Mexiko ein Land mit dem wir vorab ehrlich gesagt nicht viel verbunden haben außer Kakteen, Mezcal, Drogenkartellen und Mayaruinen. Ein Land das so unglaublich groß ist und viel mehr als das voran beschriebene.

In Teil 1 unseres Reiseberichts gehen wir auf Wissenswertes ein und schildern euch unsere Erfahrungen von unserem Roadtrip durch die Regionen Yucatan, Quintana Roo und Campeche.


Einreise und „Viva la Mexico“

Wir hatten den günstigsten Flug aus San José, Costa Rica gebucht und der ging nunmal nach Cancun, Mexiko. Wieder einmal reichlich spontan. Beim Check-In teilte man uns mit, wir bräuchten auch einen Rückflug aus Mexiko raus. Ups, das war uns wohl bei der kurzfristigen Reiseplanung entgangen. Damals ging unser, vor Reiseantritt zusammen mit dem Hinflug aus Deutschland gebuchter Rückflug ab San José, Costa Rica – wir hatten also kein Rückflug aus Mexiko. Mit ein bisschen Charme und Verhandlungsgeschick durften wir aber dennoch mitfliegen. In der Hoffnung, dass wir nicht das gleiche Spiel an der Immigration in Mexiko noch einmal machen müssten. Im Zweifelsfall wollten wir eben dort vor Ort den günstigsten Flug raus aus Mexiko buchen. Dazu kam es zum Glück nicht, der Immigration-Mitarbeiter wollte schleunigst Feierabend machen und stempelte freudig ohne viele Fragen unsere Pässe durch.

Der Zoll in Mexiko nahm es dafür umso genauer und durchsuchte einmal unser gesamtes Reisegepäck. Um uns mitzuteilen das Lebensmittel aufgrund möglicher importierter Krankheiten nicht eingeführt werden dürfen und konfiszierte somit unsere Bananen. Alle weiteren Lebensmittel wie Salat, Knäckebrot und Käse durften wir allerdings behalten. Wir gehen davon aus, dass der Zollbeamte große Lust auf Bananen hatte. 


Cancun und die Suche nach der Nadel im Heuhafen

Unsere Community auf Instagram hatte uns zahlreiche Tipps für Mexiko zukommen lassen. Danke dafür! Also erstmal einen Überblick verschaffen. Und dann waren da noch Laura und Christoph von @wirfahrenford, die uns den Floh von einem eigenen kostengünstigen Auto ins Ohr gesetzt hatten. Anfangs träumten wir noch von einem nach Deutschland importfähigen VW T2 aus Mexiko. Nach den ersten Testfahrten mit rollenden Schrottis verwarfen wir diesen Plan jedoch und wandten uns realistischeren mittelalten SUVs zu. Gebrauchtfahrzeuge von privat an privat werden hier auf öffentlichen, belebten Parkplätzen wie beispielsweise vor Supermärkten angeguckt und gegebenenfalls auch dort gekauft. Nach den ersten minder erfolgreichen Tagen auf Parkplätzen, brauchten wir eine Pause. Der Sinn stand uns einmal mehr nach Meer und Strand. Ein bisschen mehr von Mexiko sehen, als rostige Unterböden und das Asphaltgrau des Walmart-Parkplatzes.


Inselleben auf Holbox

Also ab mit dem öffentlichen ADO-Bus nach Holbox. Eine kleine Insel, die laut den Beschreibungen noch den wilden Hippiecharme versprühen und auf der es keine Autos geben sollte. Das Hauptfortbewegungsmittel waren tatsächlich Golfcars, die Sandstraßen gänzlich unbefestigt und nach Regen eher einer schlammigen Moorlandschaft gleichend. Der einstige Hippiecharme musste aber schon in weiten Teilen dem Resorttourismus weichen. Nichts desto trotz war es ein Traum für die ersten Tage Mexiko.

