USA – ein langersehntes Reiseziel?

Als sich unsere Zeit in Mexiko zu Ende neigt, fühlt es sich schlichtweg noch nicht richtig an nach Europa zurück zu kehren. Das Leben auf dem amerikanischen Kontinent fühlt sich leicht und frei an, während uns aus Europa täglich Nachrichten von neuen Ver- & Geboten erreichen. 

Um ehrlich zu sein, standen die USA nie besonders weit oben auf unserer imaginären Bucketlist. Aber plötzlich klingt ein kleiner Abstecher in die Staaten richtig verlockend. Schließlich sind wir grade im Nachbarland, die Flüge sind erschwinglich und wir haben Lust noch ein weiteres Land zu entdecken.  Aber zu erst müssen einige Punkte geklärt werden.

Unsere Langzeitauslandsreisekrankenversicherung* haben wir aus Kostengründen damals ohne USA und Kanada abgeschlossen. Bekommen wir derzeit überhaupt ein ESTA-Visum? Können wir unseren Rückflug nach Europa von Mexico Stadt auf eine amerikanische Stadt umbuchen? Ein paar Telefonate, Emails und Internetrecherchen später sind wir schlauer. Unsere Krankenversicherung gilt auch sechs Wochen in den USA ohne Mehrkosten, der Flug ab Mexico-Stadt ist kostenfrei auf den Abflugsort San Francisco umbuchbar und eine Einreise als deutscher Staatsbürger mittels ESTA-Visum ist zu diesem Zeitpunkt grundsätzlich möglich. Man darf sich lediglich in den letzten 14 Tagen nicht im Schengenraum aufgehalten haben, da dieser durch die USA als Covid-Risikogebiet eingestuft wird. Da wir aus Mexiko einreisen und dort auch mehr als ausreichend lange verweilt haben, beantragen wir online unser ESTA-Visum und bekommen dies auch kurze Zeit darauf bestätigt. Mit gebuchtem Flug nach San Francisco steigt unsere Vorfreude merklich. 

Aber wer wären wir wenn es uns nicht wieder „on the Road“ ziehen würde. Ein Roadtrip durch die USA, das klingt verlockend. Also ist fix der Mietwagen reserviert und ein Roadtrip über den Highway 1 geplant. Unsere Herzen hüpfen beim Gedanken an Weite, Roadtripklassiker auf voller Lautstärke, atemberaubende Natur und eventuell den ein oder anderen Burger.


Legendary Highway 1

Auch wenn vermutlich einer der schönsten Teile des Highway 1 grade aufgrund eines Erdrutsches unpassierbar ist, wir freuen uns ungemein. 

Wir holen direkt am Flughafen San Francisco unseren Mietwagen ab und fahren los, am ersten Tag soll es noch ein Stück entlang der Küste in Richtung unseres ersten AirBnBs – ein cool gestalteter Campingaufleger- gehen.  Mehr als einmal müssen wir anhalten und die Küstenlandschaft bestaunen. Steilküste wechselt sich mit Sandstränden ab, die Sonne scheint und die Natur ist für uns nach zwei Monaten Mexiko einfach unfassbar grün. Danke Kalifornien für diesen Empfang. Die Landschaft scheint uns ein wenig rauer als erwartet und erinnert uns teilweise an Nordskandinavien. Die Temperaturen sind leider absolut wie erwartet, nach 30 Grad plus in Mexiko frieren wir bei Temperaturen unter der 20 Gradmarke. 

Die beeindruckende Küste um Big Sur

Wir haben uns den nächsten Tag freigehalten um Big Sur zu erkunden. Wir fahren entlang des malerischen Highway 1 bis zur Stelle an der die Straße gesperrt ist. Klappern die für uns schönsten Hotspots ab. Die Küste ist wunderschön und lädt ein zu verweilen, zu erkunden, den Wasserfall der direkt ins Meer fließt oder die dichten Wälder entlang der Strecke zu bestaunen. Auf dem Rückweg entdecken wir noch einige Seehunde, unter anderem ein Muttertier das seinem Heuler grade Schwimmunterricht gibt als auch Seeotter die vergnügt in den Wellen spielen. Wir könnten beiden stundenlang zusehen. Und ja die ersten Tage laufen alte Roadtrip-Klassiker hoch und runter. Wir fühlen uns frei. 

Die nächsten Tage geht es weiter südlich – meist dem Highway 1 oder dessen Umfahrungen folgend. Wir bestaunen unter anderem eine riesige Kolonie von Seelöwen. Kilometerweit liegen hunderte Tiere dicht an dicht. Auch wenn es fürs Auge faszinierend ist die Tiere zu beobachten, die Nase freut sich wenn man wieder weiter fährt. Die Tiere strömen doch einen sehr intensiven Duft aus. 

Immer Südlich auf dem Highway 101

Wir wandern, essen eventuell den ein oder anderen Burger und fahren viel. Wir übernachten unter anderem in Santa Barbara. Hier haben Flos´ Kindheitshelden Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews als die “???” spannende Abenteuer erlebt – am liebsten würde er wo wir schon mal hier sind direkt mit den Drein die schwierigsten Fälle lösen.

Los Angeles, war in unseren ursprünglichen Planungen eines der Highlights. Daher hatten wir uns hier zwei Nächte vorgenommen. Und ganz klar das Hollywood Sign aus nächster Nähe zu sehen oder über den Walk of Fame zu schlendern ist echt nice und gehörte für uns voll dazu. Aber ja wir kannten die Bilder und Berichte über Obdachlosigkeit in den USA, was wir aber vor Ort sahen war für uns hart. Der unmittelbare Kontrast zwischen Reichtum und Armut ließ uns doch ganz schön knabbern und wir waren froh als wir nach zwei Tagen die Stadt verlassen konnten. Wieder durchatmen in der Natur. 


