Strom und Solar – ein Buch mit sieben Siegeln?

Jeder der einen Camper ausbaut, wird mindestens einmal mit dem Thema Strom und Solar in Berührung kommen. Für viele ist dabei das Thema Elektrizität sicher ein Buch mit sieben Siegeln. Für Flo als begeisterten Bastler eine Herausforderung, welche er nur all zu gerne angenommen hat. 

Hinweis – Solltest du dir beim Thema Elektrizität unsicher sein, überlege dir vorab ob du lieber einen Profi hinzuziehen möchtest. Du allein bist für deine Sicherheit verantwortlich. Die unkomplizierteste aber eben auch kostspieligste Variant ist, dass eine entsprechend elektrisch befähigte und ausgebildete Person den Stromausbau für dich übernimmt. Es gibt auch Workshops in denen dich Menschen mit entsprechender Erfahrung beim Selbstausbau unterstützen.


Spielerei oder zwingend nötiges Upgrade? Unser Erfahrungsbericht

Dinner im Kerzenschein und sich in dicke Bettdecken einzukuscheln mag romantisch klingen. Ist es sicher auch – aber nur wenn es frei gewählt ist und nicht gezwungenermaßen weil die Verbraucherbatterie restlos leer ist. Auch wenn es nach Abenteuer klingt ist das Kochen mit Stirnlampe und Karten spielen bei Kerzenschein, während man sich überlegt was man als nächstes anziehen kann weil es so kalt ist doch eher schlichtweg anstrengend. 

Herausforderungen und Erfahrungen im Vanlife-Winter

Im Winter 2020 in Griechenland bei niedrig stehender Sonne und kurzen Tagen haben wir gemerkt, dass unser für Wochenendtrips ausgelegtes Elektrizitäts-Setup nicht länger ausreicht und wir recht schnell an die Grenzen unseres Systems kommen. Auch das von Flo spontan improvisierte ankippbare Solarmodul brachte nicht mehr den erhofften Mehrwert, sodass wir uns tageweise überlegen mussten – können wir die Standheizung noch anmachen oder reicht es dann nicht mehr für den nächsten Morgen? Wann friere ich lieber? Bei neun Grad und Dauerregen eher eine frustrierende Entscheidung. Aufgrund der damalig geltenden Ausgangssperre konnten wir unsere Batterien nicht durch regelmäßiges Fahren laden. Sodass wir mehrfach im Stand den Motor laufen lassen mussten – was selbstredend alles andere als ideal ist, frieren aber leider auch. 

Unsere Exitstrategie vergangen Winter war schlichtweg die Flucht ins warme Costa Rica und anschließend nach Mexico. Da wir jetzt allerdings nicht jedes Jahr unser Zuhause zurücklassen und in die Subtropen fliegen können, war klar dieses Jahr muss ein Upgrade unseres Elektrizitäts- und Solarsystems her. 


Technische Ausgangssituation – Erster Umbau des Ex-Katastrophenschutz Busses

Elektische Ausstattung Funkleitwagen Katastrophenschutz

Aufgrund der Vorgeschichte unseres Freiheitsmobils als Funkleitwagen beim Katastrophenschutz waren bereits allerlei Sonderausstattungen verbaut. Bei Kauf hatten wir somit bereits eine 75 Ah starke Starter- sowie eine 55 Ah schwache Verbraucherbatterie integriert. Beide waren bereits mittels eines Trennrelais verbunden, zudem war ab Werk bereits eine stärkere Lichtmaschine verbaut. 

Umbau zum Freiheitsmobil für Kurzzeittrips

Als wir im Frühjahr 2018 den 307D vom tristen Behördenfahrzeug zum Freiheitsmobil und Wohnmobil umbauten, gingen wir davon aus maximal unseren vierwöchigen Sommerurlaub im Van zu verbringen. Wer konnte schon ahnen, dass wir gute zwei Jahre später einziehen und dann auch noch darin arbeiten wollen. 

