Mit dem Wohnmobil in den Nord Irak 

„Reisen bedeutet herauszufinden, dass alle Unrecht haben mit dem, was sie über andere Länder denken.“ – Aldous Huxley. Mit dem Camper in die Autonome Region Kurdistan, Irak. Wir sind ehrlich, bis vor einem Jahr hatten wir den Nord Irak als Vanlife-Ziel auch noch nicht auf dem Schirm. Aber wir lieben es abseits ausgetretener Routen zu reisen und sind immer wieder offline sowie online über spannende Reiseberichte gestolpert. Also warum nicht. Die Entscheidung war gefallen, wir fahren mit dem Camper in die Autonome Region Kurdistan, Irak.


Autonome Region Kurdistan, Irak

Die Autonome Region Kurdistan ist ein Gebiet im Norden des Irak. Die autonome Region unterhält ein eigene Regierung mit Sitz in Erbil, gehört aber zum Staatsgebiet des Irak. Es wird eine eigene Militärorganisation, die Peshmerga unterhalten. Ein eigenes, international anerkanntes Staatskonstrukt ist die Region Kurdistan allerdings nicht.  

Der kurdische Bevölkerungsanteil identifiziert sich stark als Kurden*innen, nicht als Iraker*innen. Dementsprechend ist es auch kulturell sensibler – zu erwähnen, dass man Iraqi Kurdistan richtig schön findet und nicht den Nord Irak. 


Einreisebestimmungen Irak Kurdistan mit dem Camper

Im März 2022 ist eine Einreise nach Irak Kurdistan mit dem Camper über den Landweg aus der Türkei verhältnismäßig einfach möglich. Wir empfehlen dir immer dich tagesaktuell auf den Seiten des auswärtigen Amtes über die derzeit geltenden Einreisebestimmungen zu informieren. Bestimmungen zur Einreise können sich häufig kurzfristig ändern. Auch wenn die Seiten leider nicht immer top aktuell gehalten sind, sind sie doch meist ein guter Anhaltspunkt. Als hilfreich empfinden wir zudem entsprechende Facebook-Gruppen sowie die App iOverlander. Hier bekommt man häufig reale Informationen von anderen Überland-Reisenden, welche die betreffende Grenze selbst erst kürzlich passiert haben.

Zum Zeitpunkt unserer Einreise wird lediglich der Reisepass, Fahrzeugschein sowie ein entsprechendes Covid-Dokument (2fache Impfung nachweisbar über das gelbe WHO-Buch oder den digitalen EU-Impfnachweis oder alternativ einen negativen PCR-Test, welcher bei Einsreise nicht älter als 72h sein darf) benötigt.

Denk dran vorab USD an einem der Geldautomaten in der Türkei abzuheben. Wir haben uns bereits in Gaziantep eingedeckt, hier haben die Geldautomaten sowohl Türkische Lira als auch USD ausgegeben. Du kannst an der Grenze selbst wie nachfolgend im Grenzbericht beschrieben USD in IQD wechseln. Denn das Visa on Arrival kann nur in IQD gezahlt werden, die Import-Gebühr für deinen Camper nach Kurdistan Irak jedoch nur in USD. Euro oder türkische Lira wurden bei uns nicht angenommen. 


Keine Carnet de Passage für die AUtonome Region Kurdistan

Die Carnet de Passage wird  für die Einfuhr des Fahrzeuges in die Autonome Region Kurdistan, Irak nicht benötigt. Auch wenn wir immer wieder von anderen Reisenden gehört haben, denen das Zolldokument bei der Einreise abgestempelt wurde. Dies führt wohl häufig zu Irritationen und Problemen bei der Ausreise. Insbesondere bei Ausreise über einen anderen Grenzübergang. Denn eine Carnet de Passage die zur Einreise gestempelt wurde muss auch zur Ausreise gestempelt werden. 

Sollet ihr planen den gesamten Irak zu bereisen, also nicht nur die Autonome Region Kurdistan sieht das anders aus. Dieser Artikel beschreibt lediglich die Einreise in die Autonome Region Kurdistan, Irak im Norden des Landes. Wer das Fahrzeug in die Autonome Region Kurdistan einführt, darf sich auch nur in dieser bewegen. Einfach mal in den „richtigen“ Irak fahren ist also nicht so einfach möglich. 