Ankommen im neuen Land und neben Quesedillias, Tortillas und Guacamole auch die vermutlich leckerste und am schönsten dekorierteste Smoothiebowl der gesamten Reise futtern. Dazu das ein oder andere kühle Cerveza trinken und ach ja ein neues Tattoo stechen lassen. Das Symbol „Fingers crossed“ steht für den Lernprozess, die Dinge zu akzeptieren, die wir selbst nicht ändern können und dafür zu vertrauen, dass die Zukunft eine positive sein wird. „Fingers crossed“ eben, dass schon alles gut gehen wird.


Die Nadel im Heuhaufen auch finden

Nach vier Tagen Holbox ging es zurück nach Cancun, erneut in Mission Autokauf in Mexiko. Wir wollen endlich auf unseren Roadtrip durch Mexiko starten. Dieses Mal hatten wir uns vorgenommen an einem Tag richtig viele Autos anzugucken. Entweder eins davon passt oder wir bleiben Busfahrer. Von den richtig vielen Besichtigungsterminen fanden am Ende zwei statt. Das erste Fahrzeug war in einem wirklich schlechten Zustand – wieder Kategorie Schrotti – und dafür viel zu teuer, dass zweite Auto war Cypress. Ein Jeep Grand Cherokee. Der Vorbesitzer brauchte dringend Geld und war kein guter Verhandlungspartner. So hatten wir noch am selben Abend ein Auto. 

Am nächsten Tag schrubbten wir das Auto erstmal gründlichst durch und besorgten im Walmart alles um Cypress zum tüchtigen Mexiko-Microcamper umzubauen. Sprich eine Luftmatratze, Luftpumpe, Bettzeug, eine Isolierbox aus Styropor, Geschirr, Topf, Besteck und einen Mexiko-Campingkocher samt Brennpaste. Und dann konnte es auch schon los gehen, ein Roadtrip durch Mexiko. Wir suchten uns den nächstgelegenen gut bewerteten Campingplatz / RV-Park raus und „bauten“ erstmal um. Unsere Umbauphase dauerte circa zwei Stunden. Die Sitzflächen der Rücksitze herauszuschrauben, damit wir unsere Matratze eben rein legen konnten, dauerte dabei wohl am längsten. Es sei also bewiesen, dass ein Camperausbau weder langwierig noch kostenintensiv sein muss. 

Wir verbrachten fast eine Woche auf unserem ersten Stellplatz, eigentlich einer Kitesurfschule. Es war für uns ein kleines bisschen wie nach Hause kommen, ankommen im Carlife. Wir hatten uns wieder eine kleine Base geschaffen – ein Zuhause für uns. In nächsten Tagen genossen wir es so sehr auf unseren Minihockern vor dem eigenen Camper den nächtlichen Sternenhimmel bei einem Glas Wein zu bewundern und morgens den ersten Kaffee im Heck unseres Fahrzeugs mit Blick auf Palmen zu genießen. Flo lag zudem die ersten Tage mehr unterm Auto als am Strand, so glücklich war er darüber endlich wieder ein Fahrzeug zu analysieren und daran basteln zu können. 


Back on the Road – der Beginn eines Roadtrips durch Mexiko

Tulum & die Costa Maya, das neue Bali?

Selbstverständlich hatten wir kein Auto gekauft um direkt auf der ersten Campsite zu versumpfen. Natürlich wollten wir fahren, ein neues Land erkunden und Abenteuer in Mexiko erleben. Unser erster Weg ging also Richtung Tulum. Tulum wurde uns als Ubud Mexikos häufig empfohlen. Viel Kunsthandwerk, tolle Restaurants und viele digitale Nomaden. Und was sollen wir sagen – die Dichte an Hipfstercafés ist extrem hoch, es gibt tolle individuelle aber leider auch richtig teure Boutiquen und jeder zweite Shop ist ein Boho-Traum aus Makramee, Korb und Ratten.

