Grenze Nord Irak / Iran am Grenzübergang Bashmaq

Im nachfolgenden Artikel beschreiben wir dir ausführlich das Prozedere zum Übertritt an der Grenze Nord Irak / Iran am Grenzübergang Bashmaq mit dem eigenen Wohnmobil. Solltest du anschließend noch weitere Fragen haben, meld dich gerne über unser Kontaktformular oder per Direktnachricht über Instagram.  

Disclaimer – Wir schildern in diesem Beitrag lediglich unsere individuelle Erfahrung, Stand April 2022. Der Artikel erhebt kein Anspruch auf Vollständig- oder Korrektheit. Bitte prüfe kurzfristig stets die derzeitig gültigen Einreisebestimmungen.


Ausreise aus der Autonomen Region Kurdistan, Irak

  • Prüfung auf Verkehrsdelikte – aus der Richtung Sulaymaniyah kommend ist das erste Gebäude auf der rechten Seite die Verkehrspolizei. Rechts gibt es in dem weiß-blauen Gebäude ein Fenster, hier klopfen. Insofern noch offene Strafzettel vorliegen, wären diese hier zu begleichen.
  • Ausfuhr des Fahrzeugs – auf der gegenüberliegenden Seite ein Stückchen in Richtung Iran sieht man ein grünes Gebäude. Hier geht man entweder im Erdgeschoss den linken Gang ganz noch hinten und klopf an der letzten Tür links vor dem Bad oder klopf von außen an das entsprechende Fenster. Insofern man das Land über eine andere Grenze als bei der Einreise verlässt, wird eine Gebühr von 38.000 IQD erhoben. Diese ist nur zahlbar in IQD in bar. Der letzte Visa ATM ist in Sulaymaniyah. An der Grenze gibt es keine Wechselmöglichkeit.
  • Ausreise Passkontrolle – in der Querstraße auf der rechten Seite findet man ein hellgelbes Gebäude. Im Innenhof sieht man ein weißes Schild mit grüner Aufschrift „Exit“. Hier erhält man den Ausreisestempel in den Pass. Zur Ausreise benötigst du das gültige Iranvisum. 
  • Direkt vor der eigentlichen Grenze in den Iran sitzen mehrere Militärs mit Stühlen auf der Straße. Sollte man versuchen vorbei zu fahren, wird man wild gestikulierend und rufend aufgehalten. Keine Sorge, dass du den Posten verpassen könntest. Hier erfolgt ein letzter Zoll- und Fahrzeugcheck. Bei uns wollten die Grenzmitarbeiter lediglich einmal zur Seite rein gucken. 

Einreise in die Islamische Republik Iran

Im Gegensatz zur Einreise in den Iran erfolgt der Großteil des Prozedere hier in einem Gebäude. Dieses befindet sich direkt hinter der Grenze und kann kaum verfehlt werden. 

Einreise als Person

  • Covid-Check – noch vor dem eigentlichen Eingang wird der Impfnachweis geprüft. Obwohl in unserem Fall offiziell noch ein zusätzlicher PCR Test verlangt wird, werden wir nicht danach gefragt. Auch der Blick ins gelbe WHO Impfbuch scheint eher Formalie, da nicht einmal die richtige Seite aufgeblättert wird. (Hinweis: seit 01.06.22 ist wohl auch wieder die Einreise nur mit einem PCR Test oder der Impfung möglich. Informiere dich stets eigenständig über die derzeit geltenden C-Einreisebestimmungen)
  • Passkontrolle – wie am Flughafen werden hier lediglich Visa und Pässe vorgelegt. Nach wenigen Minuten erhalten wir den Einreisestempel in den Pass. 
  • Befragung – direkt hinter der Passkontrolle steht ein schwerer alter Schreibtisch, der Immigration Beauftragte stellt uns einige Fragen zu unserem Job, Beziehungsstatus, Vorhandensein von Kindern, unserer Reiseroute sowie wo wir die erste Nacht verbringen möchten. Wir geben die Reiseroute analog Visumantrag an und nennen das im Antrag angegebene Hotel. Eine Reservierungsbestätigung wird in unserem Fall nicht nachgefragt.

Einfuhr des Wohnmobils in den Iran

  • Zoll – hinterm Schreibtisch links sieht man ein Schild „Customs“. Zur Einreise wird die Carnet de Passage benötigt. Da es sich eher um eine LKW und Fußgängergrenze handelt, hat man hier allerdings nicht wirklich Erfahrung mit der Abwicklung. Englische Sprachkenntnisse sind wenn überhaupt nur extrem rudimentär vorhanden. Die irakische Sim-Karte funktioniert hier allerdings noch, so kann man GoogleTranslate englisch-persisch nutzen. Im Zollbüro hängt ein Zettel auf englisch. Dieser weist aus, dass Fahrzeuge mit einer Verweildauer von mehr als 10 Tagen ein iransches Kennzeichen benötigen. Um 15:45 hat die örtliche Polizei, welche die Kennzeichen ausstellt, allerdings schon zu. Da wir selbst ja bereits erfolgreich eingereist sind, könnten wir mit dem Taxi in die nächste Stadt fahren um dort ins Hotel zu gehen. Alternativ besteht die Möglichkeit ein Schreiben zu erhalten, dass man ohne Kennzeichen 10 Tage lang unterwegs sein darf. In dem Fall muss man aber wieder zur Grenze Bashmaq zurück kommen. Variante 3 man bietet uns an einfach im Fahrzeug vor der Tür zu schlafen. Es gibt Toiletten und Wasser. Wir entscheiden uns dafür einfachheitshalber im Camper zu bleiben und die erste Nacht im Niemandsland zu verbringen. 
  • Fahrzeugkontrolle light – als wir uns für Variante 3 entscheiden, kommen die Grenzbeamten mit raus und unterziehen unseren Camper der ersten Fahrzeugkontrolle. Es werden drei Schubladen aufgezogen und unsere Zeitschriften interessiert angeguckt. Das wars, keine Frage nach Alkohol, Drogen oder Schweinefleisch. 

