, ans Ziel kommen ist zwar das eine aber Spaß soll es ja trotzdem machen.

Viel werden wir heute nicht mehr schaffen – aber immerhin schaffen wir heute überhaupt was. Denn eigentlich ists ja unser freier Tag. Also montieren wir die neuen Ledergriffe am Schrank, verschrauben das gute Stück final in Wand und Boden, bemerken dass wir wohl manche Stellen beim Streichen vergessen haben, korrigieren diese und ölen die Arbeitsplatte das zweite Mal.


Tag 10 – Abfahrt oder Nichtabfahrt, das ist hier die Frage.

Nichtabfahrt. Auch wenn es innen schon wieder recht wohnlich sieht, abfahrtbereit sind wir leider noch nicht. Wir beginnen den Tag mit den hoffentlich letzten Besorgungsfahrten. 

Rad beim Reifenhändler abholen – ein Erfolg. Wenn auch der Reifenhändler etwas verwundert ist, da wir mit dem kleinen Flitzer meiner Eltern vorfahren. Als wir ihm erklären, dass wir das Rad nicht auf diesem Auto verbauen möchten, ist er doch sichtlich erleichtert. 

Kleber im Fachhandel für den Filz abholen, um damit unseren nackigen Radkasten zu verkleiden – kein Erfolg. Der Kleber ist scheinbar seit Wochen vergriffen und sei so bald auch nicht lieferbar. Gut so ein nackiger Radkasten ist ja auch schön, kommt das orange auch innen viel besser zur Geltung. Da wir mit anderen Produkten bereits beim Dachhimmel keine gute Erfahrung gemacht haben, verschieben wir das Verkleben des Radkastens lieber auf später.

Zurück am Bus, montiert Flo direkt das neue Reserverad unter dem Bus. Jetzt haben wir nach über einem Jahr auch ein Ersatzrad das zu den restlichen Reifen passt. Besser spät als nie! Als nächstes folgt der Wiedereinbau der Standheizung. Während Flo unterm Fahrzeug liegt, kümmere ich mich darum unsere Wäsche noch einmal zu waschen, die DIY Granola Vorräte aufzufüllen und unsre Kisten wieder zu packen. Denn wir haben Hummeln im Hintern und wollen los. Wir sehnen uns sehr nach der Ruhe der schwedischen Seen, Lagerfeuerabenden und Frühstück in Blaubeerenwäldern. Was freuen wir uns also, als die Standheizung wieder unter dem Bus hängt und läuft. Wir müssen also an kalten skandinavischen Morgen nicht frieren. 

Also die nächsten Steps, Funkmasthalter lackieren und den Funkmast wieder montieren. Langsam aber sicher verwandelt sich die Baustelle wieder in ein kuschliges Zuhause. Der Boden ist eingelassen, der Reifenkompressor hat nun endlich einen schicken Halter, Lichterketten und Gardinen hängen und sogar geputzt ist unser Heim auf vier Rädern schon. Eigentlich kann es ja fast los gehen, wäre da nicht immer noch das Vibrieren an der Bremse. Also wieder in den Arbeitskittel geschmissen und ab unter den Bus. Beim Ausbau der Bremse sehen wir, dass die Bremsbeläge rechts starke Roststellen haben. Das könnte gut das Vibrieren hervorrufen. Also wieder einmal beim Autoteilehändler des Vertrauens angerufen und die nötigen Teile für den nächsten Tag bestellt. 


Tag 11 –  Mit voller Bremskraft voraus

Vielleicht kann sich der ein oder andere Leser noch an unser Bremsdebakel in Griechenland erinnern – alle anderen können sich unseren Blogeintrag dazu noch einmal durchlesen. Seitdem möchten wir noch vehementer jeden möglichen Bremsdefekt vermeiden. Jeder der schon mal das Bremspedal bis zum Boden durchgetreten hat und nichts passiert ist, kann das vermutlich nachfühlen. 

Also ab zum Teilehändler und Bremsscheibe, Bremsbeläge und Kleinteile abgeholt. Anschließend die alten Teile demontiert, erneuert, ordentlich sauber gemacht und wieder montiert. Dazu direkt noch die Lenkung vorne abgeschmiert. Wunderbar nach einer ausführlichen Testfahrt können wir kein Vibrieren mehr verzeichnen. Ein gutes Gefühl. Ein sicheres Gefühl.

Allerdings ist der Tag schon weit vorangeschritten und wir müde, somit verschiebt sich die Abfahrt wohl wieder um einen Tag.


Tag 12 – Abfahrt

Heute soll es wirklich los gehen! Nur noch kurz einräumen, verabschieden und dann los. Wie man es kennt zieht sich „nur noch kurz“ meist sehr lange. Es ist 16.00 Uhr als wir endlich im Auto sitzen und losfahren. Schweden wir kommen. Es fühlt sich so komisch an, nach fünf langen Monaten sind wir also wieder Zuhause. Zuhause und unterwegs. Welcome Home. Wir können unser Glück noch gar nicht richtig fassen.


Resümee 

Inklusive Aus- und Einräumen, Reparatur der Bremse, einen fröhlichem Nachmittag am See haben wir also 12 Tage gebraucht um den Ausbau zu demontieren, zu trocknen und vom nackten Bodenblech wieder aufzubauen. Sicher wir haben keine fancy verspachtelten Schrauben, keine Warmwasserdusche, keinen festverbauten Gasherd – für uns steht und stand aber immer das Reisen im Vordergrund und ehrlich wir fühlen uns verdammt wohl in unserem kleinen Zuhause. Für uns reicht die 80% Prozent instagramable Variante, für einen monatelangen Ausbau wären wir aber auch schlichtweg zu ungeduldig. Und so gehts los ins Abenteuer. 

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