Unsere Türkeireise mit dem Camper geht weiter

Bereits im September sind wir auf unserem Weg nach Georgien durch die Nordtürkei gefahren. Nun kehren wir zurück. Türkei mit dem Camper – unsere Reise geht weiter. Mittlerweile ist es schon Mitte November, das Jahr ist voran geschritten. Nach den ersten winterlichen Tagen in Georgien und Armenien steht uns der Sinn nach Wärme, Sonne und einer ausgeprägten Çay-Kultur. 


Der Osten der Türkei 

Der Nordosten der Türkei beeindruckt durch eine fast alpine Landschaft. Die Region liegt sehr hoch, daher ist es im November bereits winterlich kalt. Wir haben Nachts bereits Temperaturen zwischen -4 bis -9 Grad. Dafür findet man hier wirklich einsame schöne Stellplätze. Auf der Suche nach wärmeren Temperaturen queren wir die Türkei im Osten des Landes in wenigen Tagen einmal Nord-Süd. 

Mardin entdecken

Wir müssen gestehen, der Charme der Türkei liegt für uns mehr in der Landschaft und den Menschen als in den Städten. Mardin wurde uns als orientalisches Wüstenjuwel empfohlen. Bei dieser Beschreibung hatten wir auf eine Stadt wie Douz oder Tozeur in Tunesien gehofft. Diese Erwartung konnte Mardin für uns nicht erfüllen. Auch einen für uns schönen stadtnahen Stellplatz konnten wir hier nicht wirklich finden. 

Wir ließen Mardin also nach einer kurzen Stippvisite hinter uns. Und wurden die nächsten Tage mit fantastischen Stellplätzen am Euphrat und am Tigris belohnt. Mit dem Van unterwegs zwischen Euphrat und Tigris, eine fast schon biblische Reise.

Schlemmen in Gaziantep

Gaziantep ist in der Türkei für extrem gute Essen bekannt. Und da das Essen in der Türkei ohnehin gut ist, haben wir uns hier phantastische Gaumenfreuden erhofft. Uns wurden vorab drei Restaurants empfohlen. Eines mit lokaler Küche und zwei Burger-Läden. In unserer Zeit in Gaziantep haben wir die empfohlenen Lokalitäten getestet. Wirklich weiterempfehlen können wir allerdings keines dieser Restaurants. Die Burger im „Burger Home“ waren lecker. Die Räumlichkeiten waren im Winter allerdings wirklich kalt, Take Away und dann im warmen Van essen war für uns hier die bessere Option.

Das für uns größere Highlight in Gaziantep ist der bis zu drei Tagen kostenfreie Wohnmobil-Stellplatz. Hier gibt es heiße Duschen, Strom und sogar Waschmaschinen. Alles kostenfrei und man steht zwar nicht malerisch aber dafür sicher.  Für Vollzeit-Vanlifer wie uns sind kostenfreie Waschmaschinen einfach ein richtiges Highlight. 


Türkische Mittelmeerküste mit dem Camper

Strandtage in der Südtürkei

Wir vermissen das Meer sehr. Also geht es für uns auf unserer Reise mit dem Camper durch die Türkei nach ein paar Tagen Stadt weiter. Es zieht uns an die Mittelmeerküste. 

Der erste Morgen an der Küste unterhalb von Adana ist phänomenal. Wir stehen endlich direkt wieder am Sandstrand, die Sonne scheint schon morgens in den Bus und es reicht ein T-Shirt. Als wir in Armenien waren, wurde uns ein Stellplatz bei Silifke empfohlen. Als schönster in der Türkei überhaupt. Und wir müssen sagen die Beschreibung war nicht übertrieben. Auch für uns einer der schönsten Stellplätze. Kilometerlanger Sandstrand, ein Meer das zum Baden einlädt und parken hinter den Dünen. In der Saison legen hier wohl sogar Schildkröten ihre Eier ab. Wir bemerken allerdings, dass der Platz auch in den uns bekannten Camper-Apps gelistet ist. Dementsprechend viele Camper zählen wir. Doch steht man nicht genau am eingezeichneten Platz findet man immer ein ruhigeres Eckchen. 

Hier lernen wir auch ein unglaublich nettes türkisches Ehepaar um die 70 kennen. Die uns einfach nach einem kurzen Plausch am Strand für den nächsten Tag zu sich nach Hause zum Essen einladen. Könnt ihr euch vorstellen, dass ihr oder eure Eltern einfach irgendein wildfremdes Camper-Pärchen zu sich nach Hause einladen. Einfach so, nach gerade einmal 10 Minuten Gespräch? Wir haben einen super netten Nachmittag, trinken Tee, türkischen Kaffee und essen Rose Börek. Gegen letzteres sieht unser mitgebrachter Kladdkaka natürlich alt aus. 