Grenzbericht Türkei Nach Irak Kurdistan 

Ausreise aus der Türkei

  1. Passagierliste – Man benötigt für den Grenzübergang offiziell eine sogenannte Passagier-Liste. Nach dieser wurden wir während des Grenzübertritts auch gefragt. Wir haben online keine verlässliche Information zum offiziellen Erwerb gefunden. Auch das Personal an der letzten Tankstelle vor der Grenze sowie der zufällig anwesende Polizist wussten nicht wo es diese zu kaufen geben sollte. Der Polizist meinte zu uns, dass wir diese nicht brauchen würden. Kurz vor dem türkischen Grenzposten, stehen ein paar Kleinbusse. Diese verkaufen die Listen. Der offizielle Vertriebspunkt ist das sicher nicht. Für zwei Seiten vom Abrissblock haben wir umgerechnet 2,44 € gezahlt. Das Anfangsgebot lag bei I0€. Es handelt sich um einen Zettel auf dem Name / Passnummer / Geburtsdaten sowie das Kennzeichen angegeben werden.
  1. An der Grenze angekommen, wird das Auto abgestellt und zu Fuß zur Passkontrolle gegangen. Hier werden logischerweise die Pässe sowie die Passagierliste geprüft. Wenn alles passt, erhält man den Ausreisestempel in den Reisepass. 
  1. Danach muss man das Auto wieder abholen und es hinter dem Schalter zur Fahrzeugpapier-Kontrolle parken. Dann gehts zu Fuß zum Schalter zurück. Auf uns kamen hier direkt zwei Polizisten zu, die uns geholfen haben. Wir hielten diese anfänglich für die klassischen Schlepper, die nach geleistetem Support ein paar Lira als Dankeschön erwarten. Dem war aber nicht so, es schien sich tatsächlich um nicht uniformierte Polizisten zu handeln. Es wurde kein Cent verlangt und wir konnten nach 10 Minuten weiter. Wobei hingegen die Schlange der LKW Fahrer*innen vor dem Kontrollpunkt kontinuierlich länger wurde. 