Früher wäre Tulum genau unser Ding gewesen, da war unser Reisebudget aber auch wesentlich höher. Denn auch wenn der Vibe tatsächlich an manchen Ecken an Bali erinnert, das Preisniveau ist an diesen Ecken alles andere als indonesisch. Als digitaler Nomade lockt sicher die relativ stabile Internetverbindung und die große Community Gleichgesinnter. Uns als Low Budget Reisende mit eigenem minder schicken Fahrzeug zog es allerdings bald weiter. 


Zur Ruhe kommen in Bacalar

Bacalar wurde uns als ursprünglich und ruhiger empfohlen. Bestechend durch die fantastische Lagune, welche ein Zusammenschluss aus sieben Cenoten darstellt und mit unterschiedlichen Blauttönen fasziniert. Wir fanden ein kleinen Campspot mit direktem Seezugang und waren direkt hin- und weg von der Ruhe, die dieser Ort ausstrahlt. Jeden Morgen frühstücken wir auf dem Steg am See und fühlten uns durch Umgebung und Temperaturen zurückversetzt an einen warmen Sommertag am Starnberger- oder am Gardasee. Wir paddelten mit dem Kanu durch die Lagune, schwangen uns am Seil rein ins kühle Nass, kraulten die drei Hunde und die etwas korpulente Katze Perla der Campsite stundenlang und entspannten in der schattigen Hängematte. 


Welcome to the Jungle – Welcome to Calakmul

Nach einigen Tagen Ruhe stand uns der Sinn wieder nach Abenteuerc. Calakmul, die Mayatempelanlage mitten im Dschungel von Mexiko wurde uns als Geheimtipp wiederholt empfohlen, das überlaufene Chichen Itza auszulassen und lieber auf die Pyramiden in mitten des Dschungels zu klettern. Und das war der beste Tipp für Mexiko überhaupt. Allein die zweistündige Fahrt durch den Dschungel war bereits pures Vergnügen. Enge, gewundene Straßen mitten durch den Urwald vorbei an Schildern die unter anderen vor Jaguaren warnen. Und erst die wirklich weitläufigen Tempelanlagen, die sich so mächtig in Mitten diesen uralten Dschungels erheben. Wir waren einfach tief beeindruckt, als wir da so still oberhalb des dichten Blätterdachs auf Pyramiden saßen, die Howler Monkeys brüllten im Hintergrund, soweit das Auge reicht nur Dschungel. Hier oben fühlten wir richtig wie klein und unbedeutend wir Menschlein doch auf diesem Planeten sind. 

Für den Rückweg von den Mayaruinen wurde uns noch die Batcave beziehungsweise der Fledermausvulkan empfohlen. Eine zum größten Teil trockene Cenote in Mitten des Dschungels, welche über einen kleinen Spazierweg nur mit Guide erreichbar ist. Hier leben 3,2 Millionen Fledermäuse die täglich zum Sonnenuntergang den Kegel entlang kreiselnd die Höhle verlassen. Ein wahres Spektakel, wenn auch ein wenig gruselig.


Flanieren durch Valladolid

Weiter ging es mit Geschichte, wenn auch der etwas jüngeren. Nach unserer ersten längeren Strecke durch das Hinterland Mexikos kamen wir in Valladolid an. Einer der schönsten Kolonialstädte Mexikos. Nach der ersten Air BnB Pleite, einer Campsite mit Kakerlaken und handtellergroßen Spinnen fanden wir ein schönes Apartment mitten in der Kolonialstadt. Wir stromerten durch die bunten Straßenzüge, saugten den historischen Vibe tief auf und aßen fantastisch in einem vegan / vegetarischen Restaurant Falaffelbowl und Zucchini-Noodels. Direkt nebenan kauften wir Jennis Strohhut, einen echten mexikanischen Sombrero sozusagen. In Valladolid gibt es neben fantastischen Kolonialbauten übrigens auch eine Cenote mitten in der Stadt, herrlich für einen Sprung ins kühle Nass an einem heißen Tag. Nur Angst vor Welsen sollte man nicht haben, die erfreuen sich nämlich ebenfalls des Wassers.

