Richtige Winterbereifung für Wohnmobile, Campervans und Autos bis 3,5t

Die kalte Jahreszeit stellt mit schnell ändernden Straßenverhältnissen und niedrigen Temperaturen besondere Anforderungen an die Fahrzeugbereifung. Wenn die Tage kürzer werden ist es daher Zeit für den Wechsel von Sommer- auf spezielle Winterreifen für Wohnmobile und PKWs. Der richtige Winterreifen ist besonders wichtig um auch bei niedrigen Temperaturen, Matsch, Schnee und Eis sicher mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein. Doch woran erkennt man einen „echten“ Winterreifen und worauf muss man beim Kauf der Winterbereifung für das Wohnmobil oder den Camper bis 3,5 t achten? 

Hinweis: Dieser Artikel wurde sorgfältig recherchiert und bezieht sich besten Wissens nach auf die zum Veröffentlichungszeitpunkt bekannte Rechtslage in Deutschland. Der Beitrag bietet eine kurze Übersicht. Juristisch verbindlich ist jedoch immer die gültige StVZO des entsprechenden Landes sowie die entsprechende aktuelle Rechtsprechung. 


Das Alpine-Symbol, Schneeflocken-Symbol oder auch 3PMSF-Symbol auf Winterreifen für Wohnmobile und PKWs

Nur „echte“ Winterreifen sind für die kalte Jahreszeit geeignet. Winterreifen weisen meist das Alpine-Symbol auf der Reifenflanke auf. Seit Mitte 2017 gilt das geschützte Alpine-Symbol, auch Schneeflocken-Symbol, 3PMSF-Symbol, Bergpiktogramm mit Schneeflocke genannt, als offizielle Kennzeichnung für echte Winterreifen in Europa. Ausschließlich Fahrzeugreifen mit dieser Kennzeichnung sind in Deutschland als Winterreifen zugelassen. Nur Reifen die vorgeschriebene Tests bei winterlichen Straßenverhältnissen bestehen, dürfen in Europa vom Hersteller mit dem Schneeflocken-Symbol gekennzeichnet werden.


M+S oder M&S Reifen statt winterreifen?

Einige wenige Reifen mit der Kennzeichnung M+S beziehungsweise M&S, Matsch und Schnee beziehungsweise mud and snow Reifen sind innerhalb der Übergangsfrist bis 30.09.2024 in Deutschland noch als Winterreifen zulässig. Diese Übergangsfrist für M&S Reifen gilt für Reifen die vor dem 01 Januar 2018 hergestellt wurden. 

Winterreifen die nach 2017, ab DOT 0118 hergestellt wurden, müssen gemäß §36 StVZO auch mit dem Alpine-Symbol gekennzeichnet sein. Zusätzlich können diese zwar noch mit dem M+S beziehungsweise M&S Symbol gekennzeichnet sein. Eine Zulassung als Winterreifen liegt ab DOT 0118 allerdings nur vor wenn auch das Alpine-Sympol auf dem Reifen vermerkt ist. 

Hinweis: Die M+S Kennzeichnung auf Fahrzeugreigen ist rechtlich nicht geschützt und kann daher auch ohne entsprechende Tests auf Reifen aufgebracht werden. Nur Reifen mir Alpine-Symbol müssen die vorgeschriebenen Tests bestehen.


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Unterschied zwischen Sommer- und Winterreifen

Winterreifen sind speziell für winterliche Straßenverhältnisse angepasste Reifen. Die Winterbereifung weist ein für die Straßenverhältnisse optimiertes Reifenprofil auf und besteht einer auf die Temperaturen angepassten Gummimischung. 

Die Mischung macht den Unterschied

Um bei geringen Temperaturen, Schnee, Matsch oder Eis eine optimale Bodenhaftung zu erreichen, sollte der Reifen im Bereich der Laufflächen aus einer kälteoptimierten Gummimischung hergestellt sein. Bei speziellen Winterreifen bleibt die Gummimischung auch bei niedrigen Temperaturen weich und elastisch. Hierdurch bietet das Profil auch bei Schnee und Eis eine optimale Bodenhaftung. Die Gummimischung eines klassischen Sommerreifens kann bei winterlichen Temperaturen sehr hart werden, wodurch sich die Haftung auf der Straße stark verringert. 

