Öffnet man Instagram und YouTube scheint es so als sei gerade die gesamte Vanlife-Szene zusätzlich zu den klassischen im Wohnmobil Überwinternden in Marokko. Man sieht Bilder von traumhaften Stellplätzen am Meer, einsamen Orten in der Wüste, verträumten Wildcampingspots unter Palmen und nahe der alten Königsstädte. Aber ist Wildcamping mit dem Wohnmobil, Kastenwagen, Zelt oder Dachzelt in Marokko möglich und überhaupt sicher


Was ist Wildcamping?

Mit dem Wohnmobil wildcampen 

Allen voran sollten wir eventuell erst einmal die Begriffe Wildcamping und Freistehen definieren. Unter Wildcamping wird das ausgelebte Campingverhalten ganz gleich ob mit dem Wohnmobil, Campervan, Microcamper, Dachzelt oder auch Zelt außerhalb eines etablierten Campingplatzes verstanden. Oft wird damit auch das Ausfahren der Markise, das Bilden von Wagenburgen sowie das Aufstellen der Campingstühle sowie Gartenzwerge verstanden. Und das ist in weiten Teilen Europas wie auch der Welt schlichtweg verboten. Selbst das Jedermannsrecht in Skandinavien bezieht sich an und für sich auf das Übernachten im Zelt. Das Nächtigen im Fahrzeug ist auch hier lediglich weitestgehend geduldet. Sprich selbst in Schweden, Norwegen und Finnland sollte man wie im Großteil Europas nicht wildcampen sondern entsprechend der Regeln geduldet freistehen.

Mit dem Camper freistehen

Freistehen bezeichnet hingegen das möglichst unauffällige und rücksichtsvolle Übernachten im Wohnmobil, Kastenwagen oder auch Microcamper. Hierbei wird auf Campingverhalten weitestgehend verzichtet. Dieses wird unserer Erfahrung nach in vielen Ländern und Regionen dieser Welt geduldet. Unsere Tipps für mehr Sicherheit beim Freistehen haben wir dir hier zusammen gefasst. 


Wildcamping trotz Camperboom

Corona Camping Boom und die Vanlife-Szene

Grade seit 2020 hat die Campingszene einen regelrechten Boom erlebt. 2020 wurden in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr immerhin 44,8% mehr Wohnmobile erstmalig zugelassen. Sucht man nach dem #vanlife auf Social Media werden einem unzählige, darunter auch deutschsprachige Accounts ausgespielt. Es gibt die Offroad-Fahrzeuge, die Expeditionsmobile, die Boho-DIY-Vans, die vollintegrierten Luxus-Wohnmobile und die kleinsten DIY Microcamper. Waren es vor wenigen Jahren noch die schrägen Vögel die es mit dem Campingmobil hinaus in die Welt zog, ist Camping unter dem Begriff Vanlife wieder populär geworden. 

Rückgang der kostengünstigen offiziellen Wohnmobil Stellplätze 

Leider hat die Camping-Infrastruktur nicht im gleichen Maß wie die campingbegeisterten Reisenden zugenommen. Ganz im Gegenteil, über die vergangen fünf Jahre konnten wir einen signifikanten Rückgang an kostenfreien und günstigen Wohnmobilstell- und naturnahen Campingplätzen miterleben. Resümierend zieht es noch mehr Camper*innen in die freie Natur, zum Wildcamping. Bevor du in dein erstes Camping-Abenteuer wagst, legen wir dir daher unseren Beitrag mit den Regeln zum Freistehen als auch deren Berücksichtigung an Herz. So bleibt Freistehen noch lange für alle Freiheitsliebenden möglich. „Camping Verboten“ Schilder gibt es einfach schon genug. 


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Wildcamping ist in Marokko verboten 

Wildcamping mit dem Camper, Kastenwagen oder Wohnmobil ist, wie in weiten Teilen der Welt, wohl auch in Marokko offiziell verboten. Unserer Erfahrung nach wird es aber grade in ländlichen Gebieten abseits touristischer Gegenden weitestgehend geduldet. 

Militär- und Polizeikontrollen beim Camping in Marokko 

Grade in der Nähe von Touristenhotspots, bei überfüllten Plätzen, an den Küsten sowie militärisch interessanten Punkten wird Polizei- und auch Militär Stellplätze gegebenenfalls räumen. Aber keine Angst. In der Regel erhält man Besuch von einer*m Polizisten*in oder einer*s Soldaten*in, welche*r mal mehr mal weniger offiziell aussieht. Diese*r wird einem mitteilen, dass man hier nicht stehen darf. Meist mit der Begründung, es sei nicht sicher für einen selbst. Dieser Besuch kann auch mitten in der Nacht stattfinden. Das ist natürlich super ärgerlich. Manchmal hat man Glück „auf eigene Gefahr“ stehen bleiben zu können oder den Platz erst am nächsten Morgen räumen zu müssen. 

