Es ist der 31.08.2020 gegen 22:00 als wir mit theatralischer Untermalung von Blitz und Donner über die österreichische – ungarische Grenze fahren. Ab 01.09.2020 ist keine Einreise für ausländische Staatsbürger mehr möglich. Die letzten Tage haben wir uns den Kopf darüber zerbrochen, wie es für uns weiter geht, welche Route wir Richtung Griechenland fahren möchten. Welche uns hinsichtlich potenzieller Grenzschließungen und drohender Einschränkungen in den Ländern am realistischen erscheint.

Wir haben uns entschlossen die Balkanroute beizubehalten. Doch die schier endlosen Gedankenschleifen der letzten Tage können wir nicht ganz aus dem Hinterkopf verbannen. Wir möchten nicht im kalten Rumänien oder Bulgarien überwintern. Wir haben uns Griechenland in den Kopf gesetzt und das soll es nun auch werden. 

Also nehmen wir uns nicht ausreichend Zeit für zwei unfassbar interessante Länder. Rumänien und Bulgarien, wir kommen wieder. Mit mehr Zeit und Muse. Versprochen.


Rumänien

Als wir über die ungarisch-rumänische Grenze fahren, werden wir das erste Mal kontrolliert. Das erste Mal seitdem wir den Dicken haben, möchte jemand an einer Grenze „hinten“ rein sehen. Wir lernen das Rumänien zwar zur EU gehört nicht aber Teil des Schengen-Abkommens ist. Der zweite Lerneffekt, der Beiname „Armenhaus der EU“ kommt nicht von ungefähr. Die Straßenzüge sind sehr einfach und arm. Wir fühlen uns oft an Asien erinnert. Der Geruch von verbrennendem Plastik, Zwei-Tackter-Abgase, Fahrzeuge von denen der Großteil die Altersgrenze zur H-Zulassung bereits überschritten hat, herabhängende Stromkabel aus den maroden Oberleitungen. Und Müll so unfassbar viel Müll. Er scheint omnipräsent zu sein. Mancher Orts wird er verbrannt aber meistens liegt er einfach großflächig in der Landschaft.

Aber Rumänien ist auch wunderschön. Wir stehen unter anderem direkt an den faszinierenden roten Felsen der Rapa Rosie. Die nicht nur selbst absolut beeindruckend sind, fast noch schöner ist der Blick über die Region nach einer kleinen circa 30 minütigen Wanderung nach oben. Die Wanderbirkis hat wir ausnahmsweise gegen angemessenes Schuhwerk getauscht, erleichterte das Vorankommen doch auch ungemein. 

Die Transalpina als wunderschöne Passstraße sollte auch auf keinem Roadtrip durch Rumänien fehlen. Wir sind absolut glücklich den Dicken die unzähligen Höhenmeter und die zahlreichen Serpentinen hoch gequält zu haben. Unfassbar schöne Natur, zahlreiche Pilzsammler die kistenweise riesige Steinpilze aus dem dichten Wald, ein traumhafter Ausblick und nicht zuletzt ein Esel-Zwischenstopp. Die Tiere halten sich um die Jahreszeit wohl hier oben auf und sind Menschen gewöhnt. Sind zutraulich aber auch absolut verfressen und nehmen alles was sie kriegen können. Wir verbringen die Nacht auf über 2000hm, kuscheln uns in unsere dicken Decken und schmeißen das erste Mal die Standheizung an während der Wind draußen am Dicken rüttelt. Leider ist die Wetterprognose für die nächsten Tage alles andere als gut. Unwetter in diesen Höhenlagen sind weniger spassig, also lassen wir die Wandertage ausfallen und schauen das wir weiter Richtung Süden kommen.

Die letzten Nächte in Rumänien stehen wir direkt an der Donau und bekommen nicht nur Besuch von der Grenzpolizei, welche unsere Passdaten mit Bleistift sorgfältig in ihr pinkes Notizbuch übertragt, sondern auch von einem Kuhhirten der seine vier Tiere abends und morgens an unserem Bus vorbei treibt. „Frica de Vaci“ (Angst vor Kühen) dazu sein breites Grinsen als Jenni in den Bus hopst, bleibt noch lange ein Runninggag. 


Bulgarien

Bulgarien war in unseren Anfangsüberlegungen das erste Land in welchem es für uns minder dramatisch gewesen wäre über die Dauer eines Lockdowns „hängen zu bleiben“. Auch wenn es hier partiell richtig winterlich werden kann, wären die Lebenshaltungskosten sowie die Mietpreise für Wohnungen relativ gering. 

Kurz nach dem Grenzübertritt aus Rumänien stellen wir drei Dinge glücklich fest – die Daten-SIM-Karte ist im Vergleich zum deutschen Markt immer noch sehr günstig. Das Supermarktangebot ist sehr solide und es gibt Mülleimer und sie werden sogar genutzt.

Wir hatten keine Erwartung an die beiden Balkanstaaten, doch vor allem Bulgarien überrascht uns voll uns ganz. Wunderschöne Natur, nette Menschen, beeindruckende Klosteranlagen, fantastische heiße Quellen und gutes und günstiges Essen. 

Und wir finden auch endlich eine Waschmaschine, auf einem wirklich tollen super kleinen Campingplatz im Süden Bulgariens. Wir fühlen uns in der ungezwungenen Atmosphäre des Camp Kromidovo sichtlich wohl. Und bald schmückt unsere gesamte gewaschene Wäsche den Campingplatz. Wir haben kurz vor der griechischen Grenze aber nicht nur vor unseren Vorrat an sauberer Wäsche aufgestockt, wir gönnen dem Dicken auch eine kleine Wellnesskur. Ein Wechsel aller Serviceflüssigkeiten inkl. hochwertiger Materialien und Arbeitszeit kostet uns dabei lediglich umgerechnet 90 €. Der Dicke schnurrt nun gefühlt wieder ein kleines bisschen ruhiger die unzähligen Bergstrassen entlang. 

Auch der für den Grenzübertritt nach Griechenland nötige PCR-Test führt uns in die Gegend um Melnyk. In der grenznahen Stadt Petrich finden wir ein erschwingliches, recht schnelles und vor allem anerkanntes Testlabor. Für zusammen 100 € bekommen wir nach 24 Stunden unsere negativen Testergebnisse ausgehändigt. Nun noch schnell den QR-Code für Griechenland online beantragen und dann geht es für uns am 10.09.2020 auch schon los zur griechischen Grenze. Die letzte offene Grenze auf dem Landweg nach Griechenland.

Bulgarien du und deine wilde Lebensfreude haben uns wirklich gut gefallen, wir kommen wieder mit ausreichend Zeit um die ausführlich zu erkunden.

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