Das Profil der Lauffläche bei Winterreifen für Wohnmobile und Autos

Winterreifen haben zudem ein spezielles für Schnee und Eis angepasstes Profil. Durch die spezielle Profilform und den kleinen Lamellen, können sich Winterreifen, im Gegensatz zu Sommerreifen, regelrecht in den Schnee verzahnen. Zudem haben Winterreifen meist ein höheres Profil als Sommerreifen. Durch diese spezielle Bauform wird das Anfahren, Stabilisieren und Bremsen bei winterlichen Straßenverhältnissen verbessert. Durch dieses auf winterliche Straßenverhältnisse optimierte Profil, tritt meist auch ein im Vergleich zum Sommerreifen lauteres Abrollgeräusch auf. 

Winterliche Straßenverhältnisse bedeuten in Mitteleuropa nicht zwingend Schnee und Eis sondern häufig auch Matsch und auf der Straße stehendes Wasser. Durch die spezielle Profilform hochwertiger Winterreifen wird ebenfalls das Risiko von Aquaplaning reduziert. Der beim Abrollen entstehende Wasserkeil unter dem Reifen wird durch die nach außen leitende Profilstruktur auf die Seite des Reifens geleitet. 


Was muss beim Reifenwechsel beachtet werden?

Vor dem Wechsel auf bereits ein oder mehrere Saison gefahrene Winterreifen sollte stets der Zustand der Reifen begutachtet und die Profiltiefe gemessen werden. Gemäß §36 StVZO ist in Deutschland eine Profiltiefe von mindestens 1,6 mm im Hauptprofil vorgeschrieben. Aufgrund der im Fertigungsprozess verwendeten Materialien sowie des geringeren Profils kann die Fahrleistung bereits ab einer Profiltiefe von 3 bis 4 mm abnehmen. Daher empfiehlt es sich den Winterreifen spätestens ab einer Profiltiefe von circa 4 mm zu erneuern. 

An welcher Stelle die Reifentiefe am besten gemessen werden kann, erfährst du in unserem Artikel zu Reifenkennzeichnung.

Autoreifen selbst wechseln – DIY Winterreifenwechsel

Wer den Reifenwechsel selbst vornimmt kann pro Saison circa 20 bis 40 Euro sparen. Doch ein lockeres Rad stellt einen hohes Sicherheitsrisiko für sich selbst wie auch weitere Verkehrsteilnehmer dar. Daher ist wichtig, dass beim Reifenwechsel mit der höchsten Sorgfalt gearbeitet werden muss. Bei der geringsten Unsicherheit sollte man stets eine spezielle Fachwerkstatt aufsuchen. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich diese 20 bis 40 Euro für den Reifenwechsel sinnvoll in die Sicherheit zu investieren. 

Bei der eigenverantwortlichen Selbsteinschätzung ob der Wechsel auf Winterreifen selbst durchgeführt werden kann, ist auch zu beachten dass Reifen im Besonderen bei Wohnmobilen, Transportern, Kastenwägen, Geländewagen und SUVs ein hohes Eigengewicht haben. Dieses erschwert ohne entsprechendes Werkzeug selbstredend die Montage. 

Bei der Reifenmonate müssen alle Herstellervorgaben beachtet werden. Der Reifenwechsel kann bei Stahlfelgen, wenn vorhanden, mit dem entsprechenden Bordwerkzeug durchgeführt werden. Einfacher geht es mit hochwertigem Werkzeug. Egal ob es sich um Aluminium oder Stahlfelgen handelt, die Radbolzen oder Radmuttern müssen immer mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen und kontrolliert werden. Dies gilt übrigens auch wenn man die Reifen bei einer Fachwerkstatt wechseln lässt.


Flo’s Werkzeugempfehlung – Werkzeug für den Reifenwechsel beim eigenen Auto oder Wohnmobil

Mit dem richtigen Werkzeug arbeitet es sich einfacher und schneller:

Wer nach dem Reifenwechsel zum Kontrollieren des Reifendrucks nicht extra zur Tankstelle fahren möchte, kann den Druck natürlich auch Zuhause mit einem Kompressor oder einem speziellen 12V Kompressor* prüfen. Die Radbolzen / Radmuttern sollten nach circa 50 km kontrolliert beziehungsweise nachgezogen werden. Bei Reifen mit Reifendruck-Kontroll-System müssen unter Umständen weitere Punkte beachtet werden. Gegebenenfalls muss das System nach dem Reifenwechsel neu kalibriert werden. Hier sind die Herstellerangaben des Fahrzeugs zu berücksichtigen. 