Einreise mit dem eigenen Fahrzeug in die Autonome Region Kurdistan

  1. Fahrzeugkontrolle die Erste, vielleicht war es der Zoll. Sicher wissen wir das allerdings nicht. Auf jeden Fall wurde einmal hinten und zur Seite in den Camper rein geschaut. Vermutlich um zu sehen, dass keine doppelte Rückwand verbaut ist. Es wurde gefragt was wir in den Dachboxen haben, reingeschaut wurde aber nicht. Das ist den Grenzern meist doch zu aufwändig. Schließlich haben wir keine Leiter verbaut. Netterweise bekamen wir hier noch Trinkwasser und Informationen zum weiteren Vorgehen. 
  1. Vom netten Kurden angequatscht werden, der bis 2015 in Berlin gelebt hat. Er möchte sein Deutsch üben und uns als persönlicher Dolmetscher ab sofort zur Seite steht. Ebenfalls übrigens ohne eine Gegenleistung zu erwarten.
  1. COVID-Check „Fenster 1“. Hier wird der entsprechende Covid-Nachweis geprüft. Ein Impfnachweis ist wohl mittels WHO-Buch sowie dem europäischen QR-Code möglich. Alternativ kann ein PCR-Test vorgelegt werden, dieser darf bei Einreise nicht älter als 72h sein. Scheinbar ist auch ein Test direkt vor Ort für USD 35 möglich (Hinweis, bitte informiere dich insbesondere hierzu noch einmal tagesaktuell).
  1. Geldwechsel – wir empfehlen ausreichend USD in IQD  an “Fenster 2″ zu wechseln. Den das Visa on Arrival ist nur in IQD zu bezahlen, Fremdwährungen werden hier nicht angenommen. Behaltet aber ausreichend USD für den Fahrzeugimport. Der Import ist Wiederrum nur in USD zu zahlen. 
  1. Passkontrolle – wie auch immer unser neuer Freund uns komplett vor die wirklich lange Schlange gemogelt hat. Wir stehen plötzlich ganz vorne beim Grenzbeamten. Hinweis für Inhaber von zwei Reisepässen, es wird der Pass benötigt in welchem auch der Ausreisestempel der Türkei ist. Das Visum on Arrival kostet 100.000 IQD / Person (circa 62€/Person). Die Gebühr ist vor Ort in IQD zu begleichen. Anschließend erhält man den Einreisestempel in den Reisepass. Wir haben von einigen Reisenden gehört, bei denen der Pass des Fahrzeughalters als Pfand einbehalten wurde. Quasi als Sicherheit, dass das Fahrzeug auch wieder ausgeführt wird. Es wird in diesem Fall wohl ein Ersatzdokument ausgestellt, welches im Land wohl auch als Pass-Ersatzdokument anerkannt wird. Dieses Dokument wird beispielsweise beim Kauf einer nationalen SIM-Karte benötigt. Bei Ausreise an der identischen Grenze erhält man dann wohl den Reisepass gegen Vorlage des Ersatzdokumentes zurück. Bei uns war das Einbehalten des Passes allerdings nie Thema. Das wäre für uns auch nicht in Frage gekommen, da wir ja die Ausreise über eine andere Landesgrenze im Süden planten. Vorab haben wir allerdings auch gehört, dass man über den Passverbleib diskutieren kann. Auch wenn man hierfür wohl etwas Zeit einplanen sollte. Vermutlich kommt es hier auf Lust und Laune des Grenzbeamten an. Denn wie voran genannt, in unserem Fall war der Einbehalt eines Passes nie auch nur ansatzweise Thema. 
  1. Nachdem der Einreisestempel im Pass ist, geht es weiter mit der Einfuhr des Fahrzeugs. Es folgt die zweite Fahrzeugkontrolle. Hier wird ebenfalls kurz hinten rein geguckt und wir erhalten ein Kompliment für den schönen Ausbau. Anschließend wird noch der Name im Pass mit den Fahrzeugpapieren abgeglichen um sicher zu gehen, dass man auch selbst Fahrzeughalter ist. Solltet ihr dies nicht sein, empfiehlt sich stets eine originale Vollmacht mitzuführen, die auch Grenzübertritte mit dem Fahrzeug inkludiert. 
  1. Im Anschluss geht es zum „Mechanic“. Dieser gleicht die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) am Fahrzeug mit der FIN im Zulassungsbescheinigung Teil I ab. Um eine zeitintensive Suche zu vermeiden, empfiehlt sich also vorher mal zu gucken, wo beim eigenen Camper die FIN versteckt ist.  
  1. Stimmt die FIN überein, stellt der „Mechanic“ einen Schreiben aus. Mit diesem geht es weiter zum Zollbüro. Hier erhält man eine Rechnung auf kurdisch über USD 30.
  1. Mit diesem Rechnungsschreiben geht man zur Kassenhäuschen. Nach Begleichung des Betrags (bei uns wurden ausschließlich USD angenommen) erhält man eine Quittung. 
  1. Mit dieser Quittung kann man zurück ins Zollbüro um hier seine temporären Import-Dokumente abzuholen. Diese gilt es übrigens gut aufzubewahren, denn sie werden zwingend für die Ausreise benötigt. Hier bekommt man auch einen Abrisszettel mit dem Kennzeichen darauf. 
  1. Dieser Abrisszettel wird beim Ausfahren aus der Grenze an der letzten Station abgegeben. Der Rest der Zollpapiere verbleibt bei euch.
  1. Vom letzten Grenzers ein herzliches “Welcome to Kurdistan“ entgegen geschmettert bekommen und sich auf das Abenteuer Nord Irak freuen. 

Sicherheit für Reisende in Kurdistan

„Ja seid ihr wahnsinnig. Da sind doch nur Terroristen!“ oder „Naja die Bombenstimmung ist euch sicher“ waren einige der Reaktion als wir mitgeteilt haben, wir fahren mit dem Wohnmobil in die Autonome Region Kurdistan, Irak. Viele assoziieren den Irak bis heute mit dem IS, Saddam Hussein, den Taliban, US Kampfeinsatz & terroristischen Aktivitäten. Der zweite Irakkrieg wurde durch George W. Bush am 01.05.2003 als beendet erklärt – das ist nun 19 Jahre her. Seit 2017 gilt der IS als militärisch besiegt. Auch das ist schon wieder fünf Jahre her. Ja der Irak ist ein Post-Kriegs-Land und auch heute ist der IS nicht spurlos verschwunden. Die Lage hat sich aber in weiten Teilen des Landes drastisch entspannt. Es gibt also nach wie vor militante und terroristische Organisationen, ja. Die gibt es in Europa aber auch. 