SIM Karte und Geldwechsel an der Grenze Nord Irak / Iran Bashmaq

  • Direkt hinter dem Grenzgebäude in Richtung Iran ist die „Bank“. Bei der Bank handelt es sich um einen einzelnen Mann, welcher auf der Straße steht. Der Wechselkurz vor Ort war sicher nicht der beste. Wir empfehlen dir hier vor der Einreise unsere Infos zum Thema Geld und Wechselkurs im Iran durchzulesen. 
  • Aber mit den ersten Millionen iranische Rial können wir so direkt bei einem weiteren Verkäufer auf der Straße hinter dem Grenzgebäude eine Simkarte kaufen. Wir zahlen für 16 GB für 30 Tage circa 2.000.000 Rial. Bei der Karte handelt es sich um keine Touristen-SIM-Karte sondern eine bereits registrierte. Kann natürlich ein Betrug sein und die Karte wird kurz drauf wieder deaktiviert. In unserem Fall hatten wir Glück und die Karte funktionierte problemlos weiter. Sollte man auf das Internet für die erste Nacht an der Grenze verzichten können, würden wir dennoch empfehlen eine offizielle SIM-Karte in der nächsten Stadt zu kaufen. Mehr zum Thema Internet im Iran erfährst du hier

Eine Nacht im Niemandsland

  • Die Nacht im Niemandsland ist ruhig. Es gibt Toiletten, Mülleimer und einen Wasserkanister können wir ebenfalls auffüllen. Gegen 20:00 kommt noch einmal der wachhabende Polizist vorbei und frägt ob alles gut ist und wir noch etwas brauchen. Wenn irgendwas sei, sollen wir uns einfach bei ihm melden. 
  • Zoll, die Zweite – am nächsten Morgen stehen wir in deutscher Manier pünktlich im Zollbüro. Laut Aussage des Chefs des Zolls der Grenze wird mit der Carnet de Passage nun doch kein iranisches Kennzeichen benötigt. Bis dato war an dieser Grenze eine Einreise ohne Kennzeichen so nicht möglich, an anderen Grenzen zur Türkei und Armenien gemäß der Erfahrung anderer Overlander schon. Unsere Carnet de Passage wird im Anschluss anhand eines Abrisses der Carnet eines polnischen Nissan-Campers langwierig ausgefüllt. Besten Dank geht raus an diesen Camper für die Vorlage, ansonsten wäre es vermutlich noch ein längeres Unterfangen geworden.
  • Fahrzeugkontrolle, die Zweite – im Anschluss wird das Fahrzeug im LKW X-Ray geröntgt. Wir mussten nachträglich nichts weiter öffnen oder zeigen. Die Röntgenaufnahme war wohl zufriedenstellend. 
  • Zoll, die Dritte – danach wird die Carnet de Passage final befüllt.  Erst wurde der obere linke Importbereich erst vergessen auszufüllen, dieser wurde auf Nachfrage aber dann ebenfalls gefüllt und gestempelt. 
  • Beim Rausfahren aus der Grenze mussten wir an zwei Stellen noch einmal Pässe und Carnet de Passage vorzeigen, wurden dann aber durch gewunken. 

KFZ-Versicherung im Iran

  • Auf unsere aktive Nachfrage zur obligatorischen KFZ-Versicherung hieß es von drei verschiedenen Personen inklusive dem Polizeichef, als Ausländer mit eigenem Kennzeichen bekommen wir keine. Hier wurde uns auch mitgeteilt, dass wir keine eigene Diesel-Tankkarte erhalten können, da wir kein LKW oder Nutzfahrzeug und zudem Ausländer sein.
  • Nach 24 Stunden an der Grenze fahren wir müde aber glücklich aus der Grenze und kommen final im Iran an. 
  • Obligatorische Versicherung –  entgegen der Aussage der Grenzmitarbeiter finden wir heraus, dass eine KFZ-Versicherung wohl doch verpflichtend sei und auch besser im Falle eines Unfalls. Daher fahren wir entsprechend des Tipps eines anderen Overlanders nach Marivan. In der  Versicherungsstraße 35.520863, 46.176084 (www.passargadinsurance.ir) können wir für USD 50 eine KFZ-Haftpflichtversicherung für 60 Tage abschließen.

Nun aber wirklich, welcome to Iran. Die als langwierig und schwierig geltende Grenze zwischen Nord Irak / Iran haben wir schon mal geschafft. Wir kaufen uns das erste iranische 0.0 Promille Bier im Supermarkt um die Ecke und stoßen am ersten Stellplatz mit toller Aussicht erstmal an. Wir sind im Iran, mit dem Dicken. 

Du möchtest mehr zum Iran mit dem eigenen Camper erfahren? Dann wünschen wir dir viel Spaß beim Lesen unseres Tipps & Tricks Artikels.

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