Bleibe höflich – du bist Gast im fremden Land

Solltest du aufgefordert werden, den Platz zu verlassen, ist das natürlich erst einmal ärgerlich für dich. Denn du hast dich gegebenenfalls grade häuslich eingerichtet und es dir gemütlich gemacht. Aber vergiss nicht du bist zu Gast in diesem Land. Und da ist es ganz egal ob die*der Beamte*in offiziell aussieht oder ob es sich schlichtweg um eine*n Local handelt. Wenn man dir mitteilt du sollst dort nicht stehen, aus welchen Gründen auch immer, leistest du Folge. Wenn du nett und höflich bist, bekommst du eventuell doch eine Genehmigung. Sollte der Platz zum Beispiel wirklich nicht sicher sein, wird man dir keine Sondergenehmigung geben sondern dich dringlich drauf hinweisen sofort zu fahren.

Kein Campingverhalten beim Wildcamping in Marokko

Aus Rücksicht auf die Anwohner*innen sowie die Natur sollte man sich aber auch hier eher an den Regeln zum Freistehen orientieren. Auch wenn es hier meist völlig in Ordnung ist sich mit dem Stuhl vor das Fahrzeug zu setzen. Vielerorts wird die Duldung unseres Erachtens durch europäische Camper*innen überstrapaziert. Wir haben gesehen, wie Stellplätze abgesteckt wurden und Zäune aufgestellt wurden, wie sich Gruppen von zehn Vans zusammengestellt und so einen gesamten Parkplatz blockiert haben, wie die Müllsäcke nach der Abfahrt des Wohnmobils auf dem Parkplatz liegen blieben. Mit solch einem Verhalten wird auch in Marokko eine strengere Ahndung des Wildcampings nur eine Frage der Zeit sein. 


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Ist Wildcamping in Marokko sicher? 

Mit dem Wohnmobil nach Marokko – außerhalb der EU

Für viele Reisende mit dem Camper oder Wohnmobil wird Marokko das erste nicht europäische Reiseland sein. Das erste Mal in einer anderen Kultur als der eigenen. All die neuen Eindrücke können sich wirklich überwältigend anfühlen. Eine neue Kultur, viel Armut, noch mehr Straßentiere, andere Hygienestandards. Viele Reisende erleben in Marokko einen kleinen Kulturschock. Und dieser kann das eigene Sicherheitsgefühl erst einmal ganz schön destabilisieren. Denn was man nicht kennt, kann man schwer einschätzen. Und Situationen, Örtlich- und Begebenheiten, welche der Mensch nur schwer einschätzen kann, erscheinen ihm eher als gefährlich. 

Campingplätze in Marokko

Unser Ratschlag, im Besonderen wenn es dein erstes Mal außerhalb Europas mit dem Camper ist, gib dir die Zeit dich langsam zu akklimatisieren. Marokko ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Ziel zum Überwintern bei Senioren*innen vor allem aus Frankreich. Dementsprechend gibt es ein sehr gutes Netz an Campingplätzen. Diese bewegen sich zwar meist auf einem etwas niedrigeren als dem gewohnten europäischen Standard, geben einem für die ersten Nächte aber auf jeden Fall ein sicheres Gefühl um in Marokko anzukommen. Die Kosten für eine Nacht auf dem Campingplatz in Marokko belaufen sich meist auf circa 3 bis 15 Euro. Campingplätze sind also durchaus erschwinglich. 


Wildcamping in Marokko – unsere Erfahrung 

Erfahrung Sicherheit beim Camping in Marokko

Für uns war der Wechsel nach 2,5 Jahren als Vollzeitreisende von Van auf Dachzelt die größere Challenge für das persönliche Sicherheitsgefühl. In Marokko selbst haben wir uns stets sicher gefühlt. Dabei gilt wie überall auf der Welt der Ratschlag aufs Bauchgefühl zu hören. Fühlt sich einer von uns an einem Stellplatz nicht wohl, fahren wir weiter. Egal wie spät oder wie schön der Spot ist. In Marokko hatten wir dieses Gefühl weiter zu fahren zu müssen aber bis dato nie. 

Stellplatz nach der Fähre nach Tangier, Marokko

Wir empfanden Wildcamping in Marokko als eher entspannt. Da unsere Fähre Genua – Tangier erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit ankam, standen wir beispielsweise direkt auf dem Parkplatz einer Autobahn-Raststätte. In Europa meiden wir solche Plätze aufgrund des Einbruchsrisikos nach Möglichkeit. Aber in Marokko haben wir uns selbst hier sicher gefühlt und konnten am nächsten Tag sogar für 20 MAD die warmen LKW Fahrer*innen Duschen nutzen.

Wildcamping an der Atlantikküste in Marokko 

Wir prüfen hier meist in den bekannten Apps wie Park4Night oder iOverlander ob in der gewünschten Gegend von Diebstählen oder Militär- / Polizeikontrollen berichtet wird. Zwischen Tangier und Essaouira war dies häufig der Fall, daher empfanden wir es eher schwierig einen Platz für unseren Microcamper mit Dachzelt zu finden, der sich für uns sicher anfühlt. Es gab aber dennoch einige wirklich schöne Plätze. 