Wie wir alle wissen, es gibt keine schlechten Länder – es gibt nur schlechte Menschen. Die verweilen aber bekanntlich in allen Ländern dieses Planeten. Die Region Kurdistan-Irak ist von der Teilreisewarnung des deutschen Auswärtigen Amtes zum Zeitpunkt unserer Reise explizit ausgenommen. Die Menschen in der Autonomen Region Kurdistan genießen die Ruhe. Sie führen ein reguläres von Alltag geprägtes Leben und freut sich über den aktuell vorherrschenden Frieden. 

Kurz wir haben uns sicherer gefühlt als auf unserem USA Roadtrip in San Francisco, Kalifornien. Hier haben wir es vermieden nach Sonnenuntergang noch draußen unterwegs zu sein. In der Autonome Region Kurdistan saßen wir jedoch nachts mitten im Nirgendwo mit einem kalten Bierchen draußen vor dem Dicken und haben die Sterne beobachtet. 


Peshmerga im Irak

Als Peshmerga wird die Militärorganisation der Autonomen Region Kurdistan, Irak bezeichnet. Wer das erste Mal durch ein Land mit Checkpoints reist, wird eventuell beim Anblick der zahlreichen Militärstops ein mulmiges Gefühl haben. Nach unseren Reisen mit dem Fahrzeug durch Mexiko, Tunesien, Marokko oder auch Israel und Palästina ist es für uns kein ungewohntes Bild mehr. Wir empfinden die Kontrollen als stets freundlich und unkompliziert. Meist genügt es zu sagen wo man her kommt und wohin man möchte. Manchmal werden unsere Pässe kontrolliert und noch seltener müssen wir erklären, dass wir kein LKW sondern ein Camper sind. Nur einmal möchte ein Kontrolleur ins Innere unseres Fahrzeugs sehen. Der holt auch gleich den Kollegen um ihn unseren tollen Ausbau zu zeigen und führt stolz die Dusche vor. Gut das wir noch einiges an Wasser dabei hatten. 

Ist ein Gebiet, in das man fahren möchte, nicht sicher oder sind dort keine Touristen erwünscht, wird einem dies an einem der Peshmerga-Checkpoints freundlich mitgeteilt. Auf unserer Reise durch den Nord Irak ist uns dies zweimal passiert. Wie wir später erfahren haben einmal da das Gebiet im Fokus der türkisch/irakischen Auseinandersetzungen lag und einmal vermuten wir schlichtweg das dort eine Militärbase war.

Das größte Risiko an einer Reise durch den Nord Irak besteht unseres Erachtens darin so oft zum Tee eingeladen zu werden, dass es unmöglich ist alle anzunehmen. 


Sozialverträgliche Kleidung im Nord Irak

Bekleidung als Frau in der Autonomen Region Kurdistan, Irak

Konkret Bekleidungsvorschriften wie im Nachbarland Iran gibt es in der Autonomen Region Kurdistan, Irak nicht. Man muss sich weder verschleiern noch ein Kopftuch tragen. Die traditionellen kurdischen Kleider sind farbenfroh, reichlich verziert und haben oft einen gar nicht so knappen Ausschnitt. Manche tragen ein klassischen Hijab, manche haben ein Tuch lässig um den Kopf geschwungen und viele verzichten gänzlich darauf. Ich persönlich habe den Nord Irak hinsichtlich der Bekleidung als westlich geprägter als den kurdischen Teil der Türkei empfunden. 

Auch wenn ich eine Kurdin im Minirock und Crop Top gesehen habe, hält sich die Mehrheit doch eher bedeckt. Eine die knöchelumspielende Hose sowie ein weites, nicht allzu tief dekolletiertes T-Shirt sind aber völlig in Ordnung und ausreichend. Es empfiehlt sich gegebenenfalls ein Tuch in die Tasche zu packen, sollte man religiöse Stätten wie Moscheen besichtigen.


