Kalifornien, Nevada, Utah, Arizona

Ich bau mir einen Microcamper 

Da waren wir also, mit dem zweiten Mietwagen unseres USA Trips. Und mit was für einem. Ganz ehrfürchtig saßen wir noch immer in unserer „Lola“, ein GMC Yukon Denali XL. Länger als unser Mercedes T1. Mit jedem Schnickschnack und Fahrkomfort, sogar mit Klimaanlage. Ganz anders als in unserem Jeep Grand Cherokee in Mexiko. So luxuriös unser Microcamper von außen aussah, so spartanisch wirkte der Ausbau. 

  • Zwei Isomatten – kostenfrei auf einer Wohnungsauflösung in San Francisco erstanden -,
  • eine Kühltasche – ebenfalls kostenfrei auf der Wohnungsauflösung ergattert -,
  • eine US$30 wertige zweite Isomatte – für meinen geschundenen Rücken -,
  • zwei gefütterte je US$25 teure Outdoordecken aus dem Walmart – wir sind uns bis heute nicht sicher, ob diese aufgrund der kurzen Länge nicht eigentlich für Kinder gedacht waren -, 
  • Mein Kissen aus Mexiko – hatte ich mir eigentlich nur für den Rückflug nach Europa mitgenommen -, 
  • unseren Mexikotopf – als Schüssel für die erste USA Woche gedacht gewesen, damit wir morgens unser Frühstück machen können-,
  • zwei Tassen – auch aus Mexiko, ideal für alle Arten von Getränken -, 
  • zwei Schüsseln – für je 0,90 Cent von Walmart – ,
  • einen Gasbrenner samt 2 Kartuschen für zusammen US$28 – mühselig zusammengesucht aus Baumärkten, Campingshops und Walmart, da Gasbrenner grade heißbegehrt waren-,
  • später sollten noch zwei Fleecedecken für je US$10 dazu kommen – ob dieser Preis jetzt am schicken Design mit Marshmallows und geflügelten Wohnwägen lag oder an den Minusgraden im Bryce Canyon lassen wir mal dahin gestellt.

Als Spannbettuch verwendeten wir unsere Hüttenschlafsäcke. Flo nahm seinen und meinen Unterhosenbeutel (frische!) als Kopfkissen. Mehr wollten wir uns für drei Wochen nicht gönnen. Und ehrlich gesagt, haben wir in unserem spartanischen Ausbau besser geschlafen als in manch einem Hotelbett.


Volle Kraft voraus, es geht los.

Nun aber genug der Vorrede. Wir hatten wie so oft Hummeln im Hintern. Nachdem wir den GMC Denali am späten Nachmittag in San Francisco abgeholt hatten, waren wir direkt nach Fresno gefahren. Dort hatten wir für zwei Nächte ein AirBnB und konnten unsere Lola in Ruhe zum Microcamper „umbauen“.

Am liebsten wären wir direkt von hier in den nahegelegenen Yosemite Nationalpark gestartet. Jedoch waren die wenigen bereits geöffneten Campingplätze restlos ausgebucht. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, dann sparen wir uns dieses Highlight eben als Abschluss auf. Nach langer, für uns schlichtweg ungewohnten Planerei hatten wir eine grobe Route für die nächsten drei Wochen beschlossen – Glory Hole, Sierra National Forest, Sequoia NP, Kings Canyon NP, Death Valley NP, Bryce Canyon NP, Horse Shoe Bend, Valley of Fire, Yosemite, San Francisco. 


Ein Campingplatz ganz für uns

Als wir an unserer allerersten Campsite angekommen waren, wunderten wir uns schon. Komplett leer? Und das nachdem alle Plätze im Yosemite ausgebucht waren. Komisch, aber was soll es. Wir genossen den ersten Abend gänzlich allein auf der Campsite, machten unser erstes Lagerfeuer in den USA und grillten seit langem mal wieder.

Als es am darauffolgenden Morgen, einem Samstag, plötzlich richtig voll wurde, dachten wir schon „Puh, Wochenendbetrieb“. Noch komischer wurde es, als jemand eine Reservierung für unseren Platz hatte. Und da fiel es uns auf. Wir waren auf der falschen Campsite. Unsere war eigentlich auf der anderen Seite des Sees (und reichlich belebt), diese hier hätte eigentlich erst eine Nacht später – nämlich am Samstag – die Saison eröffnet. Ups. So hatten wir eine herrlich ruhige Nacht mit Lagerfeuer, ganz allein auf einer riesen Campsite. Ein guter Start in unseren Roadtrip. Die zweite Nacht haben wir übrigens auf der von uns gebuchten Campsite verbracht. 