Unser größter 2018 angedachter Verbraucher war unsere thermoelektrische Kühlbox. Wir bauten statt der bisherigen 55 Ah schwachen eine 100 Ah starke „Noname“ AGM Batterie ein, packten 2×100 Watt parallel geschaltene Solarmodule auf das Dach und verbauten einen „Noname“ MPPT-Laderegler. Somit erreichten wir einen maximalen Ladestrom von circa 15 A. Die Verbraucherbatterie wurde mittels dem original verbauten Trennrelais zusätzlich zum Solar während der Fahrt geladen. Das Relais schaltet, sobald der Motor läuft und somit die Lichtmaschine angetrieben wird Verbraucher- und Starterbatterie parallel. Das Trennrelais wird über die D+ Leitung gesteuert. 

Zur Absicherung wurden alle Verbraucher über den Batteriewächter des MPPT-Ladereglers angeschlossen. Ergänzend verbauten wir einen extra Sicherungskasten um die einzelnen Stromkreise in der Regel mit 5-10 A KFZ Sicherungen zusätzlich abzusichern. 

Als Kurzzeitreisende war dies sicher ein praktikables wenn auch nicht 100% optimales System. 


Technisches Upgrades – Vom Weekendwarrior zum Vanlifer, erste Erkenntnisse

Technische Learnings und Optimierungen

Wenig Monate nach Verbau ging der „Noname“ Laderegler bereits kaputt, wer billig kauft, kauft eben bekanntlich zweimal. Wir ersetzten den bisherigen Laderegler durch einen Victron MPPT 75/15* mit optimierter Ladekennlinie und Bluetooth. 

Zusätzlich kauften wir uns ein 230 V Ladegerät um die Batterie bei den wenigen Gelegenheiten mit Landstrom wenigstens mal wieder vollständig aufladen zu können. Um effizienter zu werden tauschten wir zudem den Energiefresser thermoelektrische Kühlbox gegen eine energiesparendere Kompressorkühlbox. Auch die bisher verbaute Webasto 4kW Standheizung unbekannten Alters war alles andere als energieeffizient. Wir demontierten den alten und ohnehin überdimensionierten Energiefresser und montierten stattdessen eine moderne und wesentlich energiesparendere Planar 2D (heute Autotherm 2D). 

Flos glorreiche Idee einen 2T Stromgenerator mit 1000Watt Leistung mitzunehmen um die Batterie on the road wieder laden zu können, konnten wir zum Glück schnell ad acta lagen. Das gute Stück hätte nämlich 20 kg gewogen, war so groß wie eine Bierkiste und alles andere als nachhaltig.

Batteriehygiene und Tiefenentladung

Nachdem wir uns in Südtirol bei -10 Grad auf einem Wintertrip nicht für Batteriehygiene sondern für Wärme entschieden und schlussendlich unsere AGM Batterie mehrfach tiefenentladen haben, durften wir diese bald daraufhin auch austauschen. Wir ersetzten die defekte Batterie erneut mit einer 100 Ah AGM Batterie. Zum Zeitpunkt des Ersatzes wussten wir zwar schon, dass wir in den Bus ziehen möchten, dennoch dachten wir diese wäre ausreichend für uns.

Die „neue“ Batterie wurde vom voran beschriebenen griechischen Winter erneut gut gefordert und brach bei zu vielen Abnehmern regelmäßig zusammen. Der zeitgleiche Betrieb der Druckwasserpumpe sowie der Standheizung war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr möglich. Für uns bedeutet das, dass der Bus nach der kalten Dusche draußen bereits wieder ausgekühlt war. Nach dem Duschen ging’s also erstmal zurück ins Bett – aufwärmen.

Entsprechend der Dauerbelastung wurde die Kapazität der AGM Batterie auch im Laufe des Jahres nicht besser. Zuletzt war das Laden unseres Notebooks bereits nicht mehr problemlos möglich. Häufig brach hier der gesamte Stromkreislauf zusammen. 