Wir genießen unsere Tage am Strand. Bis unser Trink- und Brauchwasser zur Neige geht und im Kühlschrank gähnende Leere herrscht.

Gazipaşa – Campen am Meer

Die Mittelmeerküste zwischen Mersin und Antalya ist stark bebaut. Riesige Luxushotels mit eigenem Vergnügungspark reihen sich aneinander, dazwischen Bananenplantagen soweit das Auge reicht. Die Küstenlinie präsentiert sich uns als eine Ansammlung an Gewächshäusern und All-Inclusive-Resorts. Ein einsames Plätzchen am Strand sucht man hier meist vergebens. Der Camper-Traum in der Türkei sieht für uns Wildcamper anders aus.

In der Nähe von Gazipaşa gibt es einen offiziellen Wohnmobil-Stellplatz. Und wie der Deutsche neben uns verkündet, handelt es sich um den deutschesten Stellplatz der ganzen Türkei. Gemeint ist damit, dass das Ordnungsamt jeden Tag verlässlich am frühen Nachmittag kommt um die Platzgebühr von 30 TL zu kassieren. Sowie das darauf geachtet wird, dass man mit dem Camper auch nur auf den dafür vorgesehen Parkplätzen steht. 

Der Stellplatz ist dafür in erster Reihe direkt am Meer und liegt in einer wirklich traumhaften Bucht. Wer lecker und regional Essen möchte, dem empfehlen wir die kleine Strandbar am hinteren Ende der Bucht. Hier stehen die Tische direkt im Sand. Eine Speisekarte gibt es nicht, der Besitzer oder sein Koch erklären einem was sie alles so leckeres zaubern können. Auf jeden Fall lohnt es sich hier auf einen Sundowner vorbei zu schauen. Im Spätherbst gibt es hier auch noch Liegestühle. Da die Saison aber längst vorbei ist, ist es herrlich ruhig und entspannt.


Die Zeit drängt

Wir möchten gerne über die Weihnachtsfeiertage in die Heimat fliegen. Allerdings kann man mit dem Visa on Arrival kann man 90 in 180 Tagen in der Türkei verweilen. Einige davon haben wir davon Ende November bereits aufgebraucht. Daher entschließen wir uns auf die Nummer sicher zu gehen und unseren Flug in die Heimat ab Griechenland zu buchen. Der mit Abstand günstigste Flug geht dabei schon am 18.12.21 ab Athen. Das bedeutet uns bleiben nur noch knappe 3 Wochen. Für die Strecke mit einem Oldtimer für uns eine sportliche Strecke. 

Vor allem da wir an und für sich ja noch unbedingt nach Kappadokien wollen. Eine Region die schon so lange auf unserer imaginären Bucket-List steht. Wir merken wir müssen uns entscheiden. Auch die westliche Mittelmeerküste der Türkei mit dem Camper zu erkunden oder das magische Kappadokien zu bestaunen. Wir beschließen also nach Kappadokien zu fahren  und die westliche Mittelmeerküste erst einmal zu skippen. Zumal wir auf dem Weg nach Griechenland noch ein paar Werkstatttage in Ankara einplanen müssen.


Kappadokien mit dem Wohnmobil

Um uns vom Meer zu verabschieden, machen wir noch einen kleinen Abstecher an die Küste. Zurück an unseren voran beschriebenen Lieblingsstellplatz. Nach dem wir gebührend Adieu gesagt haben und das Wetter langsam schlechter wird, düsen wir mit unserem Dicken in das Landesinnere der Türkei, denn hier liegt Kappadokien. 

Highlight auf jeder Türkei-Reise mit dem Camper

Die Region ist bekannt für die beindruckenden Tuff-Stein-Formationen sowie das darin integrierte Höhlensystem. Welches sogar mehrere komplexe unterirdische Stadtsysteme beheimatet. Der Naturpark Göreme und die Felsformationen wurden 1985 als gemischte Natur- und Kulturstätte in die Liste des UNESCO Welterbes aufgenommen. Wenn dann noch die Ballone zu Sonnenaufgang über dieser Landschaft aufsteigen, erinnert die Szenerie an ein Märchen aus 1001 Nacht. 

Wir kommen bereits im Dunklen in Kappadokien am vorab empfohlenen Freisteh-Stellplatz an. Auf der anderen Talseite meinen wir im Mondlicht unzählige Silhouetten von anderen Camper zu erkennen. Doch dort wo wir stehen ist absolut niemand. Kurz sind wir uns schon unsicher ob wir irgendwo ein Durchfahrt verboten Schild übersehen haben könnten. Als wir uns sicher sind, dass dem eigentlich nicht so war, können wir ankommen und genießen einfach unseren Platz zum Freistehen in absoluter Ruhe. 

