Von der Entscheidung den Bus abzustellen bis zum Abflug

Da waren wir also Anfang Januar im kalten Deutschland. Doch wohin nun nur? Wie alle anderen Vollzeitvanlifer Richtung Kanaren, aber die Fähre war so unverschämt teuer. Oder machen wir es wie Nadine und Andy von @Annasadvanture und hauen ab ins tropische Costa Rica, lassen unseren Dicken jedoch zurück. Schließen sozusagen die Tür zu unserem fahrenden Zuhause, für ein paar Monate ab. Und ja die Flüge nach Costa Rica waren tatsächlich günstiger als die Fähre auf die Kanaren, selbst noch als wir erfuhren, dass der übliche Transit über die USA nicht möglich ist.

Und nein, Zuhause bleiben ohne Steinheim im deutschen, tristen Lockdown-Winter war für uns keine Option. Zumal unsere Langzeitreiseauslandskrankenversicherung ohnehin nur für kurze Zeit im Inland gilt. Ein Abbruch unserer Reise kam für uns nie in Frage

Mal kurz alles durchspielen, Krankenversicherung – check, Fahrzeugabstellplatz – check, PCR-Test – check, Healthformular für die Einreise nach Costa Rica – check. Na dann, ab in den Flieger und los gehts. Costa Rica wir kommen. Zwischen Flugbuchung und Flugantritt sollten tatsächlich nur fünf Tage liegen. Waren wir davor schon im Freundes- & Familienkreis bekannt unsere Flüge kurzfristig zu buchen, war das selbst für uns eine neue Höchstleistung der Spontanität. 

Also steigen wir ganz klammheimlich in den frühen Morgenstunden des 08.01.2020 in den Flieger mit Ziel San Jose, Costa Rica. Wir sind unglaublich aufgeregt, ob den alles gut gehen wird. Fliegen in diesen Zeiten fühlt sich an wie den ersten Langstreckenflug seines Lebens anzutreten. Wie ein riesen großes aufregendes aber auch ungewisses Abenteuer. Doch unsere Sorgen sollten völlig unbegründet sein – ohne jegliche Probleme reisen wir in Costa Rica ein. 

Die ersten Tage erkunden wir San Jose, gehen endlich mal wieder auswärts essen und trinken Kaffee nicht to-go. In Griechenland herrschte bereits seit November ein strikter Lockdown. Das heißt auch für uns der erste vor Ort Kaffee seit über drei Monaten. Es ist so unglaublich schön Normalität zu spüren, Menschen die gemeinsam lachen und klirrende Gläser beim Anstoßen. Wir fühlen uns so glücklich, so frei, dass unsere Herzen fast platzen.


Fortbewegung vor Ort. Öffentliche Busse, Mietwagen oder Fahrzeugkauf?

Das öffentliche Busnetz in Costa Rica ist sagen wir mal – spannend. Fast jede Busfirma hat ein eigenes Terminal in der Hauptstadt, verteilt über das gesamte Stadtgebiet. Die meisten Busverbindungen laufen auch sternförmig über die Hauptstadt. Es gibt wenige Direktverbindungen an der Küste entlang, wie man sie eigentlich vermuten würde. Es gibt partiell Buspläne online, aber keine Webseite, welche alle möglichen Busverbindungen anzeigt. Man muss jedes Mal herausfinden welche Busfirma die gewünschte Linie bedient. Und auch dann sind die Online-Pläne, insofern existent, oft vorübergehend oder dauerhaft geändert. Mehr als einmal hören wir, nein heute geht kein Direktbus mehr. Statt vier geplanten Bussen, fährt heute nur einer. Wir lernen, dass wir die einzige halbwegs zuverlässige Aussage vor Ort am Terminal oder beim Busfahrer direkt erhalten.

Wir überlegen uns einen Mietwagen zu nehmen, um freier reisen zu können, gegebenenfalls einen kleinen Offroader mit Dachzelt. Doch bei den Mietpreisen würden wir unser Tagesbudget schnell um das fünffache sprengen. Zweite Option wäre es sich zwei Motorräder zu kaufen um damit durch das Land zu fahren, mit Anwaltskosten und Versicherung ebenfalls ein kostspieliges Unterfangen und zudem zu langwierig für uns. 


Ach Meer, du Sehnsuchtsort. 

Gut wir bleiben also Busfahrer. Und wir wollen ans Meer. 

Also fahren wir mit Bus, Fähre, Bus Richtung Paquera – auf die Nicoya Halbinsel. Tauchen dort ein ins Dschungelfeeling und entdecken die fast unglaubliche Artenvielfalt Costa Ricas. Wir beginnen unsere Tage zum Geschrei der Brüllaffen, hören wie die Leguane auf das Dach plumpsen, während draußen die Rufe der Papageien durch die Luft hallen und ein Agouti durch die Büsche huscht. Nicht ohne Grund stellt Costa Rica immer wieder weltweit Rekorde bezüglich Biodiversität und Artenvielfalt auf. Es ist fantastisch, wir fühlen uns als würden wir mitten im Dschungel Buch leben und warten nur darauf, dass sich Mogli an einer Liane vorbei schwingt. 