Gesetzliche Bestimmungen zur Winterreifen-Pflicht in Deutschland – Die situative Winterreifen-Pflicht

Die aktuelle Winterreifen-Pflicht nach §36 StVZO bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte und Reifglätte besteht in Deutschland seit 2010. Im Gegensatz zu manchen anderen europäischen Ländern gibt es gemäß der Norm keinen definierten Zeitraum für die Winterreifen-Pflicht. Winterreifen sind in Deutschland immer dann vorgesehen wenn winterliche Wetterverhältnisse vorherrschen.


Wann sollte auf Winterreifen gewechselt werden?

Wie voran geschildert gibt es in Deutschland keinen gesetzlich definierten Stichtag an welchem Winterreifen spätestens zu montieren sind. Vielmehr wird in Deutschland von der situativen Winterreifen-Pflicht gesprochen. Winterbereifung wird nach Region meist von Mitte Oktober bis Ostern empfohlen. 

Der Wechsel von Winterreifen auf Sommerreifen ist erst dann sinnvoll wenn nicht mehr mit Schnee, Matsch und Eis auf der Fahrbahn zu rechnen ist. Durch die spezielle Winter-Gummimischung haben Winterreifen im Sommer meist einen höheren Reifenverschleiß und bei warmen Temperaturen zum Teil schlechtere Fahreigenschaften als vergleichbare Sommerreifen.


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Ganzjahresreifen oder Allwetterreifen statt Winterreifen?

Ein Allwetter- oder auch Ganzjahresreifen ist ein Kompromiss zwischen Sommer- und Winterreifen. Er weist bei kalten Temperaturen eine bessere Fahreigenschaft auf als ein klassischer Sommerreifen, ist aber aufgrund Profilstruktur sowie Materialzusammensetzung nicht mit einem echten Winterreifen vergleichbar. Allwetterreifen sind aus unserer Sicht nur dann eine Alternative insofern das Fahrzeug nur bewegt wird wenn keine winterlichen Straßenverhältnisse zu erwarten sind. Interessant ist dieser beispielsweise für PKWs, Oldtimer und Campingfahrzeuge welche über die Wintermonate abgestellt werden. Oder auch für Campingfahrzeuge und Wohnmobile welche über die kalte Jahreszeit in wärmere Gefilde zum Überwintern fahren. 

Solltest du dennoch einen Allwetterreifen im Winter fahren wollen, achte bei winterlichen Straßenverhältnissen darauf das er auch das Schneeflocken-Symbol und nicht nur das M+S oder M&S Symbol aufweist. Ansonsten ist er abhängig vom Produktionsdatum eventuell in Deutschland nicht mehr als adäquate Winterbereifung zugelassen. 


Festgefahren – Was machen wenn man trotz Winterreifen nicht mehr vom Fleck kommt?

Natürlich kann es trotz hervorragender Winterbereifung vorkommen, dass man sich einmal festfährt. Was dann zu tun ist, ist immer situationsabhängig zu entscheiden. In vielen Fällen hilft es schon die Fußmatte aus dem Fußraum unter das durchdrehende Rad zu legen damit die Reifen wieder greifen. Solltest du noch eine alte ausrangierte Fußmatte haben, empfiehlt es sich diese für solche Fälle in den Kofferraum zu legen. Insbesondere Gummimatten mit Profil auf der Oberseite eignen sich hervorragend, textile Matten können schon einmal durch gescheuert werden. Eine weitere einfache Alternative ist das Verteilen von Split, Kies, Sand oder Erde auf der glatten Stelle. 

Benötigt man mehr Traktion über eine längere Strecke, kann man spezielle Matsch- und Schneeketten* verwenden. Diese haben wir immer dabei, auch im Sommer. Schneeketten sind entgegen des Namens auch ein hervorragendes Bergungstool in Matsch oder auf nassen und schlammigen Untergründen. Hinweis: Übe die Montage im Trockenen und ohne Eile. So kannst du auch im Ernstfall stressfrei die Ketten aufziehen auch wenn du dich grade im Funkloch befindest und nicht einfach mal eben ein YouTube Video ansehen kannst. Mit diesen hochwertigen Ketten* haben wir eine sehr gute Erfahrung gemacht.

Hinweis zu den Schneeketten: Je nach Fahrzeug und Bereifung müssen die Ketten für das Fahrzeug als auch zur Bereifung passen.

Du interessierst dich im Allgemeinen für Reifen und ihre Kennzeichnungen oder möchtest mehr Technik-Talk, hier haben wir viele weitere spannende Themen für dich. Du hast Lust dem kalten Winter ein wenig zu entfliehen, schau doch bei unseren Reiseberichten vorbei und träum dich mit uns in die Sonne.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Einbeckercamper

    Sehr gut 👍