Der Gamechanger –  Vollzeit-Vanlife darf einfach und komfortabel sein

Erfahrungen und Erkenntnisse zum Thema Strom und Solar im Camper nach 1,5 Jahren als Vollzeitreisende

Nach eineinhalb Jahren als Vollzeitreisende sind uns drei Dinge bewusst geworden. Das Leben im Van gleicht ohnehin einer Dauerimprovisation, frieren ist ein richtiger Energiefresser und wir müssen unserer Energie-System ordentlich aufstocken und professionalisieren um einen maximalen Energieertrag zu generieren. Und das vor dem nächsten Winter. 

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Das nächste Strom-Setup sollte nicht auf Vermutungen und Schätzungen basieren, also errechneten wir mit Hilfe des übersichtlichen ECTIVE Strombedarfsrechner* von Ective wie viel Speicherkapazität wir denn tatsächlich benötigen. Wir gönnten uns diesmal einen ordentlichen Puffer und kamen so auf eine benötigte Speicherkapazität von 200 Ah Lithium Batterien. Das ist doch einiges mehr als die bisher nutzbaren 55 Ah der mittlerweile dritten AGM Batterie. Kein Wunder, dass uns ständig der Strom ausgegangen ist.

Warum entscheiden wir uns für ECTIVE?

Wir entschieden uns für eine Setup-Erweiterung von ECTIVE. Nach unserer negativen Erfahrung mit „Noname“ Produkten setzten wir diesmal auf einen namenhaften, hochwertigen Anbieter mit reichlich Erfahrung in der Campingszene. Wir wollten nicht einfach stumpf alles erneuern, sondern bereits bestehende Elemente bestmöglich integrieren und unser System entsprechend ausbauen. Der modulare Aufbau der ECTIVE Elemente kam uns hier sehr entgegen. Gemeinsam mit Ective planten wir also unser neues wintertaugliches Vollzeit-Vanlife-Setup.

Unser neues Ective „Rund-um-Sorglos“-Paket

Der Wechsel von AGM zur ECTIVE Batterie LiFePo4

Das Herzstück unseres Upgrades bilden die 2×100 Ah ECTIVE LiFePO4 LC 100L LT LFP* Batterien, diese sind für Temperaturen bis -20 Grad ausgelegt. Der Winter kann also kommen. Den genauen Ladezustand können wir bequem per App überwachen. Um den uns zur Verfügung stehenden doch eher geringen Raum in unserem Fahrzeug ideal zu nutzen, entscheiden wir uns für 2 x LC 100L LT LFP* und nicht für eine 200 Ah Lithium Batterie. 

Upgrade unserer Solaranlage

Zudem ergänzen wir unser bestehendes Solarsetup von bisher 2 x 100 W um zwei MSP 50 Ective Solarmodule* mit je 50 W sowie ein mobiles ECTIVE Solarmodul MSP 160 SunWallet* mit 160 W. Wir kommen mit dem Upgrade also auf 460 W Solarpower. So langsam sind wir wirklich unser eigenes kleines Sonnen-Kraftwerk. Das ECTIVE MSP 160 SunWallet* ist ideal nicht nur da wir es plug´n´play situationsabhängig dazu schalten können, sondern viel mehr auch da wir künftig unseren Stellplatz noch sonnenunabhängiger wählen können. Beispielsweise können wir so im Sommer unter schattenspendenden Pinien parken. Bisher galt es auch hier eine Entscheidung zu treffen. Entweder angenehme Temperaturen im Fahrzeug und leere Batterien, da die Solarmodule beschattet sind oder ausreichend Sonneneinstrahlung auf unseren Solarmodulen und somit volle Batterien. 