Zwischen Imsouane und Agadir wurde uns gelegentlich vom Diebstahl von Surf-Equipment berichtet. Hier empfiehlt es sich auf jeden Fall die Boards und Neos gegebenenfalls im Fahrzeug zu verstauen. 

Freistehen in Marokko ohne Wildcamping-Verhalten

Wer Lust hat an genialen Surfspots und in atemberaubenden Wüsten freizustehen, kann sich auf Marokko freuen. Wir hatten das Gefühl, dass insofern man sich an wichtige Grundregeln hält und stets nett und höflich ist in Marokko sehr gut freistehen kann. 

Händler*innen und bettelnde Kinder in Marokko

An vielen beliebten Spots kommen ab und an einheimische Verkäufer*innen vorbei und bieten Brot, Fisch, Nussmuss oder auch selbst gestrickte Mützen feil. Das können ältere Menschen aber auch kleine Kinder sein. Das kann sehr fordernd sein. Mit einem freundlichen nein, danke auf arabisch „la shukran“ kann man aber freundlich lächelnd anzeigen, dass man kein Kaufinteresse hat. 

Bettelnde Menschen häufig auch über einen Kaffee, ein Glas Wasser, Datteln oder sogar ein Essen. In unserem Empfinden ist dies oft die direktere Hilfe als ihnen Geld zu geben. Man darf nicht vergessen, dass egal mit wie wenig Reisebudget wir haben, wir Mitteleuropäer dennoch im Vergleich häufig sehr reich und vor allem privilegiert sind.

Dennoch sollte einem bewusst sein, dass beispielsweise grade Stifte, verschlossene europäische Schokolade und Hefte oft durch die Kinder oder deren Familien unter Umständen wieder verkauft und somit zu Geld gemacht werden. Es quasi einen kleinen Schwarzmarkt dafür gibt und dieses Geschenk im schlimmsten Fall sogar den Bildungschancen des Kindes schadet. Vielleicht wäre es eine Idee Stifte und Hefte direkt an die örtlichen Schulen zu spenden oder diese vor Ort Hilfsprojekten mit langfristiger Anwesenheit zu übergeben. Somit besteht eine höhere Chance das diese Spenden der Bildung der Kinder zu Gute kommen. Und das Betteln nicht zur lukrativen Geschäftsidee wird, wie wir es teilweise in anderen westafrikanischen Ländern erlebt haben.


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Unser Wildcamping in Marokko Resümee

Resümierend fanden wir es sehr angenehm in Marokko freizustehen, auch wenn wir ab und an weitere Distanzen zwischen den einzelnen Spots zurück legen mussten. Wir hatten nicht das Gefühl uns wie in weiten Teilen Europas verstecken zu müssen. Da wir mit einem Allradfahrzeug unterwegs sind, standen wir allerdings auch häufig abseits und einsam. Da unser Surfbrett gut zugänglich außen am Fahrzeug montiert ist, hatten wir es zusätzlich mit einem Schloss gesichert. Ob das im Zweifel etwas geholfen hätte, wer weiß das schon.

Wir hatten phänomenal schöne Stellplätze, tolle einsame Surfspots und durften super freundliche Marokkaner*innen kennen lernen. 

Wir haben dein Interesse geweckt und du würdest am liebsten direkt los fahren? Wundervoll. Damit du nichts wichtiges vergisst, haben wir dir eine Packliste zusammengefasst. Und solltest du noch ein wenig Bammel vor dem Freistehen haben, hier findest du unsere Tipps wie du ohne Angst sicher in der Natur über Nacht parken kannst. Und damit Freistehen in Marokko noch lange möglich bleibt, legen wir dir diesen wichtigen Beitrag wirklich ans Herz.

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Elias

    Sehr guter Erfahrungsbericht. Danke. Könnt ihr eure Wild Camping (4×4) Spot teilen oder mir zusenden? Wir nehmen wahrscheinlich auch die Fähre von Italien nach Marokko und wollen dann das Land erkunden. Wart ihr auch in der Näher zur Algerischen Grenze? Das ausländische Amt warnt ja eher vor der Region, aber ich denke das kann trotzdem ein Besuch wert sein oder?

    1. Jenni

      Die besten Stellplätze wollen doch selbst entdeckt werden – und grade wenn ihr mit dem 4×4 unterwegs seid gibt es hier ja nur wenige Erkundungsgrenzen. Wir waren tatsächlich noch nicht an der algerischen Grenze. Nur in der Westsahara, Mauretanien, Senegal … – Hört auf euer Bauchgefühl und fragt die Locals ob es momentan sicher für euch ist – das hat sich bei uns bisher immer bei Reisen in Gebiete mit (Teil-)Reisewarnung bewährt.