Nach den USA soll es in den Norden Europas gehen 

Als wir Ende Mai aus den Staaten zurück kamen, hatten wir richtig Lust auf einen Sommer in Schweden. Mit unserem orangenen rollenden Zuhause über kleine süße Sträßchen durch eine sommerliche Landschaft vorbei an pitoresken roten Häusern tuckern, Unmengen an Blaubeeren und später im Jahr auch Pfifferlinge und Steinpilze sammeln, in schwedische Seen hopsen und die ein oder andere Zimtschnecke vernaschen. 


Welcome Home

Am 03.06.2020 legt also unsere Fähre aus Rostock im schwedischen Trelleborg an. Es ist unser drittes Mal in Schweden. Es fühlt sich fast ein bisschen wie nach Hause kommen an als wir aus dem Fährhafen rollen. Die ersten Wochen bewegen wir uns quasi im Schneckentempo durch Südschweden und verbringen unsere Tage mit dem erneuten ankommen in unserem Zuhause. Nach fünf Monaten Vanlife-Abstinenz und Renovierung müssen wir uns tatsächlich wieder neu eingrooven. 

Der Sommer hat vollends Einzug erhalten, die Sonne wärmt und die Seen erfrischen. Lupinen in den wunderschönsten Farben stehen voll in der Blüte und säumen unseren Weg. Wir parken jeden Tag noch einsamer und noch schöner. Lernen den Charme von Wendeplätzen im Wald kennen, garantieren diese doch meist absolute Einsamkeit. Auch wenn im Süden Schwedens so langsam der Sommertourismus Einzug hält. Denn nicht nur wir hatten das Verlangen nach einem Sommer in Schweden. Mit Beginn der Sommerferien steigt auch die Frequentierung der Parkplätze mit campingfähigen Fahrzeugen erheblich. Unseres Empfindens nach laden Parkplätze, welche in der Park4Night App gelistet sind, in Südschweden nun nur noch zum Gruppen kuscheln ein. Auf die Stellplatzapp in Südschweden zurück zu greifen, können wir zu dieser Jahreszeit absolut nicht empfehlen. Zumal einen schönen Stellplatz mit via Satellitenbild und Google Maps zu finden hier wirklich einfach ist. 


Mückensaison in Schweden

Nicht nur die Camper nehmen zu, sondern auch Stech- und Kriebelmücken, Mitties und Bremsen sind nun unsere täglichen Begleiter. Zu Beginn versuchen wir sie uns noch mit den üblichen Hausmittelchen und herkömmlichen Mückensprays aus Mitteleuropa vom Leibe zu halten. Doch darüber schmunzeln diese Plagegeister nur müde. Hält das Mückennetz zumindest die Stechmücken und Bremsen ab, klettern die kleinen und weit aus fieseren Mitties und Kriebelmücken unbeeindruckt einfach durch. 

Es gibt in Skandinavien Geräte für teils mehrere tausend Euro, mit welchen die Schweden versuchen sich die Quälgeister in der Saison vom Hals (oder den Knöcheln) zu halten. 

Bringen würden kurzfristig nur Mückenabwehrmittel mit hochkonzentriertem DEET oder eine Art Teerpaste, letztere stinkt übrigens unglaublich widerlich. Von vielen Anglern, Schweden und auch unserer Community auf Instagram wird uns immer wieder der Thermacell* empfohlen. Vom Funktionsprinzip erinnert er an diese Mückenabwehrdinger, die man Zuhause in die Steckdose stecken kann mit dem blauen Blättchen*. Damit der Thermacell mobil funktioniert, ist hier eine Art „Feuerzeugkartusche“* integriert. Diese lässt sich übrigends relativ einfach selbst wesentlich kostengünstiger nachfüllen. Der Vorgang hierzu ist in mehreren Youtube Videos einfach beschrieben. So spart man sich die unseres Erachtens überteuerten Nachfüllpacks.