Nach ein paar Tagen geht es für uns weiter Richtung Montezuma, Cabuya, Mal Pais, Playa Carmen und Santa Teresa. In Montezuma tauschen wir das erste Mal in den tiefen entspannten Hippievibe des Landes ein, tanzen zu Reggae auf der Straße, trinken kaltes Bier am Strand und genießen unser Leben in vollen Zügen. Playa Carmen und Santa Teresa verleiten uns dazu uns mal wieder auf die Surfbretter zu schwingen und saugen den relaxten Surfervibe der Orte tief in uns auf. Am Ende sind wir knappe drei Wochen auf der Nicoya Halbinsel. Für uns ist diese Ecke in der Retroperspektive die schönste des Landes. Zumindest der Teile des Landes, welche wir erkunden durften.

Als wir merken, jeder Transport hoch weiter in den Norden der Halbinsel wäre ein Unterfangen von einem guten bis zwei Tagen oder mit utopischen Kosten von circa US$120 verbunden, entschließen wir uns über San Jose in den Norden des Landes in die Gegend um den Vulkan Arenal zu fahren. Staunte in Santa Teresa noch unserer Surflehrer, dass so viel los ist, ist La Fortuna grade zu ausgestorben.

Wir mieten uns einen Roller für US$25/Tag und erkunden das weitläufige Gebiet rund um den Vulkan auf eigene Faust. Werden überrascht von gefühlt hunderten Nasenbären, die offensichtlich an Menschen gewöhnt an Autos nach Futter betteln. Baden in den natürlichen heißen Quellen mitten im Dschungel, schwingen uns an einer Liane in den Fluss, schwanken über lange Hängebrücken in mitten des Regenwaldes und essen Leberkäs und Weißwürscht in der deutschen Bäckerei in Nuevo Arenal. Dort treffen wir auch überraschenderweise die Dreierbande von @Antiitchyfeet, die aus dem Autofenster rufen – „der Katastrophenschutzes?“ So klein ist die Welt eben. 


Karibikküste und langsamer Abschied

Nach ein paar regenreichen Tagen im Innland zieht es uns wieder Richtung Meer. Wir können uns nicht entscheiden – Pazifik- oder Karibikküste. Am Ende lassen wir die schönste Unterkunft in unserem Preissegment entscheiden und fahren mal wieder über San Jose Richtung Puerto Viejo an die Karibikküste. Der Vibe ist anders als an der Pazifikküste, eben karibischer aber ebenfalls sehr entspannt – weniger Hang Loose, mehr Peace. Auch hier verweilen wir ein paar Tage länger, auch wenn die ersten alles andere als karibisch sind. Tageweise schüttet es wie aus Eimern, der Himmel ist grau verhangen, das Meer zu meterhohen Wellen aufgetürmt.

Als das Wetter wieder aufklart, mieten wir uns Räder und fahren mit unseren Beachcruisern bis fast an die Grenze zu Panama. Auf der Tour hüpfen wir ab und an ins karibische Meer, verweilen an tiefschwarzen oder schneeweißen Sandstränden und essen unbändige Mengen an Casado und Patacones mit Guacamole. Patacones, frittierte Platanenpuffer / Kochbananenpuffer wurden schon in den ersten Tagen in Costa Rica zu unserem unangefochtenen Lieblingsessen. Dazu eine kühle Pipa fria und das Leben ist perfekt. Flo leiht sich gelegentlich ein Surfbrett und probiert sein Glück auf den karibischen Wellen, wir liegen am Strand, lesen und arbeiten an unserer karibischen Bräune. 

Nach einer guten Wochen an der Karibikküste fragen wir uns immer mehr, wie lange wir noch in Costa Rica bleiben möchten. Das Land ist wunderschön, unglaublich vielfältig, lebensfroh, bunt und zugleich tiefenentspannt. Aber wir haben, dass Gefühl wir möchten noch mehr von Zentralamerika sehen. Nur ein Land auf unserem Abstecher auf den amerikanischen Kontinent zu entdecken, erscheint uns fast einseitig. Also legen wir Listen an und planen hin- und her. Vergleichen neben Flugpreisen auch Beschränkungen in der Einreise als auch im täglichen Leben. Und entscheiden uns schlussendlich für das angepriesen kostengünstige Mexiko als nächstes Reiseland. So beenden wir nach einem guten Monat das Kapitel Costa Rica. Wir sind dankbar dafür, dass uns diese fantastische Land so aus unserem Tief geholt hat, uns gezeigt hat wie schön das Leben ist wenn man es lebt. Pura Vida!

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