Eigentlich dachten wir von der nächsten Campsite wäre es viel näher zum Yosemite Nationalpark und wir könnten dort tagsüber zum wandern hinfahren. Tja da haben wir wohl die Distanzen der USA unterschätzt. Was auf der Karte super nah aussieht ist in Wirklichkeit doch 2,5 Stunden Fahrt entfernt. Als wir dort ankamen, waren wir allerdings gar nicht mehr enttäuscht – einen fantastischen Blick auf den Pine Flat Lake und eine fast leere kleine Campsite mit nur sieben Stellplätzen und jede mit Lagerfeuerstelle. Und wir hatten den vordersten Platz mit freiem Blick in die Natur.  Nur der Hinweis des Rangers auf kürzlich gesichtete Klapperschlangen und die wenig einladenden Toiletten waren eine kleine Downside. Die Wanderung am nahegelegenen King River entlang war hingegen wunderschön. 


Sequoia und Kings River Nationalpark – Größenmaßstäbe neu setzen

Am nächsten Tag standen zwei Nationalparks auf dem Plan, die uns von unserer Community auf Instagram super häufig empfohlen wurden und auf die wir selbst ganz besonders gespannt waren. Den Sequoia Nationalpark und den Kings River Nationalpark. Die Nationalparks gehören zusammen und der Kings River NP kann per Fahrzeug nur über den Sequoia NP erreicht werden. Der Sequoia Nationalpark ist weltweit bekannt für die Riesenmammutbäume die teils mehrere tausend Jahre alt sind und immense Durchmesser haben. Und ja sie sind wirklich beeindruckend, selbst unsere Lola wirkte richtig klein daneben. Selbstverständlich sind wir auch durch die „Baumtunnel“ gefahren. Vor allem bekannt vom Klischee VW T2 Bild. Mit dem Dicken hätten wir wohl den Bypass nehmen müssen, mit unserer Lola konnten wir durchfahren. 

Tipp: Mit dem Annual Pass zahlst du einmalig US$80 und bekommst „freien“ Eintritt in die meisten staatlichen National Parks der USA. Achtung gilt in der Regel nicht in State Parks oder privaten Parks. Der Pass gilt je Fahrzeug für alle Insassen. Kann also gut geteilt werden. Auf der Rückseite sind zwei Unterschriftsfelder, wichtig ist das eine Person im Fahrzeug hier unterschrieben hat. Die Verkaufsstellen des Annual Pass sowie eine Liste der Parks für die er gilt findest du online. Man kann auch einzeln je National Park den Eintritt lösen. Die Eintrittspreise je Nationalpark findet ihr ebenfalls online und könnt so ganz einfach abschätzen ob sich der Annual Pass für euch lohnt. 

Auch der Kings River Nationalpark war beeindruckend. Erinnerte er uns ein wenig an die heimischen Alpen, nur weniger scharfkantig und mit wesentlich weiteren Dimensionen. Überhaupt merken wir in diesen ersten Tagen, dass in Amerika wirklich alles ein bisschen größer ist. Die Pickups, die Campingmobile, die Ausmaße der Natur und die Softdrinks. Nur Wasser in großen Mehrwegkanistern zu finden ist tricky, sieht man die meisten Amerikaner Wasserflaschen aus dünnsten Plastik mit maximal 0,5l Füllmenge in die Autos schleppen. Da blutet unser kleines Ökoherz ein bisschen.


Death Valley Nationalpark – Surrealismus und Sternenhimmel

Als wir beschließen spontan unseren USA Roadtrip zu verlängern, ist für Flo eins klar – „dann will ich auch ins Death Valley“.  Okay Deal. 

Auf dem Weg dorthin nehmen wir nicht enden wollende schnurgerade Straßen, queren Orte die damit werben, der einzige im Umkreis von 100 Meilen zu sein, bemerken wie die Natur immer karger wird und irgendwann nicht einmal mehr Joshua Trees, Kakteen und niedrige dürre Sträucher wachsen. Nur noch Stein, Sand und eine drückende Hitze die einen schier auszutrocknen scheint. Aber auch faszinierende Felsformationen, eine bizarre Wüstenlandschaft, Sanddünen und eine fantastische Stimmung. 