Trennrelais vs. Ladebooster

Weiter ergänzten wir den Solar-Ladebooster SBB 30* für 12 V in unser System. Dieser ersetzt das bisherige Relai zwischen Starter- und Verbraucherbatterie. Mit dem EVTIVE SBB 30* können wir nun während der Fahrt unsere Batterien um ein vielfaches schneller laden. Die Verbraucherbatterien selbst sind nun vom KFZ-Stromkreislauf entkoppelt. Der Ladebooster wird über die D+ Leitung der Lichtmaschine gesteuert. Während der Fahrt wird das Solar entkoppelt, im Stand über Solar geladen. Auch der ECTIVE Ladebooster SBB 30* ist einfach per Bluetooth über die App zu überwachen. Für uns ein großer Vorteil, das wir nicht extra ein einnehmendes Display installieren wollten. Welches zudem zulassungsbedingt zu Diskussionen um das H-Kennzeichen beim nächsten HU-Termin führen könnte. 

Wir haben jetzt auch 230V

Mit dem neuen Setup trauen wir uns nun auch endlich unseren bereits existenten 12 V auf 230 V Spannungswandler mit 1500 Watt Leistung anzuschließen. Da hier bei 1500 Watt und 12 V extrem hohe Ströme fließen (circa 125 A) ist der Spannungswandler über extrem dicke Leitungen direkt an den Batterien mit einer 150 A Schmelzsicherung angeschlossen. 


Ein erstes Resümee

Nach eineinhalb Monaten Intensivtest im kalten Bulgarien sowie erneut im Winter Griechenlands müssen wir sagen, das neue Setup ist für uns schlichtweg ein immenser Zugewinn an Lebensqualität. 

Wir können ohne Probleme mehrere Tage komplett autark stehen und das obwohl die Sonne wenig bis gar nicht scheint und bedingt durch die Jahreszeit grundsätzlich sehr niedrig steht. Wir kommen sicher nicht mehr in die Bredouille denn Motor im Stand laufen lassen zu müssen um duschen zu können.

Unser Verbrauch

Laut App der ECTIVE LC 100L LT LFP Batterien verbrauchen wir binnen eines Tages circa zehn Prozent unserer Batterieladung. Und das obwohl die Standheizung läuft, das Licht an ist, die Rechner mehrfach geladen werden und Jenni die Haare föhnt. Haare föhnen?! Ja, Haare föhnen. Mit dem neuen Setup ist nun nämlich auch ein kleiner Reiseföhn eingezogen. Und es ist schlichtweg unbeschreiblicher Luxus bei Temperaturen im einstelligen Bereich keine nassen Haaren zu haben. 

Unser Wandel zum Schattenparker

Mit Hilfe der handlichen ECTIVE Solar-Falttasche MSP 160 SunWallet können wir stets eine optimale Ausrichtung zur Sonne garantieren. Im Sommer werden wir jetzt also zum Schattenparker. 

Das ungute Gefühl mit dem Trennrelais

Der Betrieb über das Trennrelais war für uns immer suboptimal – obwohl bis dato zwei vergleichbare Batterietypen verbunden waren. Mit den Lithium-Batterien wäre dies nun technisch wohl schlichtweg nicht umsetzbar. Nun könnten wir batterieschonend und ladekennlinienoptimiert über den ECTIVE Solar-Ladebooster SBB 30* während der Fahrt schnell laden.

Es sind die kleinen Dinge

Mittels Spannungswandler 12 V auf 230 V betreiben wir nun neben dem Föhn (Stufe 1: 800 Watt; Stufe 2: 1300 Watt) auch einen Pürierstab (700 Watt) für noch cremigere Smoothiebowls am Morgen. Bisher haben wir die Notebooks als auch das Tablet über 12 V Adapter mehrheitlich während der Fahrt geladen – das funktioniert auch, keine Frage. Doch das Laden über die 230 V Ladegeräte ist doch um einiges schneller. Gleiches gilt auch für die Akkus unserer Drohne, des Akkuschraubers als auch des Staubsaugers. 

Resümierend bleibt uns nur zu sagen, das neue System ist wirklich ein Gamechanger und warum in Himmels willen sind wir das Upgrade nicht früher angegangen. 

Solltest du noch Fragen zum Thema Strombedarf, Batterien, Solar,… in deinem Camper haben kannst du dich gerne an uns wenden. Schreibe uns einfach eine persönliche Nachricht über unser Kontaktformular.

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