Internet im Nord Irak

Netzabdeckung und Mobilfunkanbieter in Kurdistan

Als digitale Nomaden ist für uns eine stabile und schnelle Internetverbindung die Grundlage unsers Brötchen-Erwerbs. Und genau an der mangelt es im Nord Irak ab und an. Der Internetanbieter Korek Telecom hat die beste Netzabdeckung. Allerdings geht die im besonderen Freitags, wenn es die Städter zum picknicken aufs Land zieht gern mal gänzlich in die Knie. Wir hatten mit Korek Telecom Freitags von 09:00 als die ersten Tagesausflügler kamen bis abends um 20:00 Uhr als die letzten gegangen sind, kaum bis keinen Empfang obwohl uns 3G oder sogar LTE angezeigt wurde. Online-Meetings sollte man also vorsichtshalber eher auf die verbleibenden Wochentage legen. 

Der Anbieter Fastlink bietet einen wesentlich stabileren, meist LTE Empfang. Allerdings ist die Netzabdeckung grade in abgelegenen Gegenden wesentlich schlechter als die des Konkurrenten Korek Telecom. Wo Fastlink Empfang hat, ist dieser aber wesentlich schneller und stabiler. Fastlink bietet eSim Karten an. Insofern du die Dual-Sim-Funktion deines Smartphones mit einer eSim Karte verwenden kannst, wunderbar. Denn unsere Empfehlung ist ganz klar sich je eine Sim-Karte von Fastlink und Korek Telecom zu kaufen. Mit der eSim Lösung kannst du je nach Wochentag und Stellplatz einfach hin- und her wechseln und denn besten Empfang nutzen. 

Kosten für mobiles Internet im Irak

  • Korek Telecom 18000 IQD (circa 11,70 EUR für 20 GB)
  • Fastlink 21000 IQD (circa 14 EUR für 150 GB) 

Picknick und Campingkultur 

Schon in der Türkei erleben wir immer wieder eine große Picknick-Kultur. Doch im Nord Irak überrascht es uns einmal mehr. Wenige Tage nach unserer Ankunft wird im Nord Irak das kurdische Neujahrsfest Newroz gefeiert. Die Großfamilien reist meist mit mehreren Fahrzeugen an, teils sogar mit Reisebussen. Es scheint als müssten die Städte nun menschenleer sein. Denn alles was schon oder noch irgendwie krabbeln kann ist auf dem Land. Es wird gefeiert, getanzt, gelacht und viel gegessen. Es gleicht einem riesigen Festival. 

Auch nach den Newroz-Tagen wiederholt sich das Spektakel jeden Freitag. Der Freitag gleicht im Islam dem christlichen Sonntag. Ein Tag der Familie. Auch wir haben das Glück einmal mehr zu einem solchen familiären Get-together eingeladen zu werden. Wir essen reichlich von der Oma selbst gekochtes Dolma und werden in den traditionellen kurdischen Tanz eingeweiht. 

Meist zieht spätestens zum Sonnenuntergang wieder Ruhe ein und der Großteil der Menschen fährt zurück nach Hause. Nur wenige bleiben tatsächlich über Nacht. Das Picknick im Kreis der Großfamilie an Frei- und Feiertagen ist ein fester und gelebter Bestandteil der kurdischen Kultur.



Mit dem Camper durch Kurdistan Irak – Verkehr & Navigation

Nennen wir es ein in sich geordnetes Chaos. Es gibt wenige Ampeln und manchmal werden spontan aus sechs eben 12 Spuren. Es gleicht manchmal einem Ameisenhaufen, wenn man genauer und vor allem gelassen hin sieht erscheint es ein System zu geben. Mit dem Camper durch den Nord Irak, grade mit größeren Fahrzeugen im besonderen in den Städten manchmal ein kleines Abenteuer. Aber ein machbares. 

Man sollte sich übrigens an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten oder entsprechend im Verkehr mitschwimmen. Denn es gibt zu unserer Verwunderung immer wieder Geschwindigkeitsmessungen und festinstallierte Blitzer. Vor allem aber auch jede Menge Straßenschwellen zur Geschwindigkeitreduzierung. Genau diese fiesen Hügel auf dem Asphalt, diese Bumper, die man meist nicht sieht und die bei hohen Geschwindigkeiten ordentlich Schäden an Fahrwerk und Reifen anrichten können. Vermutlich das effizienteste Mittel gegen Raser. Aber eben auch furchtbar ungünstig wenn man mit seinem Haus auf Rädern unterwegs ist.