Übernacht an einem der unwirtlichsten Ort der USA

Als wir abends auf unserer Campsite Furnae Greek ankommen und den klimatisierten Innenraum verlassen, laufen wir schier gegen eine Wand. Eine Wand aus immer noch 40 Grad Außentemperatur. Und der heiße Wüstenwind bringt viel, aber keine Abkühlung. Bevor unsere Kühltasche versagt trinken wir noch schnell das letzte kühle Bier und hoffen auf kalte Nachtstunden die nicht so recht eintreffen wollen. 

Da sitzen wir also mitten in der Wüste, lassen uns vom warmen Wind anpusten und bewundern einen gigantischen Sternenhimmel über uns. Annähernd ohne Lichtverschmutzung haben wir das Gefühl als ob minütlich mehr Sterne am Himmel erscheinen. Plötzlich hören wir irgendwo auf der Campsite aufgeregte Rufe und denken schon an Klapperschlangen und Skorpione als wir die Ursache des Tumults erkennen. Eine Kette von sicher hundert Starlink-Satelitten zieht direkt über uns hinweg, aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur. Gruselig und schön zu gleich. 

Neben der Hitze bemerken wir vor allem die extrem trockene Luft im Death Valley. Nach wenigen Stunden springen uns bereits die Lippen auf. An unserem Tag im Death Valley trinken wir je sechs Liter und es hätten mehr sein sollen. Auf den Toiletten der Campsites hängen praktischerweise Karten, anhand derer man Urinfarbe und Dehydrierungszustand abgleichen kann. Richtig gut finden wir daher, dass es vor Ort einen Trinkwasserspender gibt (dessen Wasser sogar leicht kühl ist – yes!) und das Leitungswasser explizit als Trinkwasser gekennzeichnet ist.


Bryce Canyon Nationalpark – gigantische Natur und tiefe Temperaturen

Da uns die Hitze und vor allem die enorme Trockenheit doch zu schaffen macht, verlassen wir bereits am nächsten Tag das Death Valley. Auf dem Weg zum Bryce Canyon queren wir noch den Zion Nationalpark, der uns mit seinen rot-orangen Farben und Felsformationen beeindruckt. Wir fühlen uns als ob Winnetou jeder Zeit an uns vorbei reiten müsste. Hier sehen wir auch die ersten Steinböcke dieser USA Reise, wie sie gemütlich neben der Straße grasen. 

Nachdem wir im Death Valley die „First Come, First Serve“ Campsite fast leer vorgefunden haben – dachten wir, wir probieren unser Glück auch im Bryce Canyon Nationalpark. Denkste, als wir ankommen, staut es sich bereits vor dem Eingang des Nationalparks und die Schilder verkünden nicht gutes. Bereits am späten Mittag sind alle Campsites im Park ausgebucht. Nach kurzer Überlegung buchen wir uns auf dem teuren Campingplatz direkt vor dem Parkeingang ein. Der große Vorteil – es gibt hier sogar warme Duschen! Denn nach der heißen Nacht im Death Valley sind hier Nachttemperaturen um die Null-Grad-Marke und darunter angesagt. 

Am nächsten Tag erkunden wir den Nationalpark. Mit dem Shuttle Bus, der vor der Campsite abfährt und im Annual Pass inkludiert ist, gehts bequem zum Startpunkt unserer Wanderung. Natürlich verfehlen wir direkt den Einstieg unserer forcierten Wanderroute. Aber nicht dramatisch – so laufen wir zuerst den Panoramaweg entlang, welcher stets der Abrisskante des Canyon folgt. Unendlich weit erstrecken sich die Säulen, die surreal wirkenden Felsformationen des Canyon. Wir kombinieren diverse Wanderrouten am Rand und durch das Tal des Canyon. Auch von hier unten gibt es reichlich viel zu bestaunen, aber den faszinierendsten Ausblick hat man unseres Erachtens von oben. Von der Route die wir eigentlich gar nicht laufen wollten. Für uns sicher einer der beeindruckendsten Nationalparks, welche wir in der kurzen Zeit besichtigen durften. 