Unser Weg in den Norden

Während der Sommer ins Land zieht, fahren wir langsam aber stetig gen Norden. Das nördliche schwedische Lappland ist diesmal unser Ziel. 

Mit jedem Kilometer den wir Richtung Norden fahren, scheint auch die Anzahl an Campern abzunehmen. Wir stehen an fantastischen Plätzen, direkt am See in vollkommener Einsamkeit. Sehen teils tagelang keine Menschenseele. Für uns persönlich ja die Idealvorstellung von Vanlife. 

Denn wir können bewusst wählen, möchten wir Einsamkeit oder möchten wir Gemeinschaft. Letzteres genießen wir übrigens auch mehrfach, sind doch grade einige auch Langzeitvanlifer in Schweden unterwegs. So ergeben sich fantastische Gespräche mit Gleichgesinnten beim ein oder anderen Getränk und Lagerfeuer. 


Lappland – unser Ruhepol

Wir überqueren zum dritten Mal den Polarkreis. Für uns irgendwie jedes Mal ein besonderes Highlight. Die nächsten Tage haben wir also wieder die Titelmusik vom Film „Der Polarexpress“ durchgehend im Kopf. Genießen des karge Umfeld, die Ruhe und die Klarheit, die diese Landschaft für uns ausstrahlt. 

Besonderes Highlight sind natürlich auch jedes Mal die Rentiere. Kaum den Polarkreis überquert, scheint es mehr Rentiere als Einwohner zu geben. Anfang Juli sind viele zudem mit ihren Jungtieren unterwegs. Für uns ein fantastischer Anblick. Die Rentierfamilie die abends in fünf Meter Abstand zu uns gemütlich am Bus vorbei läuft, wird uns dabei immer in Erinnerung bleiben. Ein wahrer Marmeladenglasmoment.


Werden wir sesshaft?

Wir fühlen uns im Süden des schwedischen Lapplands wirklich heimisch. Haben seit langem das Gefühl, dass wir hier irgendwann eine Base schaffen könnten. Ein Ort an dem wir zwischen unseren Reisen wieder ankommen können. Ein Ort der nur uns gehört. An dem wir kein Gast sind. 

Wir sind, um ein Gefühl für den Immobilienmarkt zu bekommen, gelegentlich auf Blocket, dem schwedischen Bieterportal unterwegs. Finden aber meist nur wirklich höchst baufällige Häuser in unserem Budget. 

Wie üblich sind wir über Landstraßen unterwegs als wir mal wieder ein Maklerschild sehen. Ach das wärs, winziges Haus und zwei kleine Nebengebäude mitten im Nirgendwo in Mitten des eigenen Walds, ohne Nachbarn in Sichtweite, Straße mit Winterdienst in der Nähe aber kein Durchgangsverkehr. Ach, bestimmt eh viel zu teuer. 

Wir fahren weiter. Und als wir am nächsten Tag die Blocket-App öffnen, ist eben jenes Haus, das erste das uns angezeigt wird. Entgegen unserer Erwartungen voll in unserem Budget. Die Besichtigungstermine sind in ein paar Tagen. Sollen wir wirklich ein Haus anschauen? Ja warum denn eigentlich nicht. Was soll uns denn passieren. Nur so bekommen wir ja ein Gefühl für den lokalen Immobilienmarkt. 


Aber wir wollen ja in den Norden

Wir nutzen die Tage bis zum Besichtigungstermin und fahren ganz in den Norden des schwedischen Lapplands. Dort wollen wir an unserem zweiten Hochzeitstag wandern gehen. Zu einem kristallklaren Bergsee soll es gehen. 

Luna und Robin mit denen wir wenige Tage vorher zusammen standen, haben uns die Wanderung empfohlen. Bei den beiden war es zwar frisch aber mit herrlichem Sonnenschein. Sogar so, dass die beiden in den See hüpfen konnten. 