Navigation per Google Maps 

GOOGLE MAPS an und für sich funktioniert im Nord Irak. Nur nicht die Navigationsfunktion leider nicht. Es steht im Nord Irak nur die Vorschaufunktion zur Verfügung. Grade im Gewusel der größeren Städte empfehlen wir zur Navigation die Maps.me App. Hier kann man sich das Kartenmaterial kostenfrei herunterladen und braucht dann zur Navigation nicht einmal eine Internetverbindung. Eine sichere Navigation ist grade mit dem Camper in den Städten Kurdistan Iraks äußerst hilfreich. Interessieren dich praktische Reise-Apps? In dem Fall empfehlen wir dir unseren Artikel dazu. 


Mit dem Camper durch den Nord Irak – die Städte

Duhok, Erbil, Sulaimaniyya sind große Städte in denen man eigentlich alles bekommt was das Herz begehrt. In jeder der Städte gibt es eine Familymall mit je einem großen Carrefour mit internationalen Produkten. Sogar zuckerfreie Kekse, Mandelmehl, zuckerfreie Milchalternativen und Linsennudeln finden wir hier. Ein Schlaraffenland für Langzeitreisende die eventuell das ein oder andere europäische Produkt vermissen. 

In den Malls findet man ferner internationale Bekleidungsmarken, in den Bazaaren alles andere was man so zum täglichen Leben benötigt. 

Obst- und Gemüse kauft man dabei am besten bei den zahlreichen Händlern und nicht im Supermarkt ein. Hier ist meist die Qualität besser und die Auswahl größer. Der Einkauf auf lokalen Märkten ist zudem meist günstiger. 


Kosten und Geld im Nord Irak 

Preisverhältnis

Kurdistan Irak ist abgesehen vom Kraftstoff kein günstiges Reiseland für Camper. Insbesondere nicht wenn man grade aus der Türkei kommt. Das Preisverhältnis bewegt sich hier unseres Erachtens im gemäßigten europäischen Bereich. Für ein Essen im guten Restaurant in Duhok zahlen wir zu zweit circa 25 EUR. Der Liter Diesel kostet uns dafür grade einmal circa 0,55 EUR. Der große Vorteil wenn man ölfördernde Staaten bereist. 

Kreditkarten im Nord Irak

Der Nord Irak ist ein Barzahlerland. In großen Supermärkten und Hotels werden eher noch Masterkarten akzeptiert, Visa Karten jedoch kaum. In den Städten Dukok, Erbil und Sulaimaniyya finden wir aber immer einen Geldautomaten der auch unsere Visa Karte annimmt. Meist findet sich auch einer in den größeren Malls. 

USD werden an vielen Stellen in IQD gewechselt. Viele Tankstellen zeigen sogar unter den Kraftstoffpreisen den aktuellen Wechselkurs an. Auch viele Shops und Hotels wechseln direkt USD. Dabei werden 50 und 100 Dollar-Noten bevorzugt. 


Mit dem Camper durch den Nord Irak – Stellplätze

Wildcamping und Freistehen mit dem Van in der Autonomen Region Kurdistan 

Freistehen wird in der Autonomen Region Kurdistan, Irak fast überall geduldet. Grade aufgrund der großen Picknick und Campingkultur im Land haben wir nicht das Gefühl irgendjemand zu stören oder uns gar verstecken zu müssen. Ganz im Gegenteil wir fühlen uns willkommen und packen eher die Picknickdecke statt der Campingstühle aus um uns ein klein wenig anzupassen. Kurdistan, Irak mit dem Camper – ein Traum für Freisteher.

Campingplätze im Nord Irak

Campingplätze nach europäischen oder amerikanischen Vorbild finden wir hingegen nicht. Es gibt wohl ab und an Picknick-Parks an denen man auch über Nacht stehen kann. In den Städten ist es zudem möglich auf zentralen bewachten Parkplätzen oder an Parks über Nacht zu stehen. Wir haben die Natur jedoch bevorzugt und sind abends wieder aus den Städten gefahren. Die Distanzen in Kurdistan Irak sind nicht so immens, dass man binnen einer Stunde Fahrzeit mit dem Camper nicht immer auch ein ruhiges Fleckchen außerhalb der Stadt finden könnte.


Unsere Top 3 Sight Seeing Spots im Nord Irak 

Lalisch – Heiligtum der Jesiden

Lalisch ist ein Tal im Nord Irak zwischen Duhok und Mosul in dem sich das zentrale Heiligtum der Jesuiten, die Grabstätte des Scheich Adi ibn Musafir, befindet.