Kurz vor unserer Abfahrt aus Valladolid trafen wir zu allem Glück noch Andy und Nadine von @annasadventure wiede. Zuletzt saßen wir am Strand in der Nähe von Monemvasia, Griechenland zusammen, als wir beide dort mit dem Van unterwegs waren . Die beiden hatten uns zu unserem kleinen Zentralamerikaabstecher inspiriert.


Wenn nichts geht, Meer geht immer

Wir wussten nicht so recht wie wir weiter fahren wollten, und führen recht kurz entschlossen in Richtung des Nordens Yucatan, ans Meer, Richtung Nationalpark Ria Lagartos. Mit Meer und Flamingos kann man bekanntlich nie was falsch machen. Nachdem die erste Campsite ein Flop war – wir hatten ein Platz neben dem Pumpenhaus und dem Motorrad des Besitzers, welches ein Hakenkreuz samt Reichsadler zierte, zugewiesen bekommen – fanden wir einen traumhaften Platz nahe des weißen feinen Sandstrands unter Kokospalmen. Noch einmal zwei Nächte feinstes Karibikfeeling. 


Campeche – unterschätztes Weltkulturerbe

So langsam wollten wir aufbrechen Richtung Pazifik. Also überlegten wir welche Stopps auf dem weiten Weg wir dorthin anfahren wollten. Wir entschieden uns für den Weg über Campeche und  die Insel Aguada in Richtung Chiapas. Wir hatten keinerlei Erwartungen an Campeche und wurden komplett überrascht. Campeche ist eine Kolonialstadt die eher als Randbemerkung in den Reiseführern erscheint, obwohl die Innenstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Für uns eine der authentischen mexikanischen Kolonialstädte, die unglaublich viel Leben versprüht und durch so unfassbar imposante und natürlich bunte Bauten überrascht. Wer in Mexiko unterwegs ist, dem legen wir Campeche definitiv ans Herz. Die Kolonialstadt am Meer. Erst durch die bunten Straßen schlendern und dann den Sonnenuntergang über dem Meer bestaunen. 


Der müllreiche Abschied von der Karibikküste

Wir entschieden uns für den Weg über die Isla Aguada da wir noch einmal Halt am karibischen Meer machen wollten, Abschied nehmen sozusagen. Uns wurde der RV Park dort als bester Mexikos angepriesen. Von der Isla waren wir ehrlich gesagt nicht überzeugt, es macht den Eindruck als ob die goldenen Zeiten vergangen sind. Der RV Park nach amerikanischen Vorbild ist für große Fahrzeuge ideal, hat Stromanschluss und liegt direkt am Meer. Doch auf unserer Reise haben wir schönere Strände gesehen, zumal die bis zum Abend feiernden mexikanischen Tagesgäste leider viel Müll am Strand hinterlassen. Müll ist abseits der Touristenstädte leider ohnehin ein großes Problem in Mexiko. Wir fahren unterwegs immer wieder an brennenden wilden Müllkippen vorbei. Die Böschungen liegen voll mit Unrat und die ausgetrunkene Colaflasche wandert im hohen Schwung direkt hinters Haus. Da blutet unser Herz. 

Leider bekommt hier auch unsere Luftmatratze immer mehr Löcher und hält schlussendlich trotz großer Flickaktion die Luft nicht mehr. Wir müssen spät abends ins nächste Hotel ausweichen um nicht die zweite Nacht auf dem Kofferraumboden und den umgeklappten Sitzen zu schlafen. Am nächsten morgen fahren wir früh weiter.


Wir haben fast einen Monat auf der Yucatan-Halbinsel verbracht, es wird Zeit nun endgültig Richtung Pazifikküste aufzubrechen. Die Route soll uns durch Tabasco und Chiapas führen und irgendwo unterwegs hoffen wir auf eine neue Matratze für unseren Mexiko – Mikrocamper


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