Pläne sind da um verworfen zu werden

Doch unser Mini-Roadtrip neigte sich dem Ende und wir hatten gefühlt noch so gut wie nichts von den USA gesehen. All die  Nationalparks, all die Natur von der alle immer schwärmten. Wir waren grade in Fresno, hatten noch zwei weitere Nächte in San Francisco bevor der Rückflug gehen sollte – als wir nachts gegen ein Uhr entschieden – “Wir wollen noch nicht gehen. Lass mal die Airline anfragen, ob wir umbuchen können”.  Gesagt getan, nächste kostenfreie Umbuchungsmöglichkeit wäre in drei Wochen. Deal, den nehmen wir. 

Also nun drei weitere Wochen USA. Erstmal müssen wir aber zurück nach San Francisco unseren Mietwagen abgeben und uns einen neuen organisieren. 


San Francisco 

Zwei Übernachtungen waren ohnehin schon in San Francisco gebucht, also gucken wir uns doch direkt die Stadt an. Am nächsten Tag ging es also los um die berühmten Touristenhighlights zu erkunden. Die Cable Car ist an uns vorbei gefahren, wir sind durch die wirklich teuren Second Hand Shops im Hippieviertel geschlendert, haben das Dragon Gate in China Town sowie die berühmten Painted Ladies bestaunt und sind über den Pier 39 flaniert.

Vermutlich haben wir San Francisco dank Covid19 so leer wie nie erlebt. Wir konnten ohne Touristenströme gemütlich durch die Fisherman´s Wharf spazieren, fanden im Park gegenüber der Painted Ladies entspannt Platz und auch China Town wirkte eher überschaubar. Andererseits sah man auch hier sehr deutlich die Folgen des Lockdowns, verbarrikadierte Geschäfte und Zeltstädte im Bankenviertel. Entsprechend der Aussage der Empfangsmitarbeiterin unseres Hotels hat die Anzahl der wohnungs- und obdachlosen Menschen während Covid19 drastisch zu genommen.


Das Mietwagen-Debakel

“Go get a rental car, they said – it will be fun they said”

Wir hatten online fleißig Preise verglichen und ein günstiges Mietwagenangebot gefunden. Abholen sollten wir den Wagen am nächsten Tag um 14:45. Als wir am Abholort erschienen war die Dame hinter dem Counter grade in ein Wortgefecht mit einem Kunden vertieft. Da wir nicht dämlich daneben stehen wollten, drehten wir noch eine Runde um den Block. Als wir um 15:01 erschienen, war der Schalter pünktlich seit 15:00 geschlossen. Die nette Dame, die vorher ins Wortgefecht vertieft war, teilte uns nur mit sie hätte Feierabend und könne nichts mehr für uns tun. Wir sollen zur anderen Abholstation fahren. Diese hätte länger auf. 

Gut also ab mit dem Uber, um ja rechtzeitig zu sein, durch die halbe Stadt. Als wir dort ankamen wurde uns mitgeteilt, dass dort keine Fahrzeuge in der günstigsten gebuchten Preisklasse verfügbar wären. Das nächst günstigere würde uns US$6 mehr am Tag kosten. Wir dachten uns blöd gelaufen, aber ist dann halt so. Der Mitarbeiter legt uns den Vertrag vor und zeigt direkt wo wir unterzeichnen müssen. Flo liest den Vertrag dennoch vorher durch und sieht – nicht sechs Euro am Tag mehr würde uns der Mietwagen hier kosten, sondern am Ende mehr als doppelt so viel. Darauf angesprochen meint der Mitarbeiter nur, na sie hätten ja auch andere Preise an dieser Station. Wir können ja aber einfach morgen wieder zu anderen Abholstation fahren. 

Die Alternative

Nachdem wir ihm mitgeteilt haben „Sicher nicht, wir buchen hier nichts!“, überlegen wir unsere Optionen. Sahen uns noch eine teure Nacht in San Francisco verbringen, als ich spontan ein sogar günstigeres Angebot bei einer anderen Firma fand. Und wieder ins Uber und ab dort hin. Mit der Firma hatten wir bereits häufiger in der Vergangenheit gebucht und waren im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Vor Ort wurde uns natürlich selbstverständlich erst einmal der Ferrari angeboten – auf den Hinweis, dass wir Budgetreisende sind und nicht mehr als gebucht zahlen möchten – kam die Überraschung.

Wir hatten das kleinste verfügbare Auto gebucht und bekamen ohne Aufpreis den Luxery SUV, das größte Fahrzeug welches verfügbar war. Ein GMC Denali Yukon XL. Mit dem freundlichen Hinweis der Countermitarbeiterin, dass man gut drin campen könnte. Ob sie es ernst gemeint hat? Wir wissen es nicht. Mit Blick auf die Isomatten an unseren Rucksäcken, sind wir uns aber sicher, dass wir darin campen werden.

Ganz nach der Redewendung „man weiß nie für was es gut ist“, hatten wir zwar Zeit und Nerven verloren aber ein dickes Upgrade gewonnen. So mussten wir uns kein Zelt kaufen sondern konnten ganz bequem in unseren nächsten „Micro“ Camper der Luxusklasse ziehen. 


Wenn ihr gespannt seid was unser USA-Microcamperausbau kostet und welche Route wir einschlagen werden, freut euch auf den zweiten Teil unseres Beitrags zur USA. Meldet euch am besten direkt zum Newsletter an um die Fortsetzung nicht zu verpassen! Als kleinen Sneak Peek könnt ihr gerne schon einmal durch unsere Bildergalerie stöbern.

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