Heißer Tee statt kaltem Bier

Unsere Luxery-Campsite hätte eigentlich auch einen Pool. Am Morgen vor unserer Wanderung malen wir uns noch aus, wie es sicher erfrischend ist im Anschluss rein zu hüpfen. In Realität kuscheln wir uns dank Temperaturen im einstelligen Bereich direkt unter unsere Decken und wärmen uns mit Tee und heißer Suppe. Da für die zweite Nacht Temperaturen um die minus sechs Grad angesagt sind, gönnen wir uns noch die vermutlich schaurig schönsten Fleecedecken im Campshop. In der Nacht sind wir richtig froh über die Marshmallow und Wohnwagen-Decke. Auch mit vier Klamottenschichten und zwei paar Socken frieren wir sehr und freuen uns auf die ersten wärmenden Sonnenstrahlen am Morgen. 

Wir suchen also nach einem nächsten Platz mit zumindest nächtlichen Temperaturen im Plusbereich. Wir werden fündig in Kanab, Utah. Die Dark Sky Campsite ist sicher kein Schnäppchen – aber niegelnagelneu und von der Größe absolut überschaubar. Lediglich zwei der Van-/ Zeltplätze sind belegt. Die Betreiber sind vier Generationen Reisender & Vanlifer die sich hier ein Traum von der perfekten Campsite erfüllen. Und wir müssen sagen, sie haben das wirklich gut gemacht. Richtig cool designte Bäder, die eher einem Spa ähneln, Waschmaschinen, Stromboxen auch für die Plätze ohne Strom, eine große überdachte Sitzfläche mit (Gas-)Feuerschalen und richtig amerikanischem BBQ, aber für uns mit das größte Highlight – richtig schnelles Internet.


Toadstool Hoodoos, Horseshoe Bend, Antelope Canyon, Paria Townsite – Überraschungen

Nach der Ankunft fragt uns unser Host was wir denn so am nächsten Tag vorhaben. Als wir meinen wir wollten zum Horseshoe Bend fahren – meint er, dass das bei weitem nicht tagesfüllend sei und ja nett aber eigentlich eben auch was für Touristen. Er zählt uns eine ganze Reihe an Dingen in der nächsten Umgebung auf, die seines Erachtens viel beeindruckender sind. So erfahren wir auch das sich „The Wave“ (wer es googelt, wird das Bild erkennen) direkt in der Nähe befindet aber nur per Lotterieverfahren zugänglich ist, welches wir für den Folgetag schon verpasst haben. 

Nachdem wir das Bad mit Fußbodenheizung am nächsten Morgen in vollen Zügen genießen – machen wir uns auf. Ja zum Horseshoe Bend wollen wir immer noch. Aber auch die Empfehlungen haben wir natürlich aufgenommen. Auf dem Weg zum Horseshoe Bend halten wir an den Toadstool Hoodoos. Nach einer kurzen Wanderung kommt man an faszinierende Felsformationen vorbei und bekommt einem Gefühl falsch abgebogen und auf dem Mond gelandet zu sein. Einfach nur bizarr. 

Am Horseshoe Bend angekommen, sind wir erstmal überrascht über den großen Parkplatz und die Touristenbusse. Hatte unser Host wohl Recht? Der Aussichtspunkt, welcher vom Parkplatz binnen 10 Minuten über den Kinderwagen- & Rohlstuhlgerechten Weg erreichbar ist, bietet einen fantastischen Bilderbuch Ausblick, der ein ganz kleines bisschen an die deutsche Saarschleife erinnert. Man sieht ganz unten direkt in der Kurve Kanus und Menschen die dort mit dem Zelt übernachten – das stellen wir uns traumhaft vor. 

Wir haben ein straffes Programm und wollen weiter zum Antelope Canyon. Wir hatten es bereits befürchtet der Park ist aufgrund Covid als einer der wenigen noch geschlossen. Der Sohn unseres Hosts meinte bereits am Vorabend, er wisse nicht ob der Park schon wieder offen sei. Einen Versuch war es wert, dann eben das nächste Mal.

Auf dem Rückweg Richtung Kanab fahren wir noch zur empfohlenen Paria Townsite. Wir kommen an, als das schönste goldene Abendlicht die bunt gestreiften Felsformationen anleuchtet. Wunderschön. Wir sind glücklich auf unseren Host gehört zu haben – ansonsten wären wir an diesem Farbenspiel einfach vorbei gefahren. 


