Georgien mit dem Wohnmobil entdecken

Georgien war immer ein heimliches Etappenziel. Schon auf unserer ursprünglich angedachten Route auf dem Hippietrail über den Landweg nach Indien war ein kleiner Abstecher nach Georgien mit dem Wohnmobil immer eingeplant. Auch wenn wir ursprünglich davon ausgingen, dass wir circa ein Jahr früher dort sind. Aber besser ein Jahr später als nie – dann gucken wir doch mal was das Vanlife in Georgien so kann.

Als wir mit unserem Campervan über die türkisch / georgische Grenze rollen, ist es als ob wir ein Ziel einer langen Reise erreichen. Wir können unser Glück nun endlich in Georgien zu sein kaum fassen. Und das obwohl es schüttet als hätte der Himmel alle verfügbaren Schleusen geöffnet und das Wasser teils 40cm hoch auf den Straßen Batumis steht. 

Wir sind in Georgien mit dem Wohnmobil. In Vorderasien. Ist das nicht unglaublich?


mit dem Wohnmobil nach georgien – das solltest du wissen

Fähre oder Landweg

Als wir uns in Finnland für das nächste Zwischenziel Georgien entscheiden, stehen für uns zwei Routen zur Wahl. Die Fähre ab Bulgarien über das schwarze Meer oder die Landroute über die Nordtürkei. 

Die Fähre Bulgarien – Georgien soll ein eigenes Abenteuer für sich sein. Die Abfahrtsdaten verschieben sich wohl gerne mal spontan um eine Woche, die Verpflegung ist sehr rudimentär, der Ausstattungsstandard spartanisch. Eben weniger auf Reisende ausgelegt. Der Anteil alkoholisierter Fernfahrer soll dafür hoch sein. Ein Abenteuer aber eben auch ein besonderes Erlebnis. Und man spart sich die gut 2000 km mit dem Camper durch die Nordtürkei. Zu den für uns relevanten Daten fährt nur ein Fährunternehmen. Bedingt durch Angebot und Nachfrage ist der Preis dementsprechend hoch. 

Andere Reisende berichten zudem von Schwierigkeiten, da bedingt durch die sehr varianten Abfahrtzeiten- und Daten, der für die Einreise nach Georgien nötige PCR-Test bereits bei Ankunft im Hafen abgelaufen war. Dieser ist aber zum Zeitpunkt des geplanten Grenzübertritts zwingend nötig um nach Georgien einreisen zu können. 

Das Abenteuer Fähre heben wir uns also für ein andermal auf und entscheiden uns für den „entspannteren“ Weg mit dem Van über die Nordtürkei. 

Einreise Türkei / Georgien mit dem Wohnmobil

Die zum Reisezeitpunkt im Oktober 2021 einzige für den Passagierverkehr geöffnete Landgrenze ist die Grenze bei Batumi, Georgien am Schwarzen Meer. 

Die Aus- & Einreisemodalitäten werden von beiden Seiten zügig abgewickelt. Lediglich im Niemandsland staut es sich ein wenig. Wir können zur Grenzkontrolle im Rahmen der Einreise nach Georgien beide im Wohnmobil sitzen bleiben. Regulär muss der Beifahrer über die Fußgänger-Grenze laufen. Auch die Fahrzeug-Zoll-Kontrolle verläuft sehr zügig, einmal hinten aufmachen und weiter fahren. Eventuell ist das sehr unkomplizierte Prozedere aber auch dem wirklich grauseligen Regenwetter geschuldet, sodass sich keiner unnötig lange im Freien aufhalten möchte.

Eine Einreise nach Georgien als deutscher Staatsbürger mit einem nicht georgischen Wohnmobil ist auf dem Landweg für maximal 90 Tage möglich. Für die Einreise werden neben den nötigen C-Dokumenten lediglich die Pässe, der Führer- als auch der Fahrzeugschein benötigt. 