Ballons über Kappadokien

Trotz Minusgraden schälen wir uns früh morgens aus den mollig warmen Decken. An Schlaf ist ohnehin nicht mehr zu denken, viel zu aufgeregt sind wir das gleich anstehende Spektakel zu verpassen. Im Winter starten bei gutem Wetter jeden Morgen bis zu 150 Ballons über dieser atemberaubenden Landschaft. 

Bereits als die ersten Ballons glühen, ist es um uns geschehen. Langsam ist der Himmel voller bunter Heißluftballone, welche fast geräuschlos durch die Luft gleiten. Die aufgehende Sonne tüncht die fast magisch wirkenden Felsformationen dazu in ihr schönstes Licht. Wir sind hin- und weg. Für uns ist Kappadokien ganz klar eines der Highlights unserer Reise mit dem Camper durch die Türkei. 

Übrigens im Sommer, zur Saison kann man das Schauspiel wohl nicht nur zum Sonnenauf- sondern auch zum Sonnenuntergang bestaunen. Für Nachteulen und Langschläfer also optimal. 

Kappadokien von oben

Am nächsten Morgen soll das Wetter leider umschwenken, sodass keine Ballone fliegen. Ansonsten hätten wir uns zu gerne eine Ballonfahrt gegönnt. Durch den schwachen Kurs der türkischen Lira kostet ein Flug zu diesem Zeitpunkt nämlich lediglich 60 EUR / Person. Zum Vergleich, in Myanmar hätten wir 2018 für ein Flug über den Tempelanlagen von Bagan 350 EUR einplanen müssen. Das hätte damals wie heute unser Reisebudget gesprengt.

Wie erwartet fliegen die Ballons am nächsten Tag wirklich nicht. Nicht desto trotz ist es unendlich schön mit den offenen Hecktüren und der Aussicht über die Feenkamine, wie die Felsformationen auch genannt werden in den Tag zu starten. 

Höhlenarchitektur in Kappadokien

Kappadokien und Göreme ist viel mehr als nur Ballons. Wir entscheiden uns wenigstens noch eine Wanderung durch die Landschaft zu machen bevor uns unser enger Zeitplan weiter treibt. Der Naturpark Göreme ist ein einziges riesiges und kostenfreies Freilichtmuseum. Bereits am Ausgangspunkt unserer kleinen Wanderung haben wir einen phänomenalen Ausblick über die Täler. Auf den ausgewaschene Wegen gehen wir hinab ins Tal, schlendern durch die beindruckenden Felsen und entdecken umso länger wir hinsehen immer mehr Höhlen. Fenster, Türen, Balkone. Wohn- und Lagerräume aber auch unzählige Kirchen. Manche ganz offen ersichtlich, manche Eingänge versteckt. Wir fühlen uns wie Indiana Jones und erkunden die Gegend. 

Mitten in dieser Landschaft finden wir übrigens ein Café. Es gibt frisch gepressten Granatapfelsaft, Tee und zu unserer Überraschung auch selbstgemachte Glühwein. Das wir uns da einen gönnen ist natürlich klar. In Deutschland haben ja schließlich auch schon die ersten Weihnachtsmärkte geöffnet. 

Resümierend, Kappadokien mit dem Wohnmobil ist wunderschön aber definitiv auch sehr touristisch. Nach unserem Empfinden war selbst in der absoluten Off-Season Ende November noch viel los. Wir können uns vorstellen, dass die Region zur Hochsaison einen Teil ihres Reizes verliert und man nicht allein beim Freistehen ist.

Schweren Herzens nehmen wir bereits nach zwei Tagen Abschied von Kappadokien und Göreme. Wir merken einmal mehr wie groß die Türkei ist und was es alles mit dem Camper zu entdecken gibt. 


Tuz Gölü 

Der Tuz Gölü ist mit 32,9% Salzgehalt einer der salzhaltigsten Seen der Welt. Der Salzsee liegt fast auf unserem Weg nach Ankara. Den können wir uns doch nicht entgehen lassen. 

Leider ist das Wetter super grau und der See zu diesem Zeitpunkt auf ein Minimum geschrumpft. So sehen wir eher Salzwiesen die grau in grau in den Horizont übergehen. Bei schönen Wetter muss der Salzsee ein wahres Spektakel sein.  