Von Guilty Pleasures und Warnleuchten 

Guilty Pleasure. Waren wir in Europa seit Jahren nicht mehr in Fast Food Restaurants, werden wir in den Staaten regelmäßig schwach. Unsere Community auf Instagram klärt uns auf, was die besten Burgerschuppen Amerikas sind. Und ganz vorne neben In´n´Out ist Shake Shack dabei. Und genau da zieht es uns grade hin. Mittlerweile haben wir unseren Burgerkonsum auf einmal pro Woche reduziert und was soll man sagen – es ist Burgertag.

Auf dem Weg zum Shake Schack in Las Vegas macht es auf einmal „Ping“ und im Display des Autos leuchtet die Warnmeldung „Motoröl bald wechseln“ auf. Gut, also bald wechseln is ja relativ. Beim Mietwagen eventuell etwas heikler als beim eigenen KFZ. Als wir im Board-Handbuch nachlesen, heißt es binnen der nächsten 600 Meilen. Blöd wir werden noch circa 900 Meilen oder mehr fahren. Also rufen wir brav wie wir sind, beim Vermieter an und fragen nach ob wir den Wagen regulär mit eben mehr als diesen 600 Meilen plus am ursprünglichen Abgabeort abgeben können. Die Antwort heißt leider nein. Autotausch. Wir hatten ja ein Auto in der „kleinsten Kategorie“ gemietet und waren auf den GMC upgegraded worden. Also heißt es Bangen was für ein Auto wir den bekommen werden. Sollte unser Camping-Roadtrip bereits vorzeitig beendet sein? Sollten wir einen kleinen Cityflitzer ohne Liegefläche bekommen? 

Heute schon Auto tauschen – nicht mal eine letzte Nacht in „Lola“ unserem GMC? Nein, dass geht nun wirklich nicht. 


Valley of Fire – rote Felsen, Marshmallows und Wüstenfüchse

Wie gut dass wir noch nicht am Valley of Fire vorbei gedüst waren. Also direkt vom Highway abgefahren und auf der „First Come, First Serve“ Campsite mitten im Statepark den vermutlich schönsten Platz ergattert. In mitten der roten Gesteinsformationen, uneinsichtig von den Nachbarplätzen welche ohnehin nicht belegt waren, mit abgeschatteter Sitzecke und Grillstelle. Hallo Lagerfeuer, hallo Marshmallows. 

Selbstverständlich sind wir trotz fantastischer Campsite nochmal aufgebrochen um uns das Valley of Fire anzusehen. Noch auf dem Hinweg zum Einstieg unserer kleinen Wanderrunde laufen mehrere Steinböcke ganz gemütlich vor uns auf der Straße. Nachdem der Antelope Canyon ja geschlossen war, schaffen wir es hier dann doch noch durch einen Canyon zu spazieren und sind eimal mehr von der Natur Amerikas gebannt. Auf den Rückweg sehen wir übrigens noch reichlich mehr Steinböcke, die sich ganz gemütlich am Straßenrand ihr Abendessen zu Gemüte führen. 

Zurück auf unserer Campsite, genießen wir unseren voraussichtlich letzten Campingabend am Lagerfeuer unter einem atemberaubenden Sternenhimmel, als einmal mehr unzählige Starlink-Satelitten über uns hinweg ziehen. Als wir eigentlich schon im Bett liegen, hören wir es auf einmal um das Auto herum rascheln. Kurz die Stirnlampe angeschaltet, sehen wir auch woher das Rascheln kommt. Junge Wüstenfüchse schleichen um unser Auto herum. Wir schlafen mit dem Gedanken ein, dass wenn das das Ende unseres USA-Campingabenteuers ist, dann ist es ein schönes.


Wie wir zum Casinobesuch in Las Vegas kamen

Gut am nächsten Tag geht es aber auf direktem Weg zur Filiale des Autovermieters. Das Navi schickt uns ins Casinoparkhaus. Verwundert, fragen wir den Parkhausmitarbeiter ob wir hier richtig sind. Ja ja, meint dieser und nennt uns das Deck in welches wir fahren sollen. Ich habe vermutlich noch nie so bei einer Auffahrt in ein Parkhaus geschwitzt. Die Decke ist furchtbar niedrig und scheint mit jeder Auffahrt die wir uns höher schrauben noch niedriger zu werden. Eine knappe Handbreit ist über dem Dach des GMC noch frei. 