KFZ-Versicherung für deinen Camper in Georgien

In der Regel decken deutsche KFZ-Versicherungen Georgien nicht ab. Daher wird eine gesonderte KFZ-Versicherung benötigt. Diese kann entweder vorab online oder direkt vor Ort abgeschlossen werden. Das offizielle Büro befindet sich am Grenzübergang Batumi einige Kilometer hinter der eigentlichen Grenze. Die Kosten sind hierbei staatlich festgelegt. Wir haben von anderen Reisenden mitbekommen, dass im Büro vor Ort hinter der Grenze manchmal „Aufschläge“ erhoben werden. Der offizielle Preis kann der voran genannten Homepage je nach Fahrzeugtyp entnommen werden, nur dieser muss bezahlt werden.

Wir haben die Versicherung vorab online über die offizielle Website in englischer Sprache abgeschlossen. Dies hat uns umgerechnet für 30 Tage circa 13 EUR gekostet. Unser Sonder-KFZ Wohnmobil war hier übrigens ein „special vehicle“.

Mobilfunk & Daten-Simkarte

Die Kosten für Mobilfunk und mobiles Internet in Georgien sind wirklich erschwinglich. Für unter umgerechnet 10 EUR bekommt man eine Prepaidkarte mit unbegrenztem Datenvolumen. Die Anbieter Magti und Beeline bieten dabei sogar eine recht solide Netzabdeckung. 

Wildcampen mit dem Wohnmobil in Georgien 

Ja, wildcampen ist in Georgien grundsätzlich erlaubt. Und wird auch von den Einheimischen weitestgehend geduldet. Selbstverständlich sollte man sich dabei wie gewohnt an die Benimmregeln fürs Freistehen halten. Vor allem damit wildcampend auch künftig legal bleibt, sollte man natürlich Anstand und Nachsicht walten lassen. Vanlife in Georgien macht also doppelt Spaß, denn wirklich verstecken muss man sich hier mit seinem Campervan nicht.

Geographie & Historie 

Georgien war lang Teil der ehemaligen Sowjetunion. Und das ist bist heute sicht- aber vor allem auch spürbar. Weite Teile des Landes sind bis heute von einem Post-Sowjetcharme geprägt. Viele Menschen sprechen darüber hinaus besser russisch als englisch. 

Georgien bildet die kulturelle Brücke zwischen Europa und Asien. Gelegen am schwarzen Meer zwischen Armenien, Aserbaidschan, Russland und der Türkei sind die Einflüsse der unterschiedlichen Kulturen regional stark zu spüren. 

Bis auf eine zentrale Tiefebene ist Georgien ein Gebirgsland und weist Gipfel mit über 5000hm Höhe (Schchara (georgisch შხარა) 5201hm) auf. Wer gerne hochalpin unterwegs ist, wird also Freude haben. Die Höhenlagen bedeuten aber auch, dass es früh im Jahr kalt wird und eventuell Bergpässe nicht mehr passierbar sind. Wir waren im Oktober / November dort und konnten bereits nicht mehr alle Straßen fahren. Anfang Oktober hatten wir in Swanetien bereits Nachtemperaturen von -10 Grad. Dies solltest du eventuell bei deiner Reiseplanung berücksichtigen. Georgien mit dem Wohnmobil ist außer für Skifahrer und Winterfreunde eher ein Sommervergnügen.


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Georgien mit dem Wohnmobil – erste Eindrücke

Batumi im Regen 

Wir fahren über die türkisch / georgische Grenze und es regnet. Gut eigentlich ist Regen keine passende Beschreibung für diesen monsunartigen und tagelang andauernden Wolkenbruch. Verlässt man das Fahrzeug ist man binnen Sekunden nass bis auf die Haut. Jeder Camper weiß so macht Vanlife nicht wirklich Spaß, auch nicht in Georgien.