Die Tempelanlage ist so heilig das sie nur barfuss betreten werden darf. Ganz gleich ob im wirklich kalten Winter oder im siedend heißen Sommer. Wer nicht barfuss durch die heiligen Hallen schlendern möchte, kann auch seine Socken anlassen. Wir treffen dort mehrere deutsche Jesuiten die nach Lalisch gepilgert sind oder um dort Familie zu besuchen. 

Rabat Hormizd Monastry und Alqosh 

Wie schon das große Kreuz auf der Durchfahrt in Richtung Alqosh vermuten lässt, handelt es sich um eine mehrheitlich christliche Gemeinde. Das chaldäisch-katholische Kloster Rabat Hormizd liegt dabei etwa drei Kilometer nordöstlich von Alqosh. Zum Kloster winden sich die engen Serpentinen steil den Berg hoch. Den das Kloster und die Kirche sind halb in den Berg geschlagen. Die Gründung erfolgte wohl bereits im 7. Jahrhundert. Der bis dato letzte Mönch des Klosters verstarb 2011. 

Das spannende sind sicher die tief in den Berg gegrabenen Gänge, Andacht- und Gebetsräume die sich von der Kirche erreichen lassen. Ein klein wenig fühlt man sich hier wie ein Entdecker auf den Spuren längst vergangener Zeiten. Auch der Blick vom Koster ins Tal ist fantastisch. 

Für größere Fahrzeuge sind die letzten Meter der steilen Serpentinenstraße eventuell zu eng und oben zu wenig Park- und Wendemöglichkeiten vorhanden. Man kann aber auch unten nach dem letzten Peshmerga-Kontrollpunkt parken und die Erkundung mit einer kleinen Wanderung verbinden. Die Peshmerga kurz vom Eingangstor zum Ort Alqosh behalten unsere Pässe ein, denn wir müssen Abends die Region wieder verlassen und dürfen nicht übernachten. 

Im Ort Alqosh selbst es gibt zudem ein tolles Heimatmuseum. Ein Nachbau der das Leben im alten Alqosh zeigt. Ein Besuch lohnt sich alle Mal. In der App iOverlander sind hier auch Wildcamping-Spots markiert. Auch wenn es uns nicht möglich wahr über Nacht zu bleiben, vielleicht probiert es ja der nächste Camper der durch Irak Kurdistan reist.

Dukan Lake 

Der Dukan Lake ist der Stausee in der Nähe der Stadt Ranya, erbaut zwischen 1954 und 1959 zur Wasserspeicherung. Wie eine grüne Oase erscheint uns unser Stellplatz oberhalb des Sees auf unserem Weg nach Sulaimaniyya. Wir parken zwischen Pinien, bunte Blumen sprießen um uns herum und den Sundowner genießen wir mit Blick über den größten See der Region Kurdistan. Wir bleiben direkt bis uns das Wasser ausgeht und genießen unser Haus am See. Ein unverhofft einsames Plätzchen für Camper in der Autonomen Region Kurdistan, Irak.


Der Nord Irak – ein Resümee

Fährt man ohne größere Erwartungen über eine Grenze wird man doch meist überrascht. Das sollte sich in der Autonomen Region Kurdistan, Irak so sein. Wir wurden überrascht von der Herzlichkeit der Menschen, der abwechslungsreichen und wirklich beeindruckenden Landschaft und den unglaublichen Wildcamping-Spots.

Obwohl wir uns bis dato für völlig weltoffene Menschen hielten, mussten auch wir ordentlich mit den Schubladen in unserem Kopf aufräumen. Und der Nord Irak eignet sich fantastisch dafür.

Ganz klar der Nord Irak ist kein klassisches Urlaubsland, besonders für Wohnmobilisten und Vanlifer. Alleine die Fahrtzeit, wenn man sich von Zentraleuropa aus aufmacht, wird für viele ein Ausschlusskriterium sein. Auch den Campingplatz mit Kinderanimation, eigenem Supermark und Pools wird man so eher weniger finden. Für abenteuerbegeisterte Camper, die gerne off the beaten path unterwegs sind, ist die Autonome Region Kurdistan, Irak aber ein fantastisches Ziel.

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Provision-Links. Wenn du auf so einen Verweislink klickst und über diesen Link einkaufst, bekommen wir von deinem Einkauf eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.

Schreibe einen Kommentar