Im entsprechenden Parkdeck angekommen, können wir das Auto abstellen, müssen aber dennoch runter ins Casino. Dort ist der Schalter an welchem wir unser Anliegen schildern sollen. Nach einer kleinen Odyssee durch das Casino-Labyrinth finden wir auch tatsächlich den Vermietungsschalter. Die Counterdamen können uns aber leider nur mitteilen, dass sie keine Fahrzeug in unserer Klasse da haben. Dafür müssten wir zum Flugzeug – dort stehen die größeren Autos. Kriegen wir eventuell doch wieder ein campingfähiges Fahrzeug? 

Ab zum Flughafen. Der Countermitarbeiter vor Ort ist sichtlich verwirrt, als wir wissen möchten wie lang die Ladefläche sei und ob diese eben umklappbar ist. Zu seiner Verwunderung wählen wir am Ende das ältere angebotene Fahrzeug mit weniger Komfort und mehr Meilen auf dem Tacho, ein Chevrolet Tahoe. Aber der hat keine fest verbaute Mittelkonsole hinten und lässt sich wenn auch nicht eben aber flacher umklappen. Auch wenn wir Lola ein bisschen hinterher trauern, sind wir überglücklich. Unser Campingabenteuer kann weitergehen! 

In Mitten der Sierra Nevada bauen wir also Microcamper Nummer 3 dieser Reise um. Wir müssen hinten auf Steine fahren um eben liegen zu können und man spürt den Übergang von Kofferraum zu den umgeklappten Sitzen – aber wir liegen wieder im Kofferraum eines Fahrzeuges. Was für andere nach Albtraum klingt, hört sich für uns nach Abenteuer und Freiheit an. 


Yosemite Nationalpark – ein weiters Highlight

Wir haben uns dieses Highlight ja fürs Ende aufgehoben und freuen uns nun auf milde Temperaturen und satt grüne Landschaft. Da weiterhin alle bereits geöffneten Plätze im Yosemite Nationalpark ausgebucht sind – buchen wir uns auf einer Campsite am Bass Lake ein. Diesmal wirklich in fahrbarer Distanz zum Yosemite. 

Bärenstarker Yosemite Nationalpark

Als wir dort ankommen, klärte uns der freundliche Ranger auf – dass er vor zwei Tagen eine Bärenmama mit ihren Jungen gesichtet habe. Er bittet uns alles Essbare, Nahrungsmittelähnliche und Artikel mit Duftstoffen in die bärensicheren Aufbewahrungsboxen zu sperren, insofern wir nicht möchten, dass der Bär mal auf ein kleinen Snack vorbei kommt. Machen wir doch gerne. Auch wenn es spannend wäre die Bären zu sehen, aus der Ferne ist uns dennoch lieber. Der Ranger erzählte uns zudem, dass es heute noch ruhig sein soll aber morgen wären alle – wirklich alle Plätze ausgebucht. Mit zwei anderen Fahrzeugen hörte sich für uns irgendwie entspannter an, als jeder Platz belegt. Gut aber am nächsten Tag wollten wir ohnehin früh zum Wandern aufbrechen und voraussichtlich spät zurück kehren. 

Das mit dem Früh aufbrechen klappt sogar mal und wir sind bereits gegen 10:00 Uhr morgens trotz einstündiger Anfahrt und Stau am Eingang des Yosemite Nationalparks. Wir wollen auf den Spuren von John Muir ein kleines Stück auf dessen Trail wandern. Diese Idee haben wohl einige andere Wanderer auch. Der Parkplatz ist bis auf den letzten Zentimeter bereits vormittags belegt. Den nächsten freien Parkplatz finden wir nach fast zwei Stunden Suche vier Kilometer weiter. Gut, dann eben die Alternativroute zum Wasserfall. Kürzer und vielleicht weniger los. Auch der Weg ist gut frequentiert umso weiter man aber voran geht umso einsamer wird es. Und als wir um die Kurve biegen und das erste Mal der Wasserfall in seiner vollen Pracht zu sehen ist – wissen wir genau so hat es sein sollen. Magisch wie das Wasser den Berg hinab schießt, nebelartig verstreut. 