Selbst Batumi als zweitgrößte Stadt Georgiens verfügt über kein richtiges Abwassersystem, wie man dies in Zentraleuropa gewohnt ist. Dementsprechend hoch steht das Wasser auf den Straßen. Wir sehen immer wieder Feuerwehr- und Tankwagen, welche versuchen die Erdgeschosswohnungen und Kellerräume leer zu pumpen. Polizisten die kniehoch im Wasser stehen, versuchen den chaotischen Verkehr zu regeln. Komplett vom Wetter unbeeindruckte Georgen waten ohne Regenschirm oder Regenjacke in weißen Sommersneakers unbeeindruckt durchs Wasser. Man lernt wie die Georgen den Müll im Vorbeifahren in die überall verfügbaren Mülltonnen zu werfen. Hauptsache nicht aussteigen.

Asiatischer Verkehr

Als wir in der Türkei ankamen, wurden wir immer wieder darauf hingewiesen wir seien nun in Asien und der Verkehr sei dementsprechend. 

Eventuell abgehärtet durch den morgendlichen Berufsverkehr auf dem Frankfurter Ring in München, empfinden wir den türkischen Verkehr als meist sehr entspannt. Selbstverständlich sollte man spätestens hier sein deutsches Normempfinden gegen ein schmackhaften Cig Köfte eintauschen. 

Als wir die ersten Minuten durchs überschwemmte Batumi fahren, merken wir für uns. Yes, JETZT sind wir in Asien. Allerdings entspannt sich der Verkehr schon kurz hinter Batumi wieder und wird erst wieder in Tiflis erneut interessant. Eventuell passt sich aber auch einfach unterwegs schon unser Empfinden an. 

Über die Fahrzeuge ohne Front- und Heckschürze mit an den Kühler genieteten Kennzeichen wundern wir uns allerdings noch länger. Als wir aber bei schlechtem Wetter eine Schlammpiste mit unserem 2WD Kastenwagen entlang fahren und der kleine Kia vor uns mit Vollgas drüber jagt, um nicht erneut stecken zu bleiben, sehen wir warum. Stehen die locker mit Kabelbindern fixierten Anbauteile doch regelmäßig im 90 Grad Winkel ab. Nun ist uns auch klar, dass es sich bei den fehlenden Anbauteilen lediglich um ein umgebungsangepasstes Fahrzeugdesign handelt. 

Vorsicht Tiere auf der Fahrbahn

Während diese Meldung „Vorsicht Tiere auf der Fahrbahn“ im deutschen Verkehrsfunk teils sogar eine Vollsperrung der entsprechenden Route bedeutet, grasen hier Georgien gemütlich die Kühe auf dem Mittelstreifen der Autobahn. Schweine, Ziegen, Schafe, Hunde, Katzen, Hühner und eben Kühe gehen hier gemütlich auf der Straße spazieren. Meist ohne das weit und breit ein Hirte zu sehen wäre. 

Kein Grund für Aufregung. Man gewöhnt sich auch recht schnell dran, dass man sich die Fahrbahn vor allem um Dörfer herum eben meist mit Tieren teilt. Vermutlich wäre hier in Georgien eher die Meldung „Keine Tiere auf der Fahrbahn“ verwunderlich. Man sollte also durchaus die nötige Vorsicht walten lassen und nicht zu waghalsig mit dem Wohnmobil um die Kurve düsen.


Heiße Quellen Entdecken

Flo japst fast vor Freunde als seine Standard Google-Anfrage „hot springs / heiße Quellen / Thermalquellen“ sogar mehrere Treffer liefert. Und dann liegen die ersten auch noch auf dem Weg nach Tiflis zu unseren Freunden. Klar ist, das wird unser nächster Übernachtungsplatz. 

Also holpern wir die letzten Kilometer über eine wirklich schlaglochreiche Piste. Der Starkregen der letzten Tage hat diese auch sichtbar nicht besser gemacht. Aber der Weg soll sich lohnen. Wir stehen auf einer Wiese direkt zwischen den heißen Quellen und einem wilden Fluss. Morgens grasen die Kühe um unseren Camper während wir in den badewannenwarmen Becken dümpeln und die schneebedeckten Gipfel um uns herum bewundern. Für uns ein besonderes Georgien Highlight.

