Es ist circa 22:00 Uhr, wir sind nach einem wundervollen langen Wochenende auf dem Rückweg aus Italien. Wir haben uns für die teure Autobahnvariante entschieden um noch ein paar Stunden länger am Gardasee zu verweilen. Noch mal in den See hüpfen, ein letzten Aperol mit dem Gesicht in der Sonne. Wir haben die Rückfahrt wieder bis zum Maximum heraus gezögert. Warum können wir nicht einfach Langzeitreisende werden?
Und nun sitzen wir schweigend neben einander, nur der Motor trönt wie immer. Mit jedem Kilometer dem wir München näher kommen, werden unsere Herzen schwerer. Und so fahren wir still durch die Nacht, jeder in seinen eigenen Gedanken versunken.
Mit jeder Rückfahrt wird der Widerwillen in den Trott zurück zu kehren mehr. Mit jedem Mal widerstrebt es uns mehr am nächsten Tag nicht nur in Anzug und Hemd zu schlüpfen sondern auch in eine Lebenswirklichkeit von der wir uns geistig immer mehr distanzieren. Und während wir so gedankenversunken durch Norditalien fahren, spricht Jenni die Frage die schon die ganze Zeit im Raum bzw. in der Fahrerkabine steht laut aus – „Warum können wir denn nicht immer einfach weiter fahren? Warum werden wir nicht einfach Langzeitreisende?“.
Wie schon so oft, sprudeln aus uns die Ideen wie wir gern leben würden und was wir alles bereisen könnten wenn wir Langzeitreisende wären. Eine grobe Vision entsteht, ein Sabbatical von sechs Monaten – wir könnten drei Monate mit dem Bus durch Europa bis nach Marokko fahren und dann noch drei Monate Backpacking durch Südamerika. Das hört sich doch gar nicht so unrealistisch an. Mit dieser kleinen Idee im Bauch fahren wir mit ein bisschen weniger schweren Herzen zurück nach München.
Wir werden Langzeitreisende – jetzt echt
Der Gedanke Langzeitreisende zu werden ist gesät und wächst ab diesen Moment jeden Tag unaufhörlich in uns. Mit jedem Tag hinterfragen wir unsere bisherige Lebensphilosophie mehr. Bald merken wir ein halbes Jahr reicht uns nicht annähernd um unsere Wunschroute zu fahren und danach noch für mindestens drei Monate den Rucksack umzuschnallen. Also wird aus dem halben Jahr schnell ein Dreivierteljahr und dann ein Jahr.
Jenni als Personaler in ihrem eigenen Unternehmen weiß, das wird aufgrund der internen Vorgaben nichts mehr mit einem Sabbatical. Was gibts also für Alternativen, ruhender Arbeitsvertrag, unbezahlte Freistellung, Aufhebungsvertrag mit Wiedereinstellungsgarantie und und und. Die Gedanken werden konkreter, die Entscheidungen risikofreudiger. Flo fragt was wenn das Unternehmen sich nicht darauf einlässt. Für Jenni ist die Antwort klar – „Dann kündige ich eben.“.
Wir überlegen grobe Routen – die Küste Frankreichs, Spanien, Portugals entlang nach Marokko und je nachdem wie uns die Zeit reicht wieder zurück nach Deutschland. Das Fernweh ist zu dem Zeitpunkt schon so laut in uns, dass uns das nicht mehr reicht.
Unsere Letzten Monate in München
Das Herz sehnt sich nach mehr Abenteuer, nach Fremdheit, danach sich jeden Tag mit den simplen Dingen beschäftigen zu müssen, mit anderen Kulturen, mit Sprachbarrieren. Wir möchten wachsen und haben das Gefühl unsere bisherige Route genügt uns nicht. Also meint Jenni wie wärs mit dem Hippietrail, auf dem Landweg nach Indien? Flo ist sofort Feuer und Flamme, wollten wir doch ohnehin schon lange in den Iran und nach Indien. Also warum nicht einfach hinfahren. Und wenn wir schon dabei sind, könnten wir eigentlich den Dicken von Indien nach Südamerika verschiffen lassen und doch von Süden nach Norden auf der Pan-Amerika starten und schauen wie weit wir in zwei Jahren kommen. Oder vielleicht doch über die Seidenstraße wieder zurück?
Aber sind unsere Träume so einfach realisierbar? Konzentrieren wir uns also erstmal auf den ersten Teil – den Hippietrail. Wir lesen Reiseberichte, scrollen durch Blogs und holen uns so unfassbar viel Inspiration bei anderen Vanlifern. Wir kommen zum Schluss, wird schon schiefgehen und sollte auch mit Heckantrieb möglich sein. Also recherchieren wir wochenweise zu Krankenversicherungen, Vorteilen der Wohnsitzabmeldung und lösen langsam aber sicher unseren gesamten Haushalt auf.
Die Kündigung
Was uns bis dato in unserem Leben gehalten hat, war ein Bild das wir selbst mal von uns hatten und Erwartungen anderer. Wir geben also zwei richtig solide Jobs in der Industrie auf. Am Ende kündigen wir beide. Ein unfassbar befreiender Tag. Wir entscheiden uns für den harten Cut. Wir kündigen nicht nur unsere Jobs, sondern auch unsere Wohnung und so gut wie alle auf uns laufenden Verträge.
Wir packen unser bisheriges Leben in Kisten. Das Ziel alles was wir besitzen auf Lieblingsteile und die Dinge die wir sicher immer wieder brauchen werden zu minimieren. Am Ende soll alles in Flos´ altes 16qm Kinderzimmer passen.
Die letzten Monate im alten Leben sind unfassbar intensiv. Wir verkaufen all unsere Besitztümer oder packen sie in Kisten, fahren 200km einfach für jede Einlagerungsfuhre, haben einen Monat lang keine Küche mehr und schlafen auf der Busmatratze auf dem Boden. Wir verabschieden uns von all den Herzensmenschen die unser Leben bis dahin begleitet haben. Und zwischen all den Abschieden und Ebay-Kleinanzeigen-Abholungen hat sich noch ein neuer Geist in unser Leben geschlichen. Covid 19 lehrt uns bereits hier das man durch aus Pläne machen kann, das Leben aber seine eigenen hat.
Nichts desto trotz übergeben wir am 30.06.2020 unsere Wohnung und sind ab nun vogelfrei und in der Welt zuhause.










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