Als wir los laufen zeigt das Thermometer im Tal 7 Grad an, es regnet. Kaum ein paar Höhenmeter aufgestiegen, beginnt es dicke Flocken zu schneien. Die Temperaturen werden sich wohl um die 0 Grad Marke bewegen. Bald kommt noch ein eisiger Wind dazu. Wir sind dick eingepackt und trotzdem ist es nicht übertrieben warm. An ein Bad im Bergsee wie bei Luna, ist bei uns nicht zu denken. Wir genießen die Stille und trinken unseren heißen Tee unter einem Felsvorsprung während um uns herum ein Schneesturm tobt. 

Eine ganz besondere Stimmung. Schnee und Wintergefühle im Juli. Wie immer würden wir Wanderungen vor allem bei schlechter Witterung nur mit gutem Schuhwerk, warmer Kleidung und ausreichend Trittsicherheit empfehlen!


Zurück zum Haus

Wir schauen das Haus also wenige Tage später an. Und eins ist klar, es ist viel zu tun. Der Kamin ist undicht, die Dächer der Nebengebäude ebenso, ein Fenster im Saunahaus ist kaputt, die Wände sind teils mit hässlichem Fakeholz verkleidet, die Böden müssen erneuert werden. Dazu natürlich viele viele kosmetische Aufgaben und Bäume die gefällt werden müssen. 

Aber grundsätzlich alles Dinge die wir uns selbst zutrauen. 

Wir bieten also mit und am Ende sind wir Höchstbietende, der Verkäufer würde sich für uns entscheiden. Wir könnten den Kaufvertrag am Folgetag unterzeichnen. 

Und genau in dem Moment als unser Haus zum greifen nah ist, wird uns bewusst – wir sind noch nicht bereit. Ein Haus mit dem Renovierungsbedarf würde bedeuten, dass wir um es vorm Winter abzusichern, mindestens drei bis vier Monate in Nordschweden bleiben müsste. Ab Oktober kann dazu dort Schnee liegen, was die Arbeiten erschweren würde. 

Wir merken wir wollen gerade noch reisen. Wir sind nicht bereit uns auch nur für eine kurze Zeit an einen Ort zu binden. Unsere Herzen können gerade noch nicht ankommen. Wir sagen den Unterschriftstermin also ein bisschen wehmütig, vor allem befreit durch diese Erkenntnis, ab. 

Um unseren Reisedurst zu stillen, beschließen wir am nächsten Tag in Richtung Finnland weiter zu fahren. Schließlich wollen wir noch vor dem Winter in Georgien ankommen.


Eine Ode an das für uns schönste Land Skandinaviens 

Ach Schweden, wir hätten uns keinen besseren Ort vorstellen können um wieder in Europa anzukommen. Als wir von der Fähre rollen wissen wir sofort, wir sind zu Hause. Wie verrückt ein Land, in dem wir erst wenige Male waren, fühlt sich für uns gewohnt und vertraut, eben ein bisschen wie Zuhause, an. 

Wir fühlen uns geerdet in den lichten Wäldern voller Heidelbeeren. Wir fühlen uns frei während wir in den rotbraunen See hopsen oder mit dem SUP drüber gleiten. Wir fühlen uns geborgen zwischen all den roten Häuschen und Zimtschnecken. 

Auf dieser Reise haben wir zwei wichtige Learnings erfahren dürfen. Einerseits wissen wir nun, wir sind noch lange nicht fertig mit Reisen. Andererseits wollen wir irgendwann ein wirklich winzig kleines rotes Schwedenhäuschens irgendwo in der Ecke zwischen dem nördlichen Mittelschweden und dem südlichen Lappland. Das Häuschen soll unsere Reise-Base werden, nicht um dauerhaft wieder irgendwo zu leben. Wir freuen uns auf den Moment an dem wir bereit sind anzukommen. Genauso sehr freuen wir uns jetzt aber auch wieder aufzubrechen. 


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