Das Wasser ist stark schwefelhaltig. Was wohl sehr gesundheitsfördernd sein soll, bedeutet leider auch, dass man hinterher stinkt wie ein faules Ei. In unserem Fall bedeutet es vor allem, dass wir uns nach der traumhaft warmen Quelle auch wieder kalt duschen müssen. Haben wir doch zu diesem Zeitpunkt noch kein Warmwasser im Bus.


Tiflis – ein Citytrip

Warum wir so direkt nach Tiflis fahren? 

Wir sind mit Sarah und Finn von pidivan in Tiflis verabredet. Da der Camper der beiden derzeit in der Werkstatt mit einem Kupplungsschaden steht, fliegen uns die beiden kurzentschlossen nach Georgien nach. Nachdem wir es bisher seit Italien 2018 nicht mehr geschafft haben, mit den Vans am gleichen Ort zu stehen, wollen wir nun endlich gemeinsam roadtrippen. 

Der Plan ist es das die beiden mit dem Zelt mit uns mitreisen. Über die nötige Campinginfrastruktur für vier Personen verfügen wir in unserem DIY Camper ja locker. Die Freude ist also riesig als wir die beiden vor ihrem Hotel einsammeln.  Es fühlt sich so surreal an, nun endlich wieder gemeinsam unterwegs zu sein. In Tiflis. In Georgien.

Wir tauschen den Bus gegen ein AirBnB

Wir nehmen uns für die ersten Tage ein AirBnB um Tiflis zu erkunden.  Die Waschmaschine und die heiße Dusche sind natürlich nette Nebeneffekte. 

Am ersten Tag in Tiflis wartet noch eine weiteres spannendes Erlebnis auf Jenni. Ein Tattoo-Termin. Es ist mal wieder an der Zeit einen Teil dieser Reise auf der Haut zu dokumentieren.

Roadtrip durch Georgien

Wir genießen die gemeinsame Zeit mit Sarah und Finn sehr, eventuell lassen wir auch den ein oder anderen Sektkorken knallen. Leider erwischt es den armen Finn schon am zweiten Tag in Georgien so richtig. Und dann auch noch mit der beim Camping undankbarsten Erkrankung, Magen-Darm. An Tag vier ziehen wir zwei erst einmal zurück in den Camper, während Sarah und Finn krankheitsbedingt das nächste AirBnB mieten. Noch sind wir guter Hoffnung, dass die beiden bald nachkommen können. Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen. Sarah und Finn werden die nächsten 14 Tage etliche AirBnBs in Tiflis testen, die erhoffte rasche Besserung bleibt leider aus. Unser gemeinsamer Vanlife Georgien Roadtrip fällt somit leider ins Wasser.

Aber manchmal hilft eben nur gnadenlose Akzeptanz – wie Sarah sagen würde. Und wir wissen, heute ist nicht aller Tage Abend.

Sightseeing in Tiflis 

Wir sind grundsätzlich nicht so die Menschen die von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit eilen, sondern lassen uns viel lieber durch das Gewusel von Städten treiben. Versuchen den Vibe einzufangen, gehen Kaffee trinken und stöbern durch Second-Hand-Shops

So auch in Tiflis. Tiflis erinnert mit seinen monumentalen Bauten und Boulevards, der internationalen Café- und Restaurantszene, den kleinen Hipstershops und den großen Fast Fashion Ketten an eine zentraleuropäische Städte wie München, Warschau, Tallinn oder Prag. 

Wir fühlen uns pudelwohl in Tiflis, genießen es trotz Mistwetter durch die Stadt zu schlendern. Essen kiloweise Falafel und endlich mal wieder thailändisch. Einzig die vorab hoch angepriesenen Second-Hand-Shops überzeugen uns als alte Tandler und Vintageliebhaber nicht über die Maßen. 

Du würdest jetzt auch am liebsten deinen Camper packen und los fahren nach Georgien, dann freu dich schon auf Teil 2 unseres Reiseberichts. Es gibt noch so viel in Georgien zu entdecken.

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