Ankara – auf ein neues

Wie bereits im September führt uns unser Weg durch Ankara. Genau genommen durch Ankaras Werkstattviertel

Flo verbirgt die Tage bei Birol in der Werkstatt. Vor unserer Weiterfahrt wird die Spur noch einmal korrekt eingestellt, das Motoröl gewechselt und die Bremsen an unserem Mercedes Wohnmobil geprüft. Zusätlich lassen wir hier die Radkästen noch einmal versiegeln. Auch optisch steht eine kleine Veränderung der Innenausstattung an.  Wir lassen uns neue Cord-Sitzüberzieher für unsere alten Sitze schneidern. Bis dato hatten wir Hamamtücher über die Sitze gelegt. Nachdem nun mehrmals gedacht wurde wir lassen unsere Handtücher vorne trocknen, war die Zeit für neue Bezüge wirklich reif. Für umgerechnet knapp 40 EUR inklusive Stoff kann man sich natürlich auch schon mal neue Überzüge für Fahrer- und Beifahrersitz vom Polsterer maßschneidern lassen. 

Mit frischem Öl, sicheren Bremsen und richtig schicken Sitzen kann es nun auch wieder weiter gehen. Wir entschließen uns Istanbul auf das nächste Mal zu verschieben. Temperaturen im einstelligen Bereich und Schneefall reizt uns nicht für einen Städtetrip. Also geht es für uns recht zügig weiter. Mit einem Abstecher über Bulgarien um dort Pakete einzusammeln geht es für uns in wenigen intensiven Fahrtagen direkt nach Griechenland. Unser diesjähriges Ziel um dem eisigen Winter zumindest ein Stück zu entfliehen. 


Aller guten Dinge sind drei – westliche Mittelmeerküste

Bereits Ende Februar 2022 fahren wir auf unserem Weg von Griechenland in Richtung Irak erneut mit dem Camper durch die Türkei. Diesmal nehmen wir die Route entlang der westlichen Mittelmeerküste und nicht durch das Landesinnere. Schließlich fehlt uns ja die westliche Mittelmeerküste noch gänzlich. Die Küste zwischen Muğla und Kaş überrascht uns. Viel Natur und  wenige riesige Hotels. Dafür mit zum Beispiel Datça auch schönen Städtchen, die zum Verweilen einladen. Wir stehen oberhalb der Steilküste in Pinienwäldern und sind tageweise ganz allein. Für uns vielleicht der schönste Küstenabschnitt der Türkei. 

Aber auch diesmal ist die Türkei jedoch für uns ein Transitland. Sind wir doch auf dem Weg in den Nord Irak. Und da uns aufgrund unserer ersten beiden Reisen mit dem Camper durch die Türkei nicht sonderlich viele der erlaubten 90 aus 180 Tagen verbleiben, haben wir auch diesmal wieder einen gewissen Zeitdruck. Es scheint als sei die Türkei ein Roadtrip-Land für uns. 


Resümee – Türkei mit dem Camper

Ob die Türkei für eine Reise mit dem Camper geeignet ist? Auf jeden Fall, ja. 

Freistehen mit dem Wohnmobil in der Türkei ist fast überall problemlos möglich. Zumindest wenn man die Touristenzentren an der Küste meidet und wie wir außerhalb der Saison oder im Winter reist. Wir hatten nicht das Gefühl uns ständig verstecken zu müssen. Oder gar unerwünscht zu sein. Ganz im Gegenteil, wir wurden sogar häufig zu Tee oder zum Essen eingeladen oder uns wurden sogar Dinge geschenkt.  

Die Mittelmeerküste zwischen Kemer und Mersin ist stark bebaut. Hier fanden wir es schwer ruhige und naturnahe Stellplätze zum Freistehen zu finden. Umso weiter man Richtung Landesinnere und Nordosten des Landes fährt umso ruhiger und ursprünglicher wird unseres Erachtens das Land. Solltest du ein bisschen Zeit mitbringen, lohnt es sich auf jeden Fall auch mit dem Camper abseits der Küstenlinie der Türkei unterwegs zu sein. Hier hat man oft noch das Gefühl „off the beaten path“ also abseits der ausgetretenen Pfade zu reisen. Im Hinterland erwarten einen beeindruckende Landschaften, unglaublich nette und gastfreundliche Menschen und unglaubliche Plätze zum Freistehen in der Türkei. 

Wer mit dem Wohnmobil nicht Freistehen möchte findet vor allem an den Küsten auch viele Campingplätze. Da wir bis auf die beschriebenen Wohnmobilstellplätze in Gazipasa und Gaziantep stets frei standen, können wir zum dortigen Standard keine Aussage treffen. 

Ganz klar auch in der Türkei ist Müll ein riesiges Problem. Wir empfehlen also eine Müllzange und ausreichend große Mülltüten stets parat zu haben. Ein breites Netz an öffentlichen Müllcontainern in denen die gesammelten Mülltüten entsorgt werden können, gibt es nämlich. 

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