Ein wirklich letzter Campingabend in den USA

Aber es ist eben auch – diesmal tatsächlich – der letzte Campingabend in den USA. Wir wollen noch einmal Lagerfeuer machen und über den offenen Flammen unser Abendessen grillen, ein letztes Mal unseren Marshmallow Stab herausziehen, ein letztes Bierchen in der Natur. Vielleicht noch ein Blick auf die Bären erhaschen. Also zieht es uns zügig zurück zur Campsite. 

Dort angekommen ist wirklich jeder Platz belegt, Musik und Generatoren dröhnen, die mitgebrachten BBQs inklusive Smoker qualmen, hektische Menschen rennen umher. Die trubelige Stimmung soll uns vermutlich den Abschied vom Camplife ein wenig erleichtern. Nichts desto trotz genießen wir unseren letzten US-Lagerfeuerabend sehr und gehen mit vollgefutterten Bäuchen und zufriedenen Herzen ein letztes Mal in unserem Auto ins Bett. 

Vollgefutterte Bäuche hat an diesem Abend übrigens auch die Bärenfamilie. Einer der Camper unweit unseres Platzes hatte wohl seine Kühlbox draußen stehen lassen. Die Bären haben die Box nachts inspiziert und zielsicher den Lachs raus gefuttert. Alles weitere sei laut Ranger nicht angerührt worden.


Die letzten Tage – mal wieder Abschied nehmen

Da wir die letzten Tage noch einiges organisatorisches und bürokratisches klären und ein paar liegen gebliebene Dinge abarbeiten müssen, hatten wir uns nochmal in Fresno im AirBnB mit schnellem Internet eingemietet. Dank Backofen nochmal easy peasy Tiefkühlpizza mit Blumenkohlboden machen, Wäsche waschen, unsere Rucksäcke und Taschen in zu verschenken und behalten sortieren und letztendlich auch unseren Rückflug vorbereiten.

Wir haben selbstverständlich nicht unser lediglich drei Wochen genutztes Campingequipment wegschmissen sondern haben es gewaschen und an die Wohnungs- und Obdachlosen in Fresno und San Francisco verteilt. Und wieder einmal mussten wir lernen – die Menschen die am wenigsten haben, geben am meisten. Und sei es ein aufrichtiges Lächeln. 


San Francisco du hast uns wieder

Nachdem wir es das letzte Mal nicht mehr zur berühmten Golden Gate Bridge geschafft hatten, war diese diesmal der ersten Stopp den wir in San Francisco angefahren haben. Und weil wir die Abfahrt verpasst haben, sind wir auch ungeplanterweise direkt über die Brücke gefahren. Denn eigentlich wollten wir uns die Maut für die Brücke sparen – aber es hat genau so sein sollen. Was für ein schöner Abschluss unsers USA-Trips. 


Ein Resümee nach vier Wochen Roadtrip durch die USA

Die USA standen nie besonders weit oben auf unserer imaginären Bucketlist, wir dachten es wäre uns zu europaähnlich. Zu einfach, zu langweilig. Wir wurden überrascht. Im negativen wie im positiven. Der omnipräsente enorme Gap zwischen Arm und Reich hat uns mehr als nur einmal tief schlucken lassen. Andererseits ist die Natur in ihren Ausmaßen mit keiner anderen bisher gesehenen direkt vergleichbar und hat uns mehr als einmal staunend zurückgelassen. Wir sind sehr dankbar, hier gewesen zu sein. Den Armerican Way of Life erlebt zu haben, wir schätzen die Hands on Mentalität und ja wir können jetzt endlich auch mitreden wenn es um amerikanische Burgerläden wie „In´n´Out“, „Shake Shack“, „Jack in the Box“ und wie sie alle heißen mögen geht. 

Schreibe einen Kommentar

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Bea

    Das klingt einfach großartig 😍 wenn’s klappt, mache ich vielleicht nächsten März 2 Wochen USA, wenn auch “nur” Küste. Aber das ist auf jeden Fall trotzdem ein Bericht zum Vorfreude steigern 😍

    1. Flo

      Dann bleibt uns wohl nur viel Vorfreude bis dahin & tolle Erlebnisse wenn es soweit